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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Widerstand versus Fügsamkeit

Dienstag, 9. Mai 2017
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 21, 26. Mai 2017)

 

Nach dem Martyrium des Stephanus begannen Verfolgungen, aufgrund derer die Gläubigen zerstreut wurden, und so waren es die Laien, die »das Wort zu den Heiden in Antiochia« brachten, wo sie »zum ersten Mal ›Christen‹ genannt wurden «. Dann wurde ihnen durch Barnabas die Erlaubnis und die Ermutigung seitens der Gemeinde der Apostel in Jerusalem zuteil. Und das Geheimnis dieser ersten und außerordentlichen Evangelisierung war »die Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist, um das Wort anzunehmen und zu verkünden«, so der Papst bei der Messe am Dienstag, den 9. Mai, in der er die Anwesenden aufforderte, heute besonders »für Antiochia«

zu beten. Franziskus feierte die heilige Messe »für die Schwestern der Casa Santa Marta«, die Töchter der christlichen Liebe vom heiligen Vinzenz von Paul, die an diesem Tag »ihrer Gründerin, der heiligen Luise von Marillac«, gedenken. Franziskus machte zu Beginn darauf aufmerksam, dass die erste Lesung aus der Apostelgeschichte (11,19-26) »mit diesen Worten anhebt: ›In jenen Tagen kamen bei der Verfolgung, die wegen Stephanus entstanden war, die Versprengten bis…‹« Denn »nach dem Martyrium des Stephanus brach in Jerusalem eine große Verfolgung aus, und die Gläubigen wurden überall hin versprengt «. Es blieben »nur die Apostel«, während »die Laien weggingen, versprengt wurden. Sie waren es, die die gute Nachricht Jesu überbracht haben: die Versprengten.«

Eine Verfolgung also nach »jenem Martyrium des Stephanus«, der »viele Male – viele Male! – die Härte des Herzens der Ältesten und Gesetzeslehrer getadelt hatte«. Und »das stärkste Wort«, das Stephanus »beständig wiederholte«, lautet gerade: »Ihr habt immer dem Heiligen Geist Widerstand geleistet«, also der Hinweis auf die Sünde, »dem Heiligen Geist zu widerstehen, dem Heiligen Geist Widerstand zu leisten«. Gerade »in diesen Tagen«, rief der Papst in Erinnerung, »haben wir viel von diesem Widerstand gegen den Heiligen Geist gesprochen«. »Heute sprechen die Lesungen von einer anderen Haltung, dem Gegenteil: von der Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist, welche die Haltung der Christen ist.« Und so »frage ich mich: Verkündeten jene, die nach Phönizien, Zypern und Antiochia gegangen waren, ›das Wort nur den Juden‹«, weil »sie noch diese Mentalität hatten, dass das Heil für die Juden bestimmt war?« Im Text aber ist zu lesen: »Einige aber von ihnen, die aus Zypern und Zyrene stammten, verkündeten, als sie nach Antiochia kamen, auch den Griechen das Evangelium von Jesus, dem Herrn. Die Hand des Herrn – der Geist des Herrn – war mit ihnen.« Und »viele wurden gläubig und bekehrten sich zum Herrn«, wie die Apostelgeschichte berichtet.

Diese Christen also, verdeutlichte der Papst, »haben den Schritt getan, Jesus Christus ganz selbstverständlich den Heiden zu verkünden, da sie in ihrem Inneren spürten, dass der Geist sie dazu drängte: sie sind fügsam gewesen«. Deshalb »waren es die Laien, die nach den Verfolgungen das Wort brachten, da sie diese Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist hatten«.

Diesbezüglich, so Franziskus, »möchte ich heute etwas zu dieser Fügsamkeit sagen«. »Im ersten Kapitel seines Briefes« rät uns der Apostel Jakobus, »das Wort fügsam anzunehmen, es zu empfangen, wie es kommt: das Wort, das der Geist bringt«. Also muss man »offen sein, nicht verschlossen, nicht starr: offen«. Und »der erste Schritt auf dem Weg der Fügsamkeit ist die Aufnahme des Wortes: das Herz öffnen, es empfangen, es als Same eintreten lassen, der dann aufkeimen wird«.

Nachdem das Wort aufgenommen wurde, »wird es dann ein wenig vertieft«, und »der zweite Schritt besteht darin, das Wort zu kennen: das Wort zu kennen und Jesus zu kennen«. Beim Halleluja »haben wir gesungen: ›Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.‹ Sie kennen mich und folgen mir«, sagt der Herr, wie im Evangelium nach Johannes zu lesen ist (10,22-30), das die Liturgie uns heute vorlegt. »Die Herde folgt nicht den Räubern, sie folgt denen nicht, die nicht durch die Tür eintreten«, präzisierte der Papst und unterstrich dann das Wort »erkennen«: »Sie erkennen kraft des Heiligen Geistes, da sie dem Geist gegenüber fügsam sind, der das Wort Jesu ist.«

»Und dann besteht ein dritter Schritt in der Vertrautheit mit dem Wort«, so Franziskus. Denn es ist wichtig, »das Wort immer bei uns zu haben, es zu lesen, dem Wort das Herz zu öffnen, dem Geist das Herz zu öffnen, der uns das Wort begreifen lässt«. Und »die Frucht dieses Empfangens des Wortes, des Kennens des Wortes, es mit uns zu nehmen, dieser Vertrautheit mit dem Wort ist groß: die Haltung eines Menschen, der das tut«, ist beseelt von »Güte, Wohlwollen, Freude, Frieden, Selbstbeherrschung, Milde«. Also »all das, was der Apostel Paulus zu den Galatern im fünften Kapitel seines Briefes sagt«. »Das ist der Stil, den uns die Fügsamkeit gegenüber dem Geist schenkt«, erklärte der Papst weiter. Doch »ich muss den Geist empfangen, der mich fügsam zum Wort bringt, und diese Fügsamkeit, dem Geist keinen Widerstand zu leisten, wird mich zu dieser Weise des Lebens, zu dieser Weise des Handelns bringen«.

Der rechte Weg also bestehe darin, »das Wort fügsam zu empfangen, das Wort zu kennen und den Geist um die Gnade der Erkenntnis zu bitten«. Und »dann Raum zu geben, damit dieser Same aufkeimt und in diesen Haltungen der Güte, der Milde, des Wohlwollens, des Friedens, der Liebe, der Selbstbeherrschung wächst: all das, was den christlichen Stil ausmacht«.

Die Apostelgeschichte, so Franziskus weiter, sagt uns: »Als die Nachricht von diesen Leuten, die nach Zypern und Zyrene gekommen waren und dort das Wort den Heiden verkündeten, Jerusalem erreichte, erschraken auch sie ein wenig und schickten Barnabas nach Antiochia: ›Was ist los? Diese Leute machen den Glauben kaputt, warum wird das Wort einem Heiden, einem Unbeschnittenen verkündet? Warum verkünden es nicht die Apostel, sondern diese Leute, die wir nicht kennen?‹« Und »es ist schön«, kommentierte der Papst, was in der Apostelgeschichte zu lesen ist: »Sie schickten Barnabas nach Antiochia. Als er ankam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, dem Herrn treu zu bleiben.« Barnabas, so berichtet die Apostelgeschichte, war »ein ›trefflicher Mann, erfüllt vom Heiligen Geist‹«. So »ist da der Geist, der uns führt, damit wir nicht irren, damit wir den Geist fügsam aufnehmen, den Geist im Wort Gottes kennen und nach dem Geist leben«. Eine Haltung, die »das Gegenteil« von »den Widerständen ist, die Stephanus den Ältesten und Gesetzeslehrern vorwarf: ›Ihr habt dem Heiligen Geist immer Widerstand geleistet.‹« Franziskus gab den Rat, uns selbst eine Frage zu stellen: »Widerstehen wir dem Geist, leisten wir ihm Widerstand oder nehmen wir ihn fügsam auf?« Fügsam, »das ist das Wort des Jakobus: ›fügsam aufnehmen‹«.

Zusammenfassend könnte man sagen »Widerstand versus Fügsamkeit«, so der Papst, der die Anwesenden einlud, die Gnade der Fügsamkeit zu erbitten. »Und ein wenig außerhalb der Predigt möchte ich das sagen, was am Ende der Lesung steht: Gerade in der Gemeinde von Antiochia hat man uns den ›Familiennamen‹ gegeben, gerade dort: ›In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen.‹ Das ist schön, aber wir wollen für Antiochia beten.«

 



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