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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE VERTRETER DER COMPUTERFIRMA NIXDORF UND
EINE GRUPPE DEUTSCHER BANK
KAUFLEUTE

Clementina-Saal - Freitag, 16. Oktober 1987

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ein freundliches Willkommen entbiete ich Ihnen allen hier im Vatikan. Ich freue mich, daß es zu dieser Begegnung kommen kann. Sie vertreten hier eine bedeutende Pionierfirma auf dem Gebiet der Erfindung und Produktion von Computern sowie einen größeren Kreis potentieller Kunden aus dem Bereich von Geldinstituten. Die Tatsache, daß Sie für Ihr diesjähriges Seminar Rom gewählt haben - eine Stadt, die nicht gerade durch Computer berühmt geworden ist-, läßt mich darauf vertrauen, daß Ihr Interesse an diesem Besuch in Rom und im Vatikan wesentlich über den Sektor der Computerisierung und Automatisierung hinausgeht. Gewiß sind Sie auch gern bereit, zusammen mit mir in einigen Hinweisen die ethischen Implikationen zu bedenken, die gerade auch in der vorwiegend quantitativen Struktur von Arbeitsgeräten wie den Computern enthalten sind.

In Mai dieses Jahres sagte ich in Bottrop vor Arbeitnehmern und Arbeitgebern: ”Die zentrale Frage lautet: Hat der Mensch noch Vorrang in der Welt der Maschinen und der modernen Kommunikation . . .? Wem dienen in Wahrheit die Anstrengungen menschlichen Fortschritts und Forschens?“. Und als ich im Jahre 1984 am Wirkungsort des heiligen Niklaus von Flüe in der Schweiz zum Thema ”Verantwortung für den Frieden“ gesprochen habe, mußte ich von der Sache her auch die ”mächtige Welt des Geldes“ in diese Verantwortung einbeziehen. Unter anderem habe ich damals betont: ”Auch die Finanzwelt ist Menschenwelt, unsere Welt, unser aller Gewissen unterworfen; auch zu ihr gehören ethische Grundsätze. Wacht vor allem darüber, daß ihr mit eurer Wirtschaft und eurem Bankwesen der Welt Friedensdienste leistet und nicht - vielleicht indirekt - zu Krieg und Unrecht in der Welt beitragt! “

Aber auch auf der untersten Ebene und gerade dort haben Sie als Bankkaufleute es mit dem Menschen zu tun: in all seiner Vielfalt, in seiner Risiko- oder Sparbereitschaft, mit seiner Vorsicht oder seinem Leichtsinn. Ich denke hier vor allem an die Kundenberatung und an Kreditgespräche, die heute einen wichtigen Kontakt einer Bank zum konkreten Leben ihrer städtischen oder ländlichen Umwelt darstellen. Diese Arbeit ist nicht nur personalintensiv, sondern auch unmittelbar mit ethischer, sozialer Verantwortung verbunden. Wie oft kommen Menschen in größte persönliche oder familiäre Schwierigkeiten, wenn der Schuldenberg, durch Leichtsinn oder durch tragische Umstände verursacht, sie zu erdrücken droht!

Behalten Sie solche unmittelbaren Begegnungsmöglichkeiten mit den Menschen unbedingt bei; verdrängen oder entleeren Sie nicht durch Maschinen. Sonst könnten leicht - für Sie nicht immer wahrnehmbar - Kälte, Rücksichtslosigkeit und sogar Ungerechtigkeit im Umkreis Ihres an sich wertvollen und hilfreichen Wirkens zunehmen. Oder sollte einmal ein Computer erfunden werden, der liebt, der treu sein kann, der barmherzig ist und verzeiht? Doch wohl kaum! Aber gerade dies sind menschliche Akte, die Möglichkeiten der Person in höchstem Maße ausloten. Hierin leuchtet die Würde des Menschen mit besonderer Helligkeit auf. Helfen Sie darum bewußt mit, daß diese Würde auch für Sie und Ihre Mitarbeiter bei Ihren beruflichen und geschäftlichen Aktionen möglichst deutlich den bestimmenden Horizont Ihrer Entscheidungen bildet. Ich danke Ihnen noch einmal für Ihr Kommen und wünsche Ihrem Romseminar und all Ihrem künftigen Wirken den gerechten Erfolg. Gott segne Sie und Ihre Familien!

 

© Copyright 1987 - Libreria Editrice Vaticana 

 



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