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  RADIOMESSAGGIO DI SUA SANTITÀ PIO XII
AL 73° CONGRESSO DI CATTOLICI TEDESCHI
*

Domenica, 4 settembre 1949

 

Mit dem Gefühl väterlichen Wohlwollens und im Bewusstsein heiliger Verpflichtung euch gegenüber, geliebte Söhne und Töchter des katholischen Deutschland, leisten Wir der Bitte Unseres Ehrwürdigen Bruders, des Erzbischof von Paderborn, Folge und richten zum Abschluss der dreiundsiebzigsten Generalversammlung der deutschen Katholiken an euch, die ihr im Herzen der Ruhr, unter den eindrucksvollen Zeichen industrieller Höchstleistung, aber vor allem im Zeichen des hochragenden Kreuzes in wogenden Scharen zu festlich-stolzer Glaubenskundgebung zusammengekommen seid, ein kurzes Wort- der Ermunterung und Ermahnung.

Während Unser Gruss sich durch die Aetherwellen den Weg zu eurem Ohr und eurem Herzen bahnt, steht vor Unserem Geist das « Land der roten Erde », so wie Wir es im Jahre 1927 auf dem unvergesslichen Dortmunder Katholikentag erlebten.

Das Flugzeug trug Uns von der alten ehrwürdigen Bischofsstadt Trier über damals noch blühendes rheinisches Land, wie ein Gottesgarten unter uns ausgebreitet, in das Herz eines der beherrschenden Wirtschaftszentren Deutschlands.

Bei der feierlichen Pontifikalmesse im Freien, im Riesenrund der Westfalenhalle, beim machtvollen Umzug eurer Organisationen schauten Wir eine Germania catholica, deren Glaubenswille zu grossen Hoffnungen berechtigte.

Heute, nach wenig über zwei Jahrzehnte, die mehr Heimsuchung und Leid in sich schliessen als sonst Jahrhunderte, sehen Wir das katholische Deutschland wiederum auf westfälischem Boden versammelt, um aus dem Geschehen der Zwischenzeit und aus den Lehren seines heiligen Glaubens den Weg zu Gesundung, Wiederaufbau und Frieden zu finden.

Wenn Uns in dieser Stunde etwas erhebt und tröstet, so ist es die zuversichtliche Hoffnung, dass der Geist des Glaubens, der Uns damals umbrandete, auch in eurer Bochumer Tagung neues, gesteigertes, geläutertes christliches Leben wecke und euch befähige, den einmütigen Einsatz eurer aus katholischem Gewissen handelnden Millionen überall dort zur Geltung zu bringen, wo der Friede geschaffen werden soll, wo die Entscheidungen so fallen mögen, dass die Schicksalswaage Deutschlands und Europas, die heute noch besorgniserregende Schwankungen aufweist, allen Völkern zu Nutzen sich endgültig zum Guten neige.

Der sozialen Neuordnung haben in diesen Tagen ernste Beratungen eurer Arbeitsgemeinschaften gegolten. Wenn Wir, wie ihr es wünscht, zu ihrem Abschluss einige richtungweisende Sätze sagen sollen, so mögen es folgende sein :

1) Im Land eines Bischofs Wilhelm Emmanuel von Ketteler wird kein rechtlich Denkender es wagen, der Kirche vorzuwerfen, sie habe für die Arbeiterfrage, und über sie hinaus für die soziale Frage überhaupt, keinen Blick und kein Herz gehabt. Seit Unser Vorgänger Leo XIII. vor fast sechzig Jahren das Rundschreiben « Rerum novarum » erliess, hat es wenige Sorgen gegeben, welche die Obersten Hirten der Kirche mehr beschäftigten als die Soziale Frage. Was sie an Lehre und Weisung zu ihrer Lösung, oder wenigstens zur Milderung der sozialen Unausgeglichenheit beitragen konnten, haben sie beigetragen. Worauf es ankommt, ist, dass die soziale Lehre der Kirche Gemeingut aller christlichen Gewissen werde, und dass sie diese Lehre in die Tat umsetzen. Die soziale Tat verlangt aber Opfer von allen Beteiligten. Diese Opfer müssen gebracht werden. Sie ertragen heute weniger Aufschub denn je zuvor.

2) Das soziale Programm der katholischen Kirche ruht auf drei gewaltigen sittlichen Pfeilern : auf der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der christlichen Liebe. Von deren Forderungen auch nur um Haaresbreite abzuweichen, konnte für die Kirche nie in Frage kommen, auch wenn sie deswegen auf propagandistiche Augenblickserfolge verzichten und die Leidenschaften des Klassenkampfs auf der einen wie der anderen Seite enttäuschen musste. Die Kirche war immer für die Recht Suchenden und der Hilfe Bedürftigen, nie jedoch grundsätzlich gegen eine soziale Gruppe, Schicht oder Klasse, sondern für das Gemeinwohl aller Volks- und Staatszugehörigen.

3) Die Kiche lässt auch nicht davon ab, wirksam darauf hinzuarbeiten, dass der scheinbare Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Unternehmer und Arbeiter aufgehe in einer höheren Einheit, in jener von der Natur selbst gewiesenen organischen Zusammenarbeit beider nach 'Werk und Wirtschaftssektor, in berufständischer Gliederung. Möge der Tag nicht mehr allzu ferne sein, da jene Organisationen der Selbsthilfe, welche die Schwächen des bisherigen Wirtschaftssystems und vor allem der Mangel an christlicher Gesinnung notwendig machten, ihre Arbeit einstellen können.

An euch liegt es, das Kommen dieses Tages im deutschen Raum vorzubereiten. Die Umstände sind nicht ungünstig. Die furchtbare Katastrophe, die über euch niedergegangen ist, hat das Gute gehabt, dass in ansehnlichen, von Vorurteilen und Gruppeneigennutz sich freimachenden Kreisen die Klassengegensätze weithin ausgeglichen und die Menschen einander näher gebracht wurden. Die gemeinsame Not war und ist eine herbe, aber heilsame Zuchtmeisterin. Sie zwang, sich ertragen, verstehen zu lernen und sich über die Jahre des Elends gegenseitig hinwegzuhelfen. Das Kostbare, das hier aufgekeimt ist, soll euch nicht wieder verloren gehen. Es darf nicht sein, dass der Gegensatz zwischen arm und reich, der sich inzwischen gewaltig verschoben hat, der Gegensatz zwischen dem lesitzenden und dem von seiner ,Hände Arbeit Lebenden wieder aufgerissen und vertieft werde. Wer, geliebte Söhne und Töchter, wäre mehr als ihr berufen, an diesem entscheidenden Punkt sozialer Neuordnung die Wege zu ebnen, das Gesetz und den Geist Christi in ihr wirksam zu machen?

4) Christliche Kulturpolitik und christliche Sozialpolitk lassen sich nicht trennen, weil derselbe christliche Mensch sowohl Quelle wie Ziel beider ist. Die christliche Sozialpolitik gehört zur christlichen Kulturpolitik wie das Einzelorgan zum lebendigen Gesamtorganismus. Von ihm getrennt, erstirbt es. Wenn ihr euch also für eine christliche Kulturpolitik, wenn ihr, um ein Beispiel zu nehmen, für die katholische Bekenntnisschule — merkt wohl auf : ein unersetzliches Gut! — euch einsetzt, so arbeitet ihr damit auch an den Grundlagen einer christlichen Sozialpolitik.

5) Es darf nicht sein, dass die Welt der Werktätigen dem gottlosen Materialismus verfällt. Sie für Gott und Christus zu retten, dafür muss das Letzte eingesetzt werden.

Schafft der Arbeiterjugend eine seelische Heimat in eurem Lager. Sonderinteressen von Jugend - oder Arbeiterorganisationen, die der Erreichung dieses Zieles im Wege stehen sollten, mögen grossmütig einen so lebenswichtigen Ziel geopfert werden.

Wenn kürzlich ein für alle Katholiken verbindlicher Trennungsstrich gezogen worden ist zwischen dem katholischen Glauben und dem atheistischen Kommunismus, so geschah es aus demselben Grund, nämlich um einen Damm aufzuwerfen zur Rettung — nicht nur der Werktätigen, sondern aller ohne Ausnahme, vor dem Gott und die Gottesverehrung verneinenden Marximus. Der Erlass hat nichts zu tun mit dem Gegensatz zwischen arm und reich, zwischen Kapitalist und Proletarier, Besitzenden und Besitzlosen. Um die Rettung und Reinerhaltung der Religion und des christlichen Glaubens, um ihre freie Betätigung ging es, und damit auch um das Glück und die Würde, die Rechte und die Freihei des arbeitenden Menschen. Blind fürwahr müsste der sein, der die letzten Jahrzehnte miterlebt hat und dies nicht verstehen wollte.

Das sind die besonderen Mahnungen, die Wir glaubten bei dieser feierlichen Gelegenheit an euch richten zu sollen.

Und nun, geliebte Söhne und Töchter des katholichen Deutschland, bewhart und pflegt mit eifersüchtiger Sorgfalt ein doppeltes heiliges Erbe, das eure Väter euch hinterlassen haben:

Das erste ist die christliche Familienkultur. WO sie noch besteht, besonders auf dem Land, erhaltet und verteidigt sie. Ja, verteidigt sie denn sie ist auch dort in grosser Gefahr, verloren zu gehen. Wo sie bereits verloren ging, besonders in gewissen Grosstadtbezirken der Werktätigen, baut sie wieder auf. Nichts Kostbareres könnt ihr euren Kindern, eurer Jugend schenken als die christliche Familienkultur.

Das andere ist die Einheit und Zusammenarbeit im öffentlichen Raum. Ganz gewiss bleibt das Ziel der Erlösung die persönliche Heiligung womöglich aller Einzelnen. Allein nach dem Gnadenplan Gottes soll die Heiligung des Einzelmenschen Wurzel fassen, blühen und Frucht bringen in der Gemeinschaft, in der er steht und die selbst vom Glauben an Gott und vom Geiste Christi belebt ist. Hier tut sich die Sendung der katholischen Kirche für das öffentliche Leben auf. Als Lebensprinzip der men schlichen Gesellschaft soll sie, aus den tiefen Quellen ihrer inneren Reichtümer schöpfend, ihren Einfluss auf alle Gebiete des menschlichen Daseins ausdehnen. Und hier liegen die weiten Möglichkeiten des Wirkens gerade der Laien in der Kirche und für die Kirche. Sie lagen immer hier. Greift zu, wie es eure Väter vorbildlich getan haben, unternehmend erfinderisch, entschlussbereit, « ein Herz und eine Seele » (Act. 4, 32).

« Der Gott aller Gnade, der euch zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat in Christus, wird selbst euch durch kurzes Leiden hindurch ausrüsten, stärken, kräftigen und festigen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen » (1 Petr. 5, 10. 1 I).

Als Unterpfand dessen erteilen Wir euch allen, die Wirkkraft eurer Tagung unter den mächtigen Schutz Marias, der « Hilfe der Christen » stellend, in väterlicher Liebe aus der Fülle des Herzens den Apostolischen Segen.


*Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII, XI,
 Undecimo anno di Pontificato, 2 marzo 1949 - 1° marzo 1950, pp. 187 - 191
 Tipografia Poliglotta Vaticana

 



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