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BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
AN DEN INTERNATIONALEN KONGRESS DER KOLPINGGEMEINSCHAFT

Montag, 24. Mai 1982

 

Liebe Kolpinggemeinschaft, liebe Brüder und Schwestern!

Herzlich grüße ich Euch zu Eurem internationalen Kongreß in Innsbruck, den Ihr unter das Leitwort gestellt habt: ”Mit Kolping Brücken bauen“.

Brücken verbinden Getrenntes; sie überwinden Schluchten und Täler. Brücken ermöglichen es, Gräben zu überschreiten: Gräben zwischen Gott und den Menschen, Gräben zwischen Mensch und Mensch. Die gespaltene Welt von heute ruft auf vielfache Weise nach Brückenbauern.

Der Gründer Eures Werkes errichtete solche Brücken. In einer Zeit, in der Unruhen und religiöse Leben verunsicherten, schuf er Brücken, auf denen die Menschen zu Gott finden können. Gegen die Erschütterungen in Wirtschaft und Politik entwarf er Brücken für die Verbindung zwischen Kirche und Gesellschaft, Brücken zwischen verschiedenen sozialen Schichten, Brücken der Verständigung zwischen Völkern und Rassen. Damit verwirklichte er, was das Zweite Vatikanische Konzil als Auftrag und als Selbstverständnis der Kirche umschrieben hat. Es nennt die Kirche ”Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott sowie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (Lumen Gentium, 1).

In der Kirche hat Adolf Kolping seinen tiefen und zugleich weltoffenen Glauben gefunden: rückhaltlos vertraute er der Vorsehung Gottes; alle und alles wußte er in den Händen des Vaters geborgen. Sagt er doch selbst:”Gottes Arm reicht weiter, als wir denken können“. Die Kirche war für ihn auch der Ort, wo anderen das gleiche Gottvertrauen geschenkt werden soll. So lautet denn seine erste Weisung an uns: Liebend erkenne Gott und diene ihm, weil er Herr ist. Es ist mir, als müßte ich diesen Satz einem jeden von Euch persönlich sagen: Liebend erkenne Gott und diene ihm, weil er Herr ist. Wahrlich eine Lebensweisung für jedes Glied der Kolpinggemeinschaft; wahrlich eine Losung für jeden, der als Laienapostel anderen den Weg zum menschlichen Glück und zum ewigen Heil zeigen möchte.

Eine solche Gottverbundenheit behindert niemals den Einsatz für die Menschen. Darum ist es nicht verwunderlich, daß der Priester Adolf Kolping zum Vater der Gesellen und Handwerker wurde. In knapp zwanzig Priesterjahren legte er das geistliche und organisatorische Fundament einer Erziehungs- und Bildungsgemeinschaft, die heute als Internationales Kolpingwerk in allen Kontinenten der Welt für die Menschen da sein will.

Das Kolpingwerk ist von seinem geschichtlichen Ursprung her am stärksten in den wohlhabenden Industrieländern des alten Kontinents verbreitet. Diese sind heute in einer besonderen Weise von Zukunftsangst und praktischem Materialismus gezeichnet. Und niemand kann übersehen, daß auch die Christen davon angesteckt werden; dass das Denken vieler von ihnen vor allem um das eigene Wohlergehen, um Besitz und Vergnügen kreist. Seid Euch dieser Gefahren bewußt! In solcher Selbstbezogenheit und Habsuch baut der Mensch, wie Adolf Kolping sagt,”Barrikaden um sein Herz“.

Laßt darum nicht nach, liebe Kolpingsöhne, in den Heranwachsenden das Vertrauen zum Vater im Himmel und den Sinn für geistige Werte wachzuhalten. Gott allein ist der Herr der Zukunft. Er kann uns die Furcht nehmen, und durch ihn kann unser Leben eine besonnene Unbekümmertheit gewinnen. Statt Euch allzu sehr um Euch selbst zu sorgen, setzt weiter Eure reichen Mittel und Eure Phantasie ein für Eure Brüder in Not, vor allem für die Ausbildung der Arbeitskräfte in den Entwicklungsländern. Schon lange seid Ihr mit diesem kostbaren Beitrag auf der Seite derer, die der sozialen Ungerechtigkeit in der Welt wehren und dagegen ankämpfen, daß der Abstand zwischen den meisten reichen und den ärmaren Ländern immer noch größer wird.

Ferner möchte ich Euch ermutigen, der echten Tradition Eures Werkes im Dienst an der Familie in Euren Plänen und Programmen weiter den ihr zukommenden hohen Rang einzuräumen. Die Erfahrung eines jeden von uns und die wissenschaftlichen Untersuchungen belegen, welche weitreichende Auswirkungen der Raum der Familie auf die seelische Gesundheit eines Kinds und eines Heranwachsenden hat. Keine andere Schule ist so geeignet, Gottes und Nächstenliebe zu vermitteln wie das lebendige Beispiel der Eltern und Angehörigen. Ich möchte Euch deshalb noch einmal die Worte ans Herz legen, die ich in meinem Apostolischen Schreiben über die Familie sagte: Ihr müßt ”der Familie eine besondere Liebe schenken. Das ist ein konkreter, verpflichtender Auftrag“ (IOANNIS PAULI PP. II Familiaris Consortio, 86).

Liebe Freunde der weltweiten Kolpingfamilie, wenn ich Euch diese Ziele vor Augen halte, so vor allem deshalb, um Euch auf Eurem Weg zu bestätigen. Ich kenne Eure Hochschätzung der christlichen Ehe und Familie, Eure Bemühungen um die berufliche Aus- und Weiterbildung junger Menschen, Eure Sorge um Arbeitslose. Mir ist die vielfältige Hilfe Eures Verbandes für Menschen in Not bekannt. Ich weiß um das großartige Engagement des Internationalen Kolpingwerkes im Bereich der Entwicklungshilfe für die Menschen und Völker der Dritten Welt. Erfreut bin ich vor allen Dingen über die segensreiche Ausbreitung des Kolpingwerkes in diesen Ländern. Von Herzen ermutige ich alle, die sich dort oft unter schwierigen Bedingungen im Geist Eures Gründers mit Geduld und Ausdauer für eine qualifizierte Ausbildung und Förderung der Arbeiter und ihrer Familien einsetzen.

Es ist mein aufrichtiges Gebet für Euch, daß Ihr wachst im Maß der Glaubenstiefe und Zeugniskraft Eures Gründers. Dann werdet Ihr Apostel sein, wie Christus es erwartet: Ihr werdet durch Euer Sein und Tun immer mehr Glieder der Kirche und Menschen guten Willens für die bedeutsamen und aktuellen Ideale Adolf Kolpings gewinnen. Dazu segne Euch, die Ihr in Innsbruck versammelt seid, Eure Mitglieder in der ganzen Welt sowie Eure Familien der Allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.



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