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BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE TEILNEHMER DER 1. ÜBERPRÜFUNGSKONFERENZ
DER KONVENTION VON OTTAWA
(NAIROBI, 29. NOVEMBER - 3. DEZEMBER 2004)

 

An Seine Exzellenz, Herrn Botschafter Wolfgang Petritsch,
Ständiger Vertreter der Republik Österreich bei der Organisation der Vereinten Nationen
in Genf und Vorsitzender der ersten Überprüfungskonferenz der Konvention von Ottawa
»über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung«

1. Während in Nairobi die erste Überprüfungskonferenz der Konvention von Ottawa über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung tagt, möchte ich an Sie, Exzellenz, meine herzlichen Grüße richten und allen teilnehmenden Delegationen durch Sie meine aufrichtige Dankbarkeit aussprechen. Ich freue mich über die sachdienlichen Entscheidungen, die getroffen worden sind, und über die schon von den Regierungen ergriffenen Maßnahmen, um diese schreckliche Geißel der modernen Zeit endgültig auszurotten. Zu diesem erfreulichen Anlaß möchte ich meinem lebhaften Wunsch Ausdruck verleihen, daß die Unterzeichnerstaaten sich um die Befolgung und eindeutige Bekräftigung ihrer Verpflichtungen bemühen und ihre Anstrengungen zur Erreichung der Zielsetzung des Abkommens intensivieren. Fünf Jahre nach ihrem Inkrafttreten ist die Konvention für die Länder, die sie ratifiziert haben, zu einer grundlegenden, unausweichlichen Norm geworden, die eine gewissenhafte Anwendung des internationalen humanitären Rechts verstärkt und ein greifbares Beispiel der Solidarität zwischen Nationen und Völkern bleibt.

2. Die in der Umsetzung dieser Regelung erreichten Fortschritte sind ein Anlaß zur Freude. Sie sind reell und vielfältig. Der Heilige Stuhl, der als einer der ersten die Konvention ratifiziert hat, möchte einen aktiven Beitrag zu ihrer Anwendung leisten, in einem ehrlichen, konstruktiven Dialog mit den anderen Unterzeichnerstaaten. Mit Blick auf diese wichtige Konferenz hat der Heilige Stuhl eine Sensibilisierungskampagne der Ortskirchen bezüglich des Problems der Antipersonenminen begonnen. Es wurden viele Informationen zu diesem schwerwiegenden Problem verbreitet und ein aktives Engagement in dieser Richtung eingefordert. Außerdem wurde zu Gebeten für die Opfer der Antipersonenminen und für den Erfolg der Konferenz eingeladen. Eine Fortsetzung der Bemühungen ist geboten, vor allem in den Bereichen der Vernichtung von Munitionslagern, der Minenräumung und der sozioökonomischen Wiedereingliederung der Opfer solcher Waffen. Die Antipersonenminen töten und verstümmeln viele unschuldige Opfer; außerdem stellen sie ein bedeutendes Hindernis für den wirtschaftlichen Fortschritt der Entwicklungsländer dar, denn sie rauben ihnen viele landwirtschaftlich nutzbare, aber noch verminte Gebiete, die für das Überleben dieser Nationen wichtig sind. Das muß aufhören! Eine rigorose Anwendung der Konvention ist eine Chance, die der Familie der Nationen geboten wird, um eine neue, befriedete Menschheit zu schaffen.

3. Die Entwicklung einer immer fruchtbareren bilateralen und multilateralen Kooperation zwischen den von dieser Geißel betroffenen Ländern und den anderen, die nicht darunter leiden, zwischen armen und reichen Ländern ist empfehlenswert. Dafür müssen die nötigen politischen Entscheidungen gefällt und die damit zusammenhängenden Finanzmittel bereitgestellt werden als Bekundung eines aufrichtigen und konkreten Engagements der Signatarstaaten im gegenwärtigen Prozeß. Die Beachtung der in der Konvention festgelegten Fristen stellt diesbezüglich eine weitere Gewähr für ihre Wirksamkeit auf lange Sicht dar. Wenn sich Staaten in einem Klima des Verständnisses, der gegenseitigen Achtung und der Kooperation zusammenschließen, um sich einer Kultur des Todes zu widersetzen und vertrauensvoll eine Kultur des Lebens aufzubauen, wird der Frieden im Bewußtsein jeder Person und der gesamten Menschheit gefördert. Wenn multilaterale Verhandlungen und die internationale Zusammenarbeit zur Umsetzung konkreter Maßnahmen führen, die der Bevölkerung – darunter auch vielen Kindern – ein Leben in Sicherheit und Würde ermöglichen, hat die Menschlichkeit gesiegt.

4. In dieser Hinsicht ist die besondere Aufmerksamkeit gegenüber den Landminenopfern äußerst wichtig, auch wenn die Vernichtung der Lagerbestände und die Entminung abgeschlossen sein werden. Die Wachsamkeit der internationalen Gemeinschaft darf sich nicht auf die bereitgestellten Finanzhilfen beschränken: Sie muß darauf abzielen, die Menschen zu Hauptakteuren ihrer eigenen Entwicklung zu machen, und zwar durch Aktionen zur Sensibilisierung gegenüber den Gefahren von Antipersonenminen, zur Rehabilitation der Behinderten, zur psychologischen Folgebetreuung, zur Reintegration in die Gesellschaft und zur Friedenserziehung sowie durch einen vermehrten Einsatz der sozialen Kommunikationsmittel, um das Bewußtsein der internationalen öffentlichen Meinung zu schärfen. Im Kontakt mit den Familien der Opfer und den Gemeinden, in denen sie leben, setzt sich die katholische Kirche in diesem Bereich ein in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen und der »International Campaign to ban Landmines«. Die entscheidende Rolle und Tätigkeit dieser Einrichtungen bei der Verabschiedung der Konvention von Ottawa und bei ihrer Anwendung auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich würdigen.

5. Zusammen mit meinen herzlichen Wünschen für den Erfolg dieser Konferenz möchte ich erneut einen eindringlichen Aufruf zur weltweiten Verbreitung der Konvention von Ottawa aussprechen. Dazu ergeht meine Aufforderung an die Nationen, die noch mit ihrem Beitritt zögern, sich dem Lager des Friedens anzuschließen, indem sie diese Werkzeuge des Todes endgültig ächten. Exzellenz, der Heilige Stuhl wird auch in Zukunft diese edle Sache unterstützen, damit die Ziele des Abkommens vollständig verwirklicht werden können. Mögen die Ergebnisse der Überlegungen dieser Konferenz, die daraus hervorgehenden Empfehlungen und die dort getroffenen Entscheidungen Tausenden von Männern, Frauen und Kindern die Aussicht auf eine vertrauensvolle Zukunft in Sicherheit und Würde eröffnen!

Aus dem Vatikan, 22. November 2004

JOHANNES PAUL II.



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