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IL RADIOMESSAGGIO AL 78° « KATHOLIKENTAG » DELLA GERMANIA

Nel pomeriggio di domenica 17 agosto 1958 il Santo Padre si degna di indirizzare un Suo Radiomessaggio a chiusura del 78° Katholikentag della Germania, tenutosi in Berlino. La grandiosa manifestazione di fede e di vita cristiana ha luogo nello Stadio Olimpico: presenti E.mi Porporati, numerosi Ecc.mi Arci- vescovi e Vescovi, Autorità civili, alti Dirigenti di Azione Catto- lica e di Sodalizi Religiosi. L'Augusto Pontefice parla al microfono in una sala della Sua Residenza di Castel Gandolfo. La Stazione Radio Vaticana diffonde il provvido insegnamento in collegamento con le varie stazioni della Repubblica Federale di Germania.

Ehrwiirdige Briider!

Geliebte Sane und Tlichter des katholischen Deutschlands! Zum ZWEITEN Mal seit Kriegsende habt ihr, geliebte Sane und Tlichter, Berlin als Ort der herklimmlichen Tagung gewlillt, auf der ihr jeweils den Stand des katholischen Lebens in eurem Vaterland zu liberschauen und zu iiberpriifen pflegt. Zur Stunde seid ihr versammelt, um euren achtundsiebzigsten Katholikentag zu beenden, und gerne entsprechen Wir dem Wunsch Unseres ehrwiirdigen und geliebten Bruders, des Oberhirten der Berliner Dilizese, zum feierlichen Abschluss eures Zusammenseins zu euch zu sprechen und euch zu segnen.

Berlin ist das Wahrzeichen eines auseinandergerissenen Volkes. In diesen Tagen habt ihr es jedoch begliickend empfunden, wie euer Glaube, das Einssein in den hlichsten Wahrheiten und letzten eberzeugungen, euch iiber alle trennenden Grenzen hinweg verbindet. Dieses Band der Einheit bleibt, auch wenn ihr rRimlich wieder von einander geschieden seid. Jene von euch, die ihr religiiises Leben in Freiheit und Frieden fiihren klinnen, sollen den anderen, die sich ihres Glaubens willen oft vor fast ausweglose Schwierigkeiten gestellt sehen, mit Gebet und Opfer zu Hilfe kommen. Das ist wirksame Communio Sanctorum, Gemeinschaft der Glliubigen, ganz so wie sie die Christen schon in den Uranfàngen der Kirche iibten.

Berlin ist Schnittpunkt zweier entfremdeter Welten. Aber auch den scheinbar unverslihnlichen Gegensatz, der sie scheidet, hat in diesen Tagen auf einer hliheren Ebene euer Glauben und Lìeben iiberwunden. Die ganze Welt, West und Ost, ist Gottes Herrschaftsgebiet. Christus ist der Herr der Welt. — Er allein urici niemand anderer. Ihr wusstet euch vereint mit allen in West und Ost, die den lebendigen, perslinlichen Gott anbeten. Ihrer sind auch im Osten, auch hinaus liber die Gemeinschaften eurer  Glaubensbrüder dortselbst, immer noch unzalige. Aber nicht nur ihnen, auch jenen, die fern von Gott leben, die Gott verneinen und und die auch euch von Gott und seiner Kirche abdràngen wollen, auch ihnen hattet ihr etwas Grosses anzubieten: euer Beten, euer Siihnen und euer Opfern. So war eure Tagung echte Koexistenz in der Wahrheit und Gnade.

Das Leitwort eurer Tagung lautete : Unsere Sorge der Mensch — unser Heil der Herr.

Unsere Sorge der Mensch: Der Ruf gibt zunkhst Veranlassung, ein Wort der Anerkennung und des Dankes zu sprechen an die Priester und Laien, deren Hingabe der leiblichen wie seelischen Not der Gfflubigen und der Mitmenschen iiberhaupt gilt. In dem Deutschland, dem euer diesjariger Katholikentag in erster Linie gilt, ist das Opfer, das von den Priestern und Laienhelf erri erfordert wird, weithin doppelt und dreifach schwer. Es hat Uns getrUstet, zu hóren, mit wie viel Selbstverzicht und Beharrlichkeit sie ihrem Dienst obliegen und mit welcher Treue sie zu ihren Oberhirten stehen.

In Unserer Anerkennung und Unserem Dank sind ihnen angeschlossen alle jene, die sich in den zuriickliegenden Jahren der Ostvertriebenen, Ostentwurzelten und Heimkehrer hilfsbereit angenommen haben. Millionen hat der Strom der Fliichtigen von Ost nach West gefiihrt. Das Lager Friedland ist zum Mittelpunkt und Wahrzeichen ihres oft so schweren Geschicks, aber auch der Sorge geworden, die sie umhegt. Wenn hoch zu werten ist, was von der óffentlichen Hand, von freien Verb5nden und von Mensch zu Mensch geschehen ist, um fiir sie wieder geordnete Verhàltnisse zu schaffen, so wisst ihr doch, dass noch Hunderttausende in Lagern ein unsicheres Zwischendasein fiihren. Ruhet nicht, bis auch sie geborgen sind. Den vom Osten ausgewanderten oder heimgekehrten Sanen und T6chtern sagen Wir: Der wahre Glaube ist derselbe in Ost und West. Bleibt ihm treu und folgt darin der grossen Zahl eurer Schicksalsgenossen, die dies vorbildlich getan haben.

Unsere Sorge der Mensch — eure Jugend! Wir denken besonders an die gfflubigen Vaer und Miitter, die ihre Kinder einer Schule ausliefern miissen, auf der sie planmàssig zum Unglauben erzogen werden sollen. Diese Schule ist euch aufgezwungen. Ihr werdet aber nunmehr wiirdigen kiinnen, warum die Kirche sich bis zum letzten einsetzt fiir das durch Natur und Offenbarung klar umschriebene Recht der Eltern auf das Kind, ein Recht, das zu den Grundpfeilern jeder menschenwiirdigen sozialen Ordnung zalt; und warum sie, die Kirche, bis zum ussersten um das Recht der katholischen Eltern ringt, ihre Kinder nur Schulen anzuvertrauen, auf denen deren Glaubensleben geborgen ist und sich entfalten kann.

Auf den Eltern jedoch, die in der bezeichneten Notlage sind, ruht die schwere Verantwortung, alles zu tun, was in ihren Kr6Sten steht, um den schMigenden Wirkungen einer Schule ohne, ja gegen Gott vorzubeugen oder sie wenigstens zu schwchen: durch das Vorbild ihres eigenen re1igiisen Lebens, das auf das Kind schon in friihen Jahren wie eine Naturgewalt wirkt. Das gute Beispiel der Eltern ist der beste I\Thrboden fiir die religiose Entwicklung des jungen Menschen und durch nichts anderes ganz zu ersetzen. Wenn sodann die Teilnahme am kirchlichen Religionsunterricht auf zu grosse Hindernisse stossen solite, miisste das Elternhaus fiir die Kirche einspringen. Es wird fiir gewólanlich die Aufgabe der Mutter sein, das Kind in die katholische Glaubenslehre einzufiihren.

Verliert nicht den Mut und erlahmt nicht, christliche Wter und Miitter! Denkt daran, dass, wo ihr euer Bestes tut, der gatlichen Vorsehung genug Umsdnde und Mittel zur Verftigung stehen, um den Kindern das kostbare Gut ihres Glauben zu retten.

Unsere Sorge der Mensch: Wir wollen eine Grundsorge um den Menschen zur Sprache bringen, die eine Reihe von Einzelsorgen um ihn in sich fasst. — die Sorge, es m6chten im Menschen, im christlichen, katholischen Menschen Religion und Leben auseinanderfallen. Wenn es immer eine schwierige Aufgabe war, aus dem' Menschen einen echten Christen zu formen, eine Aufgabe, die den ganzen Menschen verlangte, so ist dieselbe unter den heutigen Bedingungen doppelt schwer zu 16sen. Der entscheidende Grund Grund dafiir mag in folgendem liegen :

Wir leben, wie man sagt, im Zeitalter des Technik. Nun sind die Staunen erregenden Entdeckungen der Naturwissenschaften, der Physik, Chemie, Astronomie, Anthropologie, Biologie, auf denen die Technik ihren Fortschritt aufbaut, in sich ebenso viele Erweise der Meisterhand des Schópfers, und was die Kirche angeht, so kann sie unter jeder Zivilisation ihrer Sendung leben. Wahr bleibt jedoch, dass die sich iiberstiirzenden Leistungen der Technik, fiir den Augenblick wenigstens, den Blick leicht blenden, sodass die rein geistigen und die tibernatiirlichen Werte vor ihm verblassen.

Den Ausschlag gibt jedoch, dass der technische Fortschritt in einen anderen geschichtlichen Prozess miindet, dessen Quellen anderswo liegen. Das, was man christliche Atmosphke nennt, christliche Tradition und Sitte, die einmal das ganze gesellschaftliche Leben durchdrang und dem Einzelnen die Aufgabe, ein echter Christ zu werden, zwar nie einfach abnahm, wohl aber erleichterte -diese Atmosphke ist im Schwinden, ja weithin schon von einer der christlichen entgegengesetzten Denk-und Lebensart verdfangt. Wo dies der Fall ist, geht es den Christen von heute wie jenen der ersten christlichen Jahrhunderte in der sie fast erdriickeden heidnischen Umwelt. Ja Wir stehen nicht an beizufiigen, dass es heute unter Umstalden noch schwieriger sein kann, ein christliches Leben zu fiihren, als es dies damals war.

Und doch muss diese Aufgabe geldst werden. Die Kirchengeschichte kennt Verhffitnisse, auch solche mit erschiitternden Folgen, wo das christliche Dasein sich in den liturgischen Handlungen innerhalb des sakralen Raums erscheipfte, im iibrigen aber unfruchtbar blieb, weil zwischen Religion und Leben sich ein Bruch vollzogen hatte. Tut alles, um eine solche Lage nicht aufkommen zu lassen. Die heutige katholische Welt ist reich an religidsen Erkenntnissen (Um dies hier einzufiigen: Auf die Angriffe gegen Gott, Religion, Christus, Kirche, die zurzeit in eurem Bereich aufdringlich herumgeboten werden, ist làngst geantwortet, auch in streng wissenschahftlicher Form). Ist aber die heutige katholische Welt entsprechend stark in religidser Tat, in religiiisem Heldentum? Ist sie ebenso reich an katholischen Menschen, die den Glauben bejahen bis zum letzten, ganz so wie die Kirche ihn lehrt, die Kirche, in der Christus lebt und wirkt? « Ihr seid das Salz der Erde » (Matth., 5, 13); durch euch soli die Kirche Lebensprinzip der Gesellschaft sein; durch jeden Einzelnen von euch, indem er als iiberzeugter Christ denkt und handelt; durch euch alle vereint, indem ihr es euch angelegen sein sein lasst, der Weltordnung nach dem Plan Gottes in den öffentlichen Bereichen Geltung zu verchaffen. Die Katholiken Deutschlands haben in der Richtung auf dieses Ziel viel gewagt und erreicht — bis heute. Mdgen sie ihrer grossen, sie verpflichtenden Vergangenheit treu bleiben.

Wir fassen die Leitworte der beiden Berliner Katholikentage in eins zusammen: Gott lebt, und so schwer die Sorge um den Menschen ist — unser Heil bleibt immer der Herr. Als Moses von Gott zu seinem Volk gesandt wurde und nach dem Namen fragte, auf den er sich berufen kdnnte, antwortete ihm Gott: « Ich bin der "Ich bin" ». Sage ihnen : « Der "Ich bin" hat mich zu euch gesandt » (Exod. 3, 14). Der Name war von mkhtigem Inhalt: Gott ist schlechthin, zu jeder Zeit und iiber aller Zeit, ewig, allmàchtig und getreu. Bei Gott fallen Wort und Tat in eins zusammen.

Der allm'achtige Gott ruf t auch euch an, jeden von euch bei seinem Namen. Er, Gott, achtet eure Menschenwiirde, denn Er hat euch nach seinem Ebenbild erschaffen. Er kennt euch, eure Lage, eure Not, euer Hoffen und Sehnen; gerade in euren schwersten Studen ist Er euch am nàchsten. Im Namen Gottes rufen Wir euch zu: Niitzt jede Gelegenheit, um den Reichtum eures Glaubens in die Tat. umzusetzen. Betet, haltet fest an der Hoffnung, bleibt auch ihr dem Herrn und seiner Kirche treu. « Der Gott aller Gnade ... wird euch ausriisten, st5,rken, krMtigen und befestigen. Ihm sei die Ehre und die Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit » (I Petr. 5, io-I i).

Wir empfehlen euch der Liebe, dem Schutz und der Fiirbitte Marias, der « Kdnigin der Mdrtyrer ». An einer Stàtte, wo in dunkler Zeit Todesurteile am laufenden Band vollstreckt wurden, plant ihr ein Heiligtum zu Ehren der « Regina Martyrum » und zum Ged'achtnis jener aus euren Briidern und Schwestern, Deutschen und Nicht-Deutschen, die damals ihr Einstehen fiir die Rechte Gottes und des guten Gewissens mit ihrem Blut besiegelt haben. haben. Es sind nicht wenige, und einige von ihnen waren Uns persiinlich bekannt. Ihr aber wollet in dieser so sehr dem Materiellen verhafteten Zeit sie euch vor Augen halten als heldenmlitige Bekenner der Tatsache, dass die sittlichen Werte, die Rechte Gottes und der wahre Glaube hoch iiber allem rein Irdischen stehen und euer unbedingtes Ja bis zur Hingabe des Lebens heischen. Jene aber von euch, die selbst in Not und Gefahr sind, mdgen aus ihrem Beispiel Trost und Kraft schòpfen, um durchhalten zu kónnen.

Wir rufen die Gnade und den Frieden Jesu Christ auf euch herab und erteilen als deren Unterpfand euren Oberhirten, Unseren ehrwiirdigen Briidern, den Vertretern der hohen staat- lichen und stí3,dtischen Behdrden, den Priestern und allen mit ihnen in der Seelsorge Tàtigen, allen Anwesenden und dem gan- zen katholischen Deutschland aus der Fiille des Herzens den Apostolischen Segen.


*Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII, XX,
Ventesimo anno di Pontificato, 2 marzo - 9 ottobre 1958, pp. 285-290
Tipografia Poliglotta Vaticana

   



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