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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Das Pfingsten von Ephesus

Montag, 29. Mai 2017
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 24, 16. Juni 2017)

 

»Unruhige« Herzen, weil »bewegt vom Heiligen Geist«, oder flache, lineare »spirituelle Elektrokardiogramme ohne Emotionen«? Zu welcher Kategorie gehört man? Das ist die Grundfrage, die Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in Santa Marta am Montag, 29. Mai, an jeden Christen richtete. Zu Beginn der Woche, in der »die Kirche uns darauf vorbereitet, den Heiligen Geist zu empfangen und in der sie uns über den Heiligen Geist nachdenken lässt«. Zudem fordert sie uns auf zu beten, »dass der Heilige Geist in die Kirche, in mein Herz, in meine Pfarrei, in meine Gemeinde komme«, lud Papst Franziskus die Christen ein, »dieses Geschenk des Vaters zu erwarten, das Jesus uns verheißen hat«.

Die Betrachtungen des Papstes gingen von der ersten Lesung des Tages aus, die der Verkündigung des heiligen Paulus in Ephesus gewidmet ist (Apg 19,1-8). Es sei gleich angemerkt, »dass diese Gemeinde, die den Glauben empfangen hatte, nichts vom Heiligen Geist wusste«. Dies geht so weit, dass diese Lesung das »Pfingsten von Ephesus « genannt werden könnte, da »dasselbe geschieht, was in Jerusalem geschehen war«.

Und dennoch, so merkte der Papst an, »waren diese Leute gläubig«. Doch als Paulus sie fragte: »Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr zum Glauben gekommen seid?«, antworteten sie: »Wir haben nicht einmal davon gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.« In diesem Bericht also steht man vor der »Wirklichkeit einer Kirche voller guter Leute, Leute des Glaubens, Leute, die an Jesus, den Herrn, glaubten«, die jedoch »vor sich hinlebten, ohne dieses Geschenk des Vaters zu kennen: den Heiligen Geist«. Deshalb »legte ihnen Paulus die Hände auf, und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten«.

Der Papst erklärte, dass mit der Herabkunft der Heiligen Geistes für die Jünger von Ephesus »die Bewegung des Herzens begann, denn das, was unser Herz bewegt, inspiriert, uns belehrt, ist er: der Heilige Geist, »der das Herz bewegt«, der »die Emotionen im Herzen« nährt. Im übrigen, so der Papst, hatte dies Jesus selbst gesagt: der Geist »wird lehren« und »all das in Erinnerung rufen, was ich euch gelehrt habe«.

Was den Jüngern von Ephesus geschehen ist, ist eine Erfahrung, die häufig in den Berichten des Neuen Testaments wiederkehrt, in denen man vielen Personen begegnet, die »diese Botschaft gehört und ihr Leben geändert haben«. Zum Beispiel, so vertiefte der Papst, »können wir uns fragen: wer bewegte Nikodemus dazu, des Nachts zu Jesus zu gehen und mit ihm zu sprechen?« Es war gerade diese »Unruhe«. Und »wer bewegte die Samariterin, nachdem sie Jesus Wasser gereicht hatte, bei ihm zu bleiben und mit ihm zu sprechen?« Die Antwort lautet, dass sie spürte, dass »das Herz sich änderte«. Weiter: »Wer bewegte die Sünderin dazu, hinzugehen und die Füße Jesu mit ihren Tränen zu benetzen? Und wer bewegte die vielen Menschen, sich Jesus zu nähern? Denken wir an jene blutflüssige Frau: wer war es, der sie bewegte und sie jenes Gefühl haben ließ, jene Idee: ›wenn ich den Saum des Gewands berühre, werde ich gesund werden.‹« Die Antwort ist immer dieselbe: »der Heilige Geist«, er, der »die Herzen bewegt«.

Wie dies seine Gewohnheit ist, suchte Papst Franziskus an diesem Punkt seiner Betrachtung einen aktuellen Bezug und wandte sie auf das Leben eines jeden Christen an. Er stellte eine Reihe von Fragen: »Bin ich wie jene von Ephesus, die nicht einmal wussten, dass es einen Heiligen Geist gibt? Welchen Platz nimmt der Heilige Geist in meinem Leben, in meinem Herzen ein? Bin ich fähig, ihn zu hören? Bin ich fähig, um Inspiration zu bitten, bevor ich eine Entscheidung fälle oder ein Wort sage oder etwas tue? Oder ist mein Herz ruhig, ohne Emotionen, ein fixiertes Herz?« Das Problem nämlich besteht darin: »Würden wir bei gewissen Herzen ein spirituelles Elektrokardiogramm machen, dann wäre das Ergebnis eine Linie, ohne Emotionen«.

Eine spirituelle Wirklichkeit, die man auch in den Evangelien beschrieben findet, rief der Papst in Erinnerung, wenn man zum Beispiel an die Gesetzeslehrer denkt : »Sie glaubten an Gott, sie kannten alle Gebote, doch ihr Herz war verschlossen, still, sie ließen sich nicht in Unruhe versetzen«. Dies also der zentrale Punkt der Reflexion: es ist notwendig, »sich vom Heiligen Geist in Unruhe versetzen zu lassen«. Einer könnte entgegnen: »›Ha, das habe ich gehört… Aber Pater, ist das nicht Gefühlsseligkeit?‹ – ›Nein, kann sein, aber nein. Wenn du auf dem rechten Weg gehst, dann ist das keine Gefühlsseligkeit.‹« Wie es geschehen kann, wie gesagt wird: »Ich habe das Verlangen verspürt, das zu tun, da hinzugehen und jenen Kranken zu besuchen oder das Leben zu ändern oder das zu lassen…« Das Wichtige ist, so Franziskus, »zu spüren und zu unterscheiden: das zu unterscheiden, was mein Herz spürt«, denn »der Heilige Geist ist der Meister der Unterscheidung«. Gewisse Formen von Elan sind nämlich positiv: »Ein Mensch, der nicht diese Bewegungen im Herzen hat, der nicht unterscheidet, was geschieht, ist ein Mensch, der einen kalten Gauben hat, einen ideologischen Glauben. Sein Glaube ist eine Ideologie, nichts anderes.« Es ist gerade das, was im Evangelium beschrieben wird: »das Drama jener Gesetzeslehrer, die sich gegen Jesus wandten«.

Deshalb, so der Papst, ist es notwendig sich zu fragen: »Wie ist meine Beziehung zum Heiligen Geist? Bete ich zum Heiligen Geist? Bitte ich den Heiligen Geist um Licht? Bitte ich darum, dass er mich auf dem Weg leitet, den ich in meinem Leben wählen muss, und das auch alle Tage? Bitte ich, dass er mir die Gnade schenke, das Gute vom weniger Guten zu unterscheiden? Denn das Gute unterscheidet sich sofort vom Schlechten. Doch es gibt da jenes verborgene Übel, das im weniger Guten besteht, aber das Übel verborgen hat. Bitte ich um diese Gnade?«

Schlussendlich lautet die Frage, die der Papst heute in den Herzen eines jeden »aussäen« wollte: »Wie ist meine Beziehung mit dem Heiligen Geist?« Jeder Christ sollte sich also fragen: »Habe ich ein unruhiges Herz, weil es vom Heiligen Geist bewegt wird?«. Und weiter: »Bitte ich um diese Gnade, zu verstehen, was in meinem Herzen geschieht?«; und schließlich: »Wenn ich das Verlangen habe, etwas zu tun, halte ich ein und bitte ich den Heiligen Geist, dass er mich inspiriert, dass er mir ja oder nein sagt, oder stelle ich nur stille Berechungen an: ›Das ja, denn; wenn nicht…‹«?

Der Einsatz besteht darin, zuzuhören: »Was sagt mir der Heilige Geist?« Es ist kein Zufall, so der Papst, dass der Apostel Johannes sich im Buch der Offenbarung »an jede der sieben Kirchen jener Zeit wandte und dabei so beginnt: ›Hört auf das, was der Heilige Geist den Kirchen sagt.‹« Deshalb, so Franziskus abschließend, »bitten wir heute um diese Gnade, das zu hören, was der Geist unserer Kirche, unserer Gemeinde, unserer Pfarrei, unserer Familie und mir, zu einem jeden von uns sagt: um die Gnade, diese Sprache des Hörens auf den Heiligen Geist zu lernen«.

 



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