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LETTERA DI SUA SANTITÀ PIO XII
ALLA SIGNORA GERTA KRABBEL, PER IL CONGRESSO
DELLE DONNE CATTOLICHE DI GERMANIA*

 

Der katholische deutsche frauenbund, den Sie in den langen Jahren Ihres Präsidiums mit selbstloser Hingabe, ruhiger Zielsicherheit und kluger Anpassung, den Blick auf Gott, seinen heiligen Willen und seine hilfreiche Gnade gerichtet, durch stürmische Zeiten geleitet haben, hält gegen Ende dieses Monats in Bonn seine 13. Generalversammlung ab und hat Uns wegen der Wichtigkeit der Tagung um ein Wort an die Versammelten und um Unseren Segen gebeten. Gerne entsprechen Wir dem von Ihrer Seite geäusserten Wunsche.

Sie haben als Thema Ihrer Generalversammlung « Die katholische Frauenbewegung in der sich wandelnden Welt » genommen. Ihr Bund steht vor Vollendung seiner ersten fünfzig Jahre. Während dieses Zeitraums hat sich in der Frauenbewegung überhaupt und auch in der katholischen Frauenbewegung wahrlich vieles gewandelt. Um von der letzteren zu sprechen, so sind die Ziele, die sie sich zu Beginn des Jahrhunderts steckte, die damals neu klangen und überraschten, ja nicht wenigen zu gewagt und überspannt schienen, erreicht und längst fester Besitz, sogar bereits Tradition geworden, schon aus dem einfachen Grund, weil die zwangsläufige Hineinführung der Frau in alle Berufe und in sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens jeweils noch schneller vor sich ging als die Anpassung der katholischen Frauenbewegung an die neue Lage.

Immerhin sind die übernommenen Aufgaben und erworbenen Rechte weiterzureichen, mit den Inhalten, die ihnen Natur und Offenbarung nach katholischer Ueberzeugung verleihen, unter Wahrung des rechten Verhältnisses von Freiheit und Verantwortung, von eigenem Recht und Pflicht gegen die Mitmenschen, von Gleichberechtigung und Unterordnung. Die Frauenbildung, die soziale Schulung und soziale Tat werden also ihren Weg wie bisher weitergehen. Aber auch nach der persönlichen Seite hat sich der Zweck Ihres Bundes wesentlich kaum geändert : die Schichten der Frauenwelt, die der Katholische Deutsche Frauenbund seinerzeit in erster Linie zu sammeln suchte, sind auch heute, vielleicht noch mehr als damals, auf seine Führung, seinen Schutz und seine Hilfe angewiesen.

Unter anderer Rücksicht wird man freilich sagen dürfen, dass sich das Ziel der katholischen Frauenbewegung inzwischen nicht unmerklich verschoben hat. Ging es ihr vor fünfzig Jahren darum, die katholische Frau einzuführen in die Berufe und die öffentlichen Stellungen, in welche die Zeitumstände sie riefen und denen sie sich nicht mehr verschliessen konnte, so ist heute vielleicht die vordringlichste Aufgabe, die Frau zu schützen und zu festigen, dass sie in den neuen Verhältnissen ihrer Persönlichkeitswürde als Frau und als Christin nicht verlustig gehe. Gewiss hat die katholische Frauenbewegung immer auch die Formung der Frau zur vollkommenen Persönlichkeit und echten Christin zum Ziel gehabt. Aber heute, so scheint Uns, ist dieses Ziel ganz in den Mittelpunkt gerückt. Es ist so sehr das Gebot der Stunde geworden, dass es die anderen Ziele zwar nicht verdrängt - ganz gewiss nicht, sie aber doch betont in die zweite Linie stellt.

Es ist, also ob sich alles verschworen hätte, dem Menschen und Christen die Wahrung seiner Persönlichkeitswürde zu erschweren, ja unmöglich zu machen. Die Technik und Betriebsamkeit der Reklame und Propaganda, des Senders und des Films lassen die Sinne kaum mehr zur Ruhe kommen und versperren so von vornherein den Zugang zur inneren Sammlung. Es wird der Menschentyp geschaffen, der es nicht erträgt, auch nur eine Stunde mit sich und seinem Gott allein zu sein. Die Industrialisierung, die den Einzelnen dem Werk und Betrieb ausliefert, ist daran, ihre Art auch der Landwirtschaft aufzudrängen. Das gesellschaftliche Leben ist gekennzeichnet durch die vielverschlungene Abhängigkeit des Einzelnen und der Einzelfamilie von der öffentlichen Hand, von technischen, wirtschaftlichen, sozialen Kontrollen, Zentralen und Organisationen. Das Grosstadtwesen bestimmt immer aufdringlicher die Form des menschlichen Daseins; der Einzelne wird unaufhaltsam aufgesogen von der Masse.

Die tiefe Tragik dieser Entwicklung liegt darin, dass sie sich auswirkt gerade in dem Augenblick, da Weltanschauungen, rein materialistischer Prägung die menschliche Persönlichkeit bewusst brechen und den Einzelnen zum Element der Masse machen wollen, wobei sie jene technische und wirtschaftliche-soziale Lage rücksichtslos für ihre Ziele ausnutzen.

Wir brauchen Ihnen nicht auszuführen, welch verheerende Wirkung die Entwicklung zum Massendasein gerade auf die Frauenwelt und die Frauenseele hat. Die vergangenen zwanzig Jahre haben Sie erschütternde Erfahrungen machen lassen. Dabei ist das hinter Ihnen Liegende vielleicht nur erst die Generalprobe für eine noch schwerere Auseinandersetzung. Es geht um die Würde der christlichen Frau, des Jungmädchens und der Unverheirateten wie der Gattin und Mutter; es geht um die christliche Ehe und Familie, die eheliche Treue, das Kind und seine Erziehung. Alle diese heiligen Bezirke haben bereits feindlichen Ansturm und Einbrüche erlitten in einem Ausmass, wie es die Erfahrung der Kirche bisher nicht gekannt hat.

Das, was die Stunde heischt: alles daranzusetzen, um den Einzelnen und die Einzelne zu einer christlichen Persönlichkeit heranzubilden, die auch auf sich allein gestellt Gott und seiner Weltordnung im Natürlichen wie Uebernatürlichen die Treue halten wird—das gilt auch für Ihren Bund. Wir hegen die feste Hoffnung, dass Sie bis in die innerpolitischen Auseinandersetzungen über die Ehe, das Elternrecht, die Schule und die soziale Ordnung jenen Anruf vor Augen haben und für seine Erfüllung arbeiten und opfern werden.

Man spricht so viel von der europäischen Kultur, jener Kultur, die aus der Vergangenheit zu retten oder für das vereinte Europa der Zukunft zu schaffen ist. Man sei sich nur über eines klar : Diese europäische Kultur wird entweder unverfälscht christlich und katholisch sein, oder aber sie wird verzehrt werden vom Steppenbrand jener anderen materialistischen, der nur die Masse und die rein physische Gewalt etwas gelten.

Der Christ, der Katholik ist nicht kleinmütig. Sein Glaube macht ihn immer zuversichtlich. Auch Sie, geliebte Töchter, sollen es sein. Sie haben die gesunde Menschennatur und Gottes Gnade auf Ihrer Seite. Auf sie bauend mögen Sie ans Werk gehen, freilich mit dem Einsatz aller Kräfte, um Christus und der Kirche gläubige und starke Frauen zu schenken, die weltoffen und der Zeit gewachsen, die aber auch fähig sind, gegenden Strom zu schwimmen, bereit zum Verzicht, wo Gottes Gebot und das Gewissen klar sprechen und keinen Ausweg lassen.

Als Unterpfand der Erfüllung Ihres Hoffens und Strebens erteilen Wir der Leitung und den Mitgliedern Ihres Bundes, Sie alle der Liebe und dem Schutz Marias, der starken Jungfrau und reinsten Mutter, empfehlend, in väterlichem Wohlwollen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, den 17. Juli 1952.

PIUS PP. XII


*Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII, XIV,
  Quattordicesimo anno di Pontificato, 2 marzo 1952 - 1° marzo 1953, pp. 553 - 556
  Tipografia Poliglotta Vaticana

 



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