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ANSPRACHE VON PAPST PAUL VI.
AN EINE GRUPPE ABGEORDNETER DES
BAYERISCHEN PARLAMENTS

Mittwoch, 6. Oktober 1971

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Es war Ihnen ein besonderes Anliegen, Uns bei Gelegenheit Ihres Romaufenthaltes einen Besuch abzustatten. Wir wissen Ihr Kommen wohl zu schätzen und danken Ihnen für die freundlichen Worte, die Sie an Uns gerichtet haben. Auch Wir möchten diese Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen lassen, ohne an Sie ein herzliches Wort der Begrüssung zu richten.

Sie alle, sehr geehrte Herren, stehen im öffentlichen Leben und bekleiden verantwortungsvolle Ämter. Darum möchten Wir Sie auf das Zweite Vatikanische Konzil hinweisen, das in seiner Pastoral-Konstitution die Laien an ihre grosse Aufgabe erinnert hat, sich in Rahmen der ihnen gegebenen Möglichkeiten für die Anerkennung der Rechte Gottes im öffentlichen Leben einzusetzen. In der genannten Konstitution finden Sie wertvolle Anregungen für die grundsätzliche Ausrichtung Ihres beruflichen Wirkens.

Die Unruhe und Unsicherheit im modernen Leben kommen vor allem daher, weil viele Menschen die eigentliche Mitte ihres Lebens, nämlich Gott, verloren haben. Daraus folgen Unzufriedenheit und Unerfülltsein, Auflehnung gegen die Autorität und letztlich Anarchie. Aus der religiösen Sendung, die Christus seiner Kirche anvertraut hat, erwachsen ihr Auftrag, Licht und Kraft, um die menschliche Gemein-Schaft zum wahren Aufbau und zur inneren Festigung nach göttlichem Gesetz zu führen (Cfr. Lumen Gentium, 1; Past. Konst. 42).

Möge es Ihnen, sehr geehrte Herren, vergönnt sein, auch weiterhin, unbeirrt von den entgegengesetzten Zeitströmungen, als gläubige Menschen im öffentlichen Leben kraftvoll einzutreten für Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden. Dazu erflehen Wir allen aus der Fülle des Herzens Gottes bleibenden Schutz und Segen.

                           



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