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HOCHFEST DER OHNE ERBSÜNDE EMPFANGENEN JUNGFRAU UND GOTTESMUTTER MARIA

PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Petersplatz
Montag, 8. Dezember 2014

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!
Ein frohes Fest!

Die Botschaft des heutigen Hochfestes der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria kann mit diesen Worten zusammengefasst werden: alles ist unentgeltliches Geschenk Gottes, alles ist Gnade, alles ist Geschenk seiner Liebe zu uns. Der Engel Gabriel nennt Maria »die Begnadete« ("Lk 1,28): in ihr ist kein Raum für die Sünde, da sie Gott von jeher als Mutter Jesu erwählt und vor der Erbsünde bewahrt hat. Und Maria entspricht der Gnade und überlässt sich ihr, indem sie zum Engel sagt: »Mir geschehe, wie du es gesagt hast« (V. 38). Sie sagt nicht: »Ich werde nach deinem Wort handeln.« Nein! Sondern: »Mir geschehe‚Ķ « Und das Wort ist in ihrem Schoß Fleisch geworden. Auch wir sind aufgefordert, auf Gott zu hören, der zu uns spricht, und seinen Willen anzunehmen; der Logik des Evangeliums entsprechend ist nichts wirksamer und fruchtbarer als das Hören auf das Wort des Herrn, das aus dem Evangelium, aus der Bibel kommt, und es anzunehmen. Der Herr spricht immer zu uns!

Dia Haltung Marias von Nazaret zeigt uns, dass das Sein vor dem Tun kommt, und dass es notwendig ist, Gott handeln zu lassen, um wirklich zu sein, wie er uns will. Er ist es, der in uns so viele Wunder wirkt. Maria ist aufnehmend, nicht passiv. Wie sie auf leiblicher Ebene die Macht der Heiligen Geistes empfängt, dann aber dem Sohn Gottes, der sich in ihr bildet, Fleisch und Blut schenkt, so empfängt sie auf der geistlichen Ebene die Gnade und entspricht ihr mit dem Glauben. Daher sagt der heilige Augustinus, dass die Jungfrau »Christus im Herzen empfangen hat, bevor sie ihn im Leib empfing« (Sermo 215,4). Sie hat zuerst den Glauben empfangen und dann den Herrn. Dieses Geheimnis der Annahme der Gnade, die in Maria durch ein einzigartiges Privileg nicht von der Sünde behindert wurde, ist eine Möglichkeit für alle. So eröffnet der heilige Paulus seinen Brief an die Epheser mit diesen Worten des Lobpreises: »Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel« (1,3). Wie Maria von der heiligen Elisabet mit den Worten »Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen« begrüßt wird, so sind auch wir von jeher »gesegnet«, das heißt geliebt, und daher »erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott« (Eph 1,4). Maria ist bewahrt worden, während wir dank der Taufe und des Glaubens gerettet worden sind. Für alle aber, sowohl für sie als auch für uns, gilt: durch Christus »zum Lob seiner herrlichen Gnade« (V. 6), jener Gnade, von der die ohne Erbsünde empfangene Jungfrau vollkommen erfüllt worden ist.

Angesichts der Liebe, der Barmherzigkeit, der in unsere Herzen ausgegossenen göttlichen Gnade drängt sich nur eine Konsequenz auf: die Unentgeltlichkeit. Keiner von uns kann das Heil kaufen! Das Heil ist ein unentgeltliches Geschenk des Herrn, ein unentgeltliches Geschenk Gottes, der zu uns kommt und in uns wohnt. Wie wir umsonst empfangen haben, so sind wir auch aufgerufen, umsonst zu geben (vgl. Mt 10,8), Maria nachahmend, die sofort, nachdem sie die Verkündigung des Engels angenommen hat, hingeht, um das Geschenk der Fruchtbarkeit mit ihrer Verwandten Elisabet zu teilen. Denn: Wenn alles geschenkt worden ist, muss alles zurückgeschenkt werden. Wie? Indem man es zulässt, dass der Heilige Geist aus uns ein Geschenk für die anderen macht. Der Geist ist ein Geschenk für uns und wir müssen mit der Kraft des Geistes Geschenk für die anderen sein und es zulassen, dass der Heilige Geist uns zu Werkzeugen der Aufnahme, zu Werkzeugen der Aussöhnung, zu Werkzeugen der Vergebung werden lässt. Wenn sich unser Dasein durch die Gnade des Herrn verwandeln lässt, denn die Gnade des Herrn verwandelt uns, werden wir das aus seinem Antlitz erstrahlende Licht nicht für uns behalten können, sondern wir werden es durchscheinen lassen, damit es die anderen erleuchtet. Wir wollen von Maria lernen, die ihren Blick immer fest auf ihren Sohn gerichtet hat, und ihr Antlitz wurde »das Gesicht, das Christus am ähnlichsten« ist (Dante, Paradies, XXXII, 85-86). An sie wenden wir uns nun mit dem Gebet, das an die Verkündigung des Engels erinnert.


Nach dem Angelus:

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich grüße euch alle voll Zuneigung, besonders die Familien und die Pfarrgruppen. Ich grüße die Gläubigen aus Rocca di Papa, den Pfarrer, die Marathonläufer, die Radsportler, und ich segne ihre Fackel. Ich grüße die Gruppe aus Felline (Lecce), die Vereinigung »Completamente tuoi« [»Ganz die Deinen«] sowie die Kinder aus Carugate. Am heutigen Fest der Unbefleckten Empfängnis erneuert die »Katholische Aktion Italien« ihre Zugehörigkeit zur Vereinigung. Ein besonderer Gedanke gilt allen Diözesan- und Pfarrverbänden. Die Unbefleckte Jungfrau segne die »Katholische Aktion« und mache aus ihr immer mehr eine Schule der Heiligkeit und des großherzigen  Dienstes an der Kirche und an der Welt.

Heute Nachmittag werde ich mich nach Santa Maria Maggiore begeben, um die Salus Populi Romani zu grüßen, und dann auf den Spanischen Platz, um den traditionellen Akt der Verehrung und des Gebets zu Füßen des Denkmals der Unbefleckten Empfängnis zu erneuern. Es wird ein Nachmittag sein, der ganz der Gottesmutter geweiht ist. Ich bitte euch, euch mir im Geist bei dieser Pilgerschaft anzuschließen, die die kindliche Verehrung für unsere Mutter im Himmel zum Ausdruck bringt. Und vergesst nicht: das Heil ist umsonst geschenkt. Wir haben diese Unentgeltlichkeit empfangen, diese Gnade Gottes, und wir müssen sie schenken; wir haben das Geschenk empfangen und müssen es den anderen weiterschenken. Vergesst das nicht!

Allen wünsche ich ein schönes Fest und einen guten Weg durch den Advent unter der Führung der Jungfrau Maria. Bitte, vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

 


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