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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"

 

Kompromisslos

Dienstag, 17. November  2015

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 48, 27. November 2015

 

Man darf sich nicht vom Geist der Welt schwächen lassen und soll das eigene Christ-Sein konsequent leben, ohne schwach zu werden und ohne Kompromisse einzugehen. So die Aufforderung von Papst Franziskus in der heiligen Messe, die er am Dienstag, 17. November, in Santa Marta feierte. Er folgte bei seiner Reflexion über die Lesung dem Weg, auf dem »die Kirche uns in diesen Tagen auf das Ende des Kirchenjahres vorbereitet« und sprach darüber, »wie man sich in der Verfolgung verhalten soll«. Dazu spann er den logischen Faden des Vortags weiter, an dem sich seine Überlegungen auf die drei Begriffe »Weltlichkeit «, »Glaubensabfall« und »Verfolgung« konzentriert hatten.

Angeregt wurde der Papst von der Lesung aus dem zweiten Buch der Makkabäer (6,18-31), wo der neunzigjährige Eleasar – eine Art »Polycarp [von Smyrna]«, ein pater familias des Alten Testaments »sich nicht durch den Geist der Welt schwächen ließ« und »nicht nachgab, als er auf die Probe gestellt wurde«. Was war geschehen? Der Papst erläuterte: »Das Einheitsdenken des Glaubensabfalls verlangte, dass Eleasar Schweinefleisch essen sollte«. Er hingegen habe sich geweigert und es ausgespuckt. Da »nahmen ihn seine weltlichen Freunde, jene, die dem Geist der Weltlichkeit nachgegeben hatten, beiseite und versuchten ihn zu überreden«, indem sie ihm eine Scheinlösung vorgeschlagen hätten. »Machen wir es so: du koche dir eine schöne Fleischsuppe, die du essen kannst, und tu so, als äßest du das Schweinefleisch, und auf die Art rettest du dein Leben und sündigst nicht.« Aber der betagte Schriftgelehrte »war entrüstet«. Und »mit jener Würde, jenem Adel, die er durch ein konsequentes Leben erworben hatte«, ging er zum Martyrium, wobei er bezeugte: »Wer so alt ist wie ich, sollte den jungen Leuten kein solches Beispiel geben.«

Das sei ein eindeutiges Beispiel für »ein konsequentes Leben«, von dem uns die »geistliche Weltlichkeit« entferne. Mit diesem Thema setzte sich Franziskus ausführlicher auseinander, indem er die Verhaltensweise vieler Menschen analysierte: »Du tust so, als ob du so wärest, lebst aber auf eine andere Art und Weise.« Das sei die Weltlichkeit, die sich in den Geist des Menschen einschleiche und sich seiner nach und nach bemächtige: »Es ist schwer, sie von Anfang an zu erkennen, weil sie wie eine Motte ist, die ganz langsam den Stoff verdirbt, und dann ist dieser Stoff nicht mehr verwendbar.« So »verliert der Mensch, der sich von der Weltlichkeit antreiben lässt, seine christliche Identität«. Die Weltlichkeit zerstöre die christliche Identität, da man »nicht mehr konsequent sein kann«. Tatsächlich, so fuhr der Papst fort, gäbe es Menschen, die sagten: »Ach, ich bin gut katholisch, Vater, ich gehe jeden Sonntag zur Messe, aber wirklich sehr gut katholisch!« Dann aber, im Alltagsleben oder bei der Arbeit sei er nicht imstande, konsequent zu sein. So gebe er beispielsweise den Schmeicheleien derer nach, die ihm vorschlügen: »Wenn du dies oder jenes kaufst, dann zahlen wir ein Schmiergeld, und du streichst dieses Schmiergeld ein.«

Der Papst unterstrich: »Das ist kein konsequentes Leben, das ist Weltlichkeit.« Gerade die Weltlichkeit sei es, »die zu einem Doppelleben führt, zwei Leben: Schein und Wirklichkeit. Und das entfernt dich von Gott und zerstört deine christliche Identität.« Daher sei Jesus so bestimmt, »als er den Vater bittet: ›Vater, ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst, dass sie nicht den Geist der Welt haben‹«, das heißt »jenen Geist, der die christliche Identität zerstört«. Die Heilige Schrift, insbesondere die Begebenheiten aus dem Leben des betagten Eleasar seien »ein Vorbild gegen diesen Geist der Weltlichkeit«. Franziskus lud die Gläubigen ein, dessen konsequente Worte erneut zu hören: »Viele junge Leute könnten sonst glauben, dass ich mit meinen neunzig Jahren noch zu der fremden Lebensart übergegangen bin, ich würde sie irreleiten und es wäre meine Schuld, wenn sie verloren gehen.«

Eleasar sorge sich um das Beispiel, das er den jungen Menschen mit seinem Einlenken geben würde. Eine Haltung, die der Papst so kommentierte: »Der christliche Geist, die christliche Identität ist niemals egoistisch, sondern sie sucht stets mit der eigenen Konsequenz Sorge zu tragen: vermeiden, Anstoß zu erregen; sich um die anderen sorgen; ein gutes Beispiel geben.« Sicherlich könne man einwenden: »Aber, Vater, das ist nicht leicht, so zu leben, wo es so viele Versuchungen gibt und die Täuschung des Doppellebens uns jeden Tag in Versuchung führt. Es ist nicht leicht!« In der Tat, so Papst Franziskus: »Für uns ist das nicht nur nicht leicht, sondern unmöglich.

Nur der Herr kann es tun.« Daher lade uns die Liturgie vom Tag ein, mit dem Psalm zu beten: »Der Herr nimmt sich meiner an.« »Gott ist unser Beistand gegen die Weltlichkeit, die unsere christliche Identität zerstört, die uns zu einem Doppelleben führt.« Nur er könne uns retten. Daher werde »unser demütiges Gebet lauten: ›Herr, ich bin ein Sünder, wir alle sind es. Aber ich bitte dich um deinen Beistand. Hilf mir, damit ich nicht auf der einen Seite so tue, als sei ich Christ, und auf der anderen Seite so lebe wie ein Heide, wie ein weltlich gesinnter Mensch.«

Der Papst schloss mit einem Rat: »Wenn ihr heute ein wenig Zeit habt, dann nehmt die Bibel, das zweite Buch der Makkabäer, Kapitel sechs, und lest diese Geschichte von Eleasar. Das wird euch gut tun. Es wird euch Mut machen, für alle ein Beispiel zu sein und es wird euch auch Kraft geben und eine Hilfe sein, um die christliche Identität voranzutragen – ohne Kompromisse, ohne ein Doppelleben.«

 



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