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JOHANNES PAUL II.

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 21. Januar 2004

   

Lesung: Joh 14,23–27

23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.

Liebe Brüder und Schwestern!

1. »Meinen Frieden gebe ich euch« (Joh 14,27). Die diesjährige Woche der Reflexion und des Gebets für die Einheit der Christen hat als Leitspruch die von Jesus beim Letzten Abendmahl gesprochenen Worte. Es handelt sich in gewissem Sinn um sein geistliches Testament. Die Verheißung, die den Jüngern gegeben wurde, findet ihre volle Verwirklichung in der Auferstehung Christi. Als Er im Abendmahlssaal den elf Jüngern erscheint, wiederholt Er dreimal den Gruß: »Friede sei mit euch!« (Joh 20,19).

Das Geschenk an die Apostel ist also nicht irgendein »Friede«, sondern der Friede Christi selbst, »mein Friede«, wie Er selbst sagt. Und um dies besser verständlich zu machen, erklärt er noch eingehender: Meinen Frieden gebe ich euch, »nicht wie die Welt ihn gibt« (Joh 14,27).

Die Welt sehnt sich nach Frieden, sie braucht Frieden – heute ebenso wie gestern –, aber oft sucht sie ihn mit ungeeigneten Mitteln, manchmal sogar unter Zuhilfenahme der Gewalt oder des Gleichgewichts entgegengesetzter Kräfte. In solchen Situationen wird der Mensch im Innersten erschüttert und lebt in Angst und Unsicherheit. Der Friede Christi hingegen versöhnt die Gesinnungen, reinigt die Herzen, bekehrt den Geist aller.

2. Das Thema der »Gebetswoche für die Einheit der Christen« wurde in diesem Jahr von einer ökumenischen Gruppe aus Aleppo in Syrien vorgeschlagen. Das ruft mir die Pilgerfahrt nach Damaskus ins Gedächtnis, die ich zu meiner großen Freude unternehmen konnte. Ich erinnere mich dankbar an den herzlichen Empfang, der mir von den beiden orthodoxen und dem griechischkatholischen Patriarchen bereitet wurde. Diese Begegnung ist noch immer ein Zeichen der Hoffnung für den ökumenischen Weg. Aber, wie das II. Vatikanische Konzil betont, »es gibt keinen echten Ökumenismus ohne innere Bekehrung. Denn aus dem Neuwerden des Geistes, aus der Selbstverleugnung und aus dem freien Strömen der Liebe erwächst und reift das Verlangen nach der Einheit« (Dekret über den Ökumenismus, Unitatis redintegratio, 7).

Die Sehnsucht nach einer tiefen Spiritualität des Friedens und der Befriedung wird immer spürbarer, nicht nur unter denen, die sich unmittelbar der ökumenischen Arbeit widmen, sondern bei allen Christen. Die Sache der Einheit betrifft jeden Glaubenden, der berufen ist, zu dem einen Volk derer zu gehören, die durch das Blut Christi am Kreuz erlöst worden sind.

3. Es ist ermutigend festzustellen, daß die Suche nach der Einheit unter den Christen sich immer weiter ausbreitet dank angemessener Initiativen, die die verschiedenen Bereiche des ökumenischen Einsatzes betreffen. Unter diese Zeichen der Hoffnung reihe ich gerne die wachsende brüderliche Liebe und den Fortschritt ein, der in den theologischen Dialogen mit den einzelnen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu verzeichnen ist. In ihnen war es möglich, in unterschiedlichem Maße und mit jeweiligen Besonderheiten wichtige Übereinstimmungen über Thematiken zu erzielen, die in der Vergangenheit sehr umstritten waren.

Im Hinblick auf diese positiven Zeichen dürfen wir nicht den Mut verlieren angesichts der alten und neuen Schwierigkeiten, auf die wir stoßen. Sie sind mit Geduld und Verständnis anzugehen, wobei wir immer auf die göttliche Hilfe zählen können.

4. »Wo die Güte und die Liebe ist, dort ist Gott, der Herr.« So betet und singt die Liturgie in dieser Woche, während sie wieder die Atmosphäre des Letzten Abendmahls erlebt. Aus der gegenseitigen Güte und Liebe entspringen der Friede und die Einheit aller Christen, die einen entscheidenden Beitrag leisten können, damit die Menschheit die Gründe der Trennungen und Konflikte überwindet.

Neben dem Gebet, liebe Brüder und Schwestern, fühlen wir uns auch angespornt, wahre »Friedensstifter« (vgl. Mt 5,9) in unseren jeweiligen Lebensbereichen zu sein.

Auf diesem Weg der Versöhnung und des Friedens unterstütze und begleite uns die Jungfrau Maria, die auf Golgota Zeugin des Erlösungsopfers Christi war.


„Meinen Frieden gebe ich euch" (Joh 14, 27). Christus hinterläßt den Jüngern seinen Frieden, der Versöhnung, Läuterung der Herzen und Umkehr schenkt. Um diesen Frieden bitten wir in der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Wir tun dies im Bewußtsein, daß jede echte Ökumene auf der Liebe zur Wahrheit und der Bereitschaft zur inneren Bekehrung beruht.

Die Einheit der Christen muß allen Gläubigen ein Anliegen sein. Wir bedürfen einer Spiritualität des Friedens und der Versöhnung. Der Kraft der Wahrheit und einer tiefen gegenseitigen Liebe entspringen der Friede und die Einheit aller Getauften. Geeint können die Christen wirksam zur Überwindung der Ursachen von Spaltungen und Konflikten unter den Menschen beitragen.

***

Herzlich begrüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Christus schenkt uns seinen Frieden, die Gabe der Erlösung. Er will, daß wir mit ihm und untereinander eins sind. In Geduld und Liebe wollen wir auf dem Weg der Einheit voranschreiten. Dazu helfe und segne euch der Herr!

 



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