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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Wer die Kinder aushungert

Montag, 23. Oktober 2017

 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 45, 10. November 2017)

 

Zweihunderttausend Rohingya-Kinder und mit ihnen alle, die heute in der Welt Hunger leiden, sind Opfer des »Götzendienstes am Geld«, der »Menschenopfer« darbringt und den Tod vieler Menschen verursacht. Und niemandem darf es gleichgültig sein, wenn er »auf die hungernden Kinder« blickt, »die keine Arzneien haben, die keine Erziehung haben, die verlassen sind«. Daher die von Papst Franziskus bei der Messe in Santa Marta am Montag, 23. Oktober, lancierte Mahnung gegen »den Götzen Geld«, der auch Familien zerstört, die der Gier persönlicher Interessen verfallen.

»Dieser Abschnitt aus dem Evangelium«, erklärte der Papst sofort und bezog sich dabei auf den Abschnitt aus dem Lukasevangelium (12,13- 21), »beginnt mit einem Erbe und endet vor den Toren eines anderen Erbes«. Jesus »mahnt klar: ›Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn auch wenn einer im Überfluss lebt, besteht sein Leben nicht in dem, was er besitzt.‹« Und dann »erzählt er dieses Gleichnis« von einem »reichen Mann, der vor der Fülle der Ernte steht und nicht weiß, was er tun soll«. Es »kommen ihm nur zwei vorzunehmende Maßnahmen in den Sinn: erweitern und verlängern«. Das heiße, wie der Papst erklärte: »die Scheunen erweitern und in seiner Phantasie das Leben verlängern: ›So werde ich ruhig sein‹, doch die Ernte wird nicht angerührt, das Geld wird nicht angerührt, alles muss aufgehoben werden, weil jenes Geld sein Gott ist«.

Also »erweitert er, um für seinen Gott mehr Platz zu haben, und in seiner Phantasie verlängert er sein Leben, um jenen Gott anzubeten: Er ist dessen Sklave, nicht wahr? Er weiß nicht, was es heißt, satt zu sein.« Deshalb, so fahre Jesus im Gleichnis fort, »geht jener Mann weiter und nimmt sich immer mehr Güter, immer mehr, bis zur Übelkeit: er weiß nicht, was es heißt, satt zu sein«. Doch: »Wie denkt dieser Mann?« Jesus sage es uns im Gleichnis: »Er überlegte hin und her: ›Meine Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens.‹« Kurz: »Genieße das Leben, ganz für dich, mit deinem Gott: er isst, trinkt und tritt in jene Bewegung eines Konsumdenkens ohne Grenzen ein, er hält nicht ein, er kennt keine Grenzen.«

Doch »es ist Gott, der diesem Hängen am Geld eine Grenze setzt«, so der Papst. Denn das Gleichnis fährt fort: »Du Narr!« Wie oft kommt doch dieses Wort »du Narr« im Evangelium vor… »Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?« Jener Reichtum, fuhr Franziskus fort, wird an die Erben jenes Mannes gehen, die dann wegen dieser für eine Gottheit gehaltenen Reichtümer streiten werden. Der Papst machte darauf aufmerksam, dass »dieser Abschnitt aus dem Evangelium mit einem Streit um das Erbe beginnt und mit einem weiteren Streit endet, wenn die Enkel und all diese anderen Leute kommen werden: wir wissen, was geschieht…« Doch »es ist Gott, der diesem Hängen am Geld eine Grenze setzt«. Dass »der Mensch zum Sklaven des Geldes wird, ist kein Märchen, das Jesus erfindet: das ist die Wirklichkeit«, auch »heute«.

Es gebe, so Franziskus, »viele Menschen, die leben, um das Geld anzubeten, um aus dem Geld ihren Gott zu machen: viele Menschen, die nur dafür leben, und das Leben hat keinen Sinn«. Der Abschnitt aus dem Evangelium schließe mit diesen Worten: »So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt – sagt der Herr –, aber vor Gott nicht reich ist.« In Wirklichkeit »wissen sie nicht, was es heißt, vor Gott reich zu sein«.

Diesbezüglich wollte der Papst eine persönliche Geschichte erzählen: »Ich erinnere mich an einen Fall vor einigen Jahren im anderen Bistum, der mich sehr beeindruckt hat. Ein großer und extrem reicher Unternehmer hatte so ein wenig diese Haltung. Er hatte Krebs. Er wusste es. Es blieben ihm nur noch wenige Tages zu leben. In jener letzten Woche seines Lebens begeisterte er sich für eine Villa und kaufte eine Villa: er dachte nur an das. Er war auf diesen Gedanken fixiert. Das hat mich beeindruckt, als ich es sah. Er dachte nicht an die kommende Woche, in der er vor Gott hintreten sollte.« Und »auch heute« gibt es »viele Leute, viele von denen, die sehr viel besitzen «: doch »schauen wir nur auf die Kinder, die hungern und keine Arzneien haben, die keine Erziehung bekommen, die verlassen sind«. Und »das ist ein Götzendienst, aber ein Götzendienst, der tötet, der ›Menschenopfer‹ fordert, weil dieser Götzendienst dazu führt, dass viele Menschen verhungern«.

»Denken wir nur an einen Fall«, unterstrich der Papst: »an zweihunderttausend Rohingya-Kinder in den Flüchtlingslagern. Dort sind achthunderttausend Menschen, zweihunderttausend sind Kinder. Sie haben kaum etwas zu essen, sie sind unterernährt, ohne medizinische Versorgung. Auch heute geschieht dies. Das ist nicht etwas, was der Herr nur in jenen Zeiten sagt: nein, heute!«

Aus diesem Grund »muss unser Gebet stark sein: Herr, bitte, rühre an das Herz dieser Menschen, die diesen Götzen anbeten, den Götzen Geld. Rühre auch an mein Herz, dass ich nicht derartigem verfalle, dass ich es verstehe, zu sehen. Und dann eine weitere Folge: da herrscht dann immer der Krieg hier, der Krieg in der Familie. Wir alle wissen, was geschieht, wenn eine Erbschaft im Spiel ist: die Familien spalten sich und enden im Hass der einen auf die anderen.«

Abschließend machte Franziskus darauf aufmerksam, wie »der Herr im Evangelium voller Milde unterstreicht: ›Wer vor Gott nicht reich ist‹«. Denn »das ist der einzige Weg: der Reichtum, aber in Gott«. Und »das ist keine Verachtung für das Geld, nein. Es ist Habgier, wie er sagt, die Habgier«, das heißt »ein Leben führen, das am Götzen Geld hängt«. Daher, so der Rat des Papstes, »muss unser Gebet stark sein, heute, in diesen Zeiten, in denen uns die Medien viele, viele Katastrophen, viele Ungerechtigkeiten zeigen, denken wir nur an die Kinder: Herr, bekehre die Herzen dieser Menschen, dass sie dich erkennen und nicht den Götzen Geld anbeten.«

 



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