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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Freikarte

Dienstag, 7. November 2017

 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 48, 1. Dezember 2017)

 

Für das Heil gibt es »eine Eintrittskarte«. Dies aber verbunden mit einigen Hinweisen. Vor allem ist sie gratis; und dann werden die Inhaber gewiss Frauen und Männer sein, die »der Pflege und der Heilung an Leib und Seele bedürfen«. Es ist leicht, sich vorzustellen, dass auf den ersten Plätzen »Sünder, Arme und Kranke« sitzen, die sogenannten »Letzten« also. Bei der Feier der Messe in Santa Marta am Dienstag, den 7. November, beschäftigte sich Papst Franziskus mit dem Bild aus dem Evangelium nach Lukas (14,15-24) vom Festmahl, zu dem der Hausherr »die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen « einlädt, nachdem sich die Reichen, die den Wert der Unentgeltlichkeit des Heils nicht verstehen, geweigert hatten zu kommen.

»Die Texte aus dem Evangelium, die wir in diesen Wochen, in diesen letzten Tagen gehört haben, stehen im Rahmen eines Festmahles«, erklärte Franziskus zu Beginn. Es sei »der Herr, der sich in das Haus eines führenden Pharisäers begibt, um dort zu essen, und getadelt wird, weil er die Waschungen nicht vollzieht«. Dann, »während des Festmahls, rät der Herr, nicht nach den ersten Plätzen zu trachten, denn es bestehe die Gefahr, dass einer komme, der wichtiger sei, und der Hausherr zu uns sage: ›Mach diesem Platz! Rück rüber!‹ Das wäre eine Schande.«

»Der Abschnitt«, so der Papst, »geht weiter mit den Ratschlägen, die der Herr dem gibt, der jemanden zu einem Festmahl bei sich zuhause einladen muss.« Und er verweise gerade »auf jene, die es dir nicht zurückgeben können, das heißt auf jene, die nichts haben, um eine Gegeneinladung zu geben«. Das also sei »die Unentgeltlichkeit des Festmahles«. Als Jesus »dies zu Ende erklärt hatte, sagte einer der Tischgenossen zu ihm: ›Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf!‹« Der Herr »antwortete ihm ohne weitere Erklärungen mit dem Gleichnis von diesem Mann, der ein großes Festmahl veranstaltete und viele dazu einlud«. Doch »die zuerst Eingeladenen wollten nicht zum Essen kommen, weder am Essen noch an den Leuten, die dort waren, noch am Herrn, der sie einlud, lag ihnen etwas: andere Dinge waren für sie wichtiger«.

Und in der Tat habe sich einer nach dem anderen entschuldigen lassen. So »sagte ihm der erste: ›Ich habe einen Acker gekauft  ›Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft‹; ein anderer: ›Ich habe geheiratet‹; doch ein jeder hatte sein eigenes Interesse, und dieses Interesse war wichtiger als die Einladung«. Tatsache sei, erklärte Franziskus, dass »diese Leute ihre eigenen Interessen vertreten wollten: Was kann ich verdienen? « Deshalb laute die Antwort auf eine unentgeltliche Einladung: »Das interessiert mich nicht, vielleicht an einem anderen Tag, ich habe so viel zu tun, ich kann nicht gehen.« »Viel zu tun«, aber mit den eigenen »Interessen«: wie jener Mann, der nach der Erntezeit, nach der Korn ernte Scheunen bauen wollte, um seine Güter zu vermehren. Der Ärmste, er starb in jener Nacht.«

Diese Menschen hängen »bis zu dem Punkt an ihren Interessen, dass« sie »einer Knechtschaft des Geistes« verfallen und »unfähig sind, die Unentgeltlichkeit der Einladung zu begreifen «. Doch »wenn man die Unentgeltlichkeit der Einladung Gottes nicht versteht, dann versteht man nichts«, so die Warnung des Papstes. Die Initiative Gottes nämlich »ist immer unentgeltlich: Um zu diesem Festmahl zu gehen, was muss man da zahlen? Nun, die Eintrittskarte ist: krank zu sein, arm zu sein, Sünder zu sein«. Gerade das »ist die Eintrittskarte: an Leib und Seele bedürftig sein«. Und unter »bedürftig« sei zu verstehen: »bedürftig nach Pflege, nach Heilung, der Liebe bedürfen«.

»Hier«, so der Papst, »können wir die beiden Haltungen sehen«. Die Haltung Gottes »ist immer unentgeltlich: um zu retten, lässt Gott nichts zahlen, es ist gratis«. Und so Franziskus weiter, »sagen wir es mit einem etwas abstrakten Wort: es ist auch ›universal‹«, in dem Sinn, dass »der ›zornige‹ Herr« zum Diener sagt«: »Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei.« In einer anderen Version, der bei Matthäus, sagt der Herr: »gute und schlechte: alle, alle«, denn »die Unentgeltlichkeit Gottes kennt keine Grenzen: alle, er empfängt alle«.

»Jene dagegen, die ihre eigenen Interessen haben «, so der Papst weiter, »verstehen die Unentgeltlichkeit nicht. Sie sind wie der Sohn, der bei seinem Vater geblieben ist, als der jüngere fortging und nach langer Zeit arm zurückkehrte. Der Vater richtet ein Fest aus, und der ältere Sohn will an jenem Festmahl nicht teilnehmen. Er will am Fest nicht teilnehmen, weil er es nicht versteht: ›Der hat sein ganzes Geld ausgegeben, er hat das Erbe vergeudet, mit Lastern, mit Sünden, und du richtest ihm ein Fest aus? Und ich, der ich Katholik bin, ein praktizierender Katholik, der ich jeden Sonntag zur Messe gehe, die Gebote halte, alles tue – für mich nichts?‹«

Tatsache sei, dass er »die Unentgeltlichkeit des Heils nicht versteht. Er denkt, dass das Heil die Frucht des ›Ich zahle und du rettest mich‹ ist: ich zahle mit dem und dem und dem«. Aber »nein, das Heil ist umsonst«. Und »wenn du nicht in diese Dynamik der Unentgeltlichkeit eintrittst, verstehst du nichts«.

Das Heil, so erklärte Franziskus, »ist ein Geschenk Gottes, auf das man mit einem anderen Geschenk antwortet: mit dem Geschenk meines Herzens«. Da sind allerdings jene, »die andere Interessen haben, wenn sie die Rede von den Geschenken hören: ›Ja, richtig, ja, man muss Geschenke machen.‹ Und sofort denken sie: ›So, ich werde dieses Geschenk machen, und morgen und übermorgen, bei einer anderen Gelegenheit, wird er mir etwas anderes schenken‹« So ist da »immer die Gegenleistung«. Dagegen »fordert der Herr nichts als Gegenleistung: nur Liebe, Treue, wie er Liebe ist, wie er treu ist«. Denn »das Heil kann man nicht kaufen, man geht einfach zum Festmahl: ›Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf‹«. Und »das ist das Heil«.

In Wirklichkeit, so der Papst, »frage ich mich: Was fühlen diese Menschen, die nicht bereit sind, zum Festmahl zu kommen? Sie fühlen sich sicher, sie fühlen sich in einer Sicherheit, sie fühlen sich auf ihre Weise jenseits des Festmahls gerettet«. Und »sie haben den Sinn für die Unentgeltlichkeit verloren, sie haben den Sinn für die Liebe verloren und sie haben etwas noch Größeres und Schöneres verloren, und das ist sehr schlimm: sie haben die Fähigkeit verloren, sich geliebt zu fühlen«. Und »wenn du die Fähigkeit verlierst – ich sage nicht: die Fähigkeit, zu lieben, denn diese kann man wiedererlangen –, wenn du die Fähigkeit verlierst, dich geliebt zu fühlen, dann ist da keine Hoffnung, dann hast du alles verloren«.

Im Übrigen, so der Papst abschließend, »lässt uns dies an die Inschrift auf dem Tor zur Hölle Dantes denken: ›Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren ‹: du hast alles verloren«. Unsererseits müssen wir dagegen auf diesen Hausherrn blicken, der will, dass sein Haus sich füllt: Er liebt so sehr, dass er in seiner Unentgeltlichkeit will, dass das Haus voll wird.« Und so »wollen wir den Herrn bitten, dass er uns davor bewahrt, die Fähigkeit zu verlieren, uns geliebt zu fühlen«.

 

 



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