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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Die Erinnerung bewahren

Donnerstag, 7. März 2018

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»Zu Beginn der Fastenzeit wird es uns allen gut tun, um die Gnade zu bitten, die Erinnerung an all das zu bewahren, was der Herr in meinem Leben getan hat: wie er mich gern gehabt hat, wie er mich geliebt hat«, so die Anregung von Papst Franziskus in der Predigt vom 7. März. Er warnte zum einen davor, dem Götzendienst des »Feuerwerks« der bequemen Entscheidungen zu verfallen, und zum anderen vor dem auch geistlichen Wohlbefinden, das einen den Herrn vergessen lasse.

Die erste Lesung aus dem Buch Deuteronomium (30,15-20) »ist ein Teil der Rede, die Mose vor dem Volk hielt, um es darauf vorzubereiten, das ihm vom Herrn verheißene Land zu betreten «. »Das Buch Deuteronomium enthält am Ende diese Vorbereitung und stellt uns heute vor eine Herausforderung und auch vor eine Entscheidung. Wähle: Leben oder Tod.« Franziskus rief in Erinnerung: »Mose zufolge sind wir es, die wählen müssen.« Und dies »ist ein Aufruf an unsere Freiheit. Das konfrontiert uns mit unserer Freiheit: Ich bin frei, das Leben oder den Tod zu wählen.«

»Der biblische Text«, fuhr der Papst fort, präsentiere »am Anfang drei Schlüsselworte: ›Aber wenn sich dein Herz abwendet‹ – das erste Wort – ›und wenn du nicht hörst‹ – das zweite Wort – ›und dich verführen lässt, dich vor anderen Göttern niederwirfst‹ – drittes Wort.« Wenn sich, erklärte der Papst, »dein Herz abwendet, wenn es einen Weg nimmt, der nicht der richtige ist – sowohl rückwärts als auch einen anderen Weg, doch es geht nicht den richtigen Weg –, dann verliert es die Orientierung, verliert seinen Kompass, mit dem es sich vorwärts bewegen muss«. Und »ein Herz ohne Kompass ist eine öffentliche Gefahr: es ist eine Gefahr für die eigene Person und für die anderen«. Im Übrigen: »Ein Herz nimmt diesen falschen Weg, wenn es nicht hört, wenn es sich von den Göttern mitreißen, tragen lässt, wenn es zum Götzenanbeter wird.«

»Wir sind unfähig zu hören«, so der Papst. »Es gibt so viele seelisch Gehörlose. Auch wir werden irgendwann in der Seele taub, wir hören nicht auf den Herrn.« Und »dann gibt es die ›Feuerwerke‹, die unsere Aufmerksamkeit wecken, die falschen Götter, die dich zu einem Götzendienst rufen, nicht wahr? Das ist die Gefahr auf dem Weg zum Land, das uns allen verheißen wurde: dem Land der Begegnung mit dem auferstandenen Christus.«

»Die Fastenzeit hilft uns, diesen Weg zu gehen«, rief der Papst in Erinnerung. Denn »nicht auf den Herrn und die Verheißungen zu hören, die er uns gegeben hat, heißt, unser Gedächtnis zu verlieren«. Und er betonte: »Das ist eine sehr wichtige Sache, wenn wir die Erinnerung an die großen Dinge verlieren, die der Herr in unserem Leben getan hat, die er in seiner Kirche, in seinem Volk getan hat, und wir uns daran gewöhnen, mit unserer Kraft, mit unserer Selbstgenügsamkeit voranzugehen.« Aus diesem Grund »ist die Fas tenzeit wichtig, um die Gnade der Erinnerung zu erbitten: ›Herr, lass mich nicht mein Gedächtnis verlieren! Mach, dass ich hören kann!‹«

Franziskus wies auf die Worte des Mose an sein Volk hin, die eine Aufforderung seien, den Weg, den es der Herr habe gehen lassen, nie zu vergessen, und warnte vor der folgenden »Gefahr: Wenn es uns gut geht, wenn wir alles in Reichweite haben, wenn es uns geistlich gut geht, dann besteht die Gefahr, die Erinnerung an den Weg zu verlieren.«

Das sei die Bedeutung der Worte: »›Schau zurück – nicht ›Geh zurück‹! – auf den Weg, den du zurückgelegt hast.‹« Denn »das Wohlbefinden, auch das geistliche Wohlbefinden, birgt die Gefahr, in eine gewisse Amnesie zu geraten, einen Gedächtnisverlust: Mir geht es gut so und ich vergesse, was der Herr in meinem Leben getan hat, alle Gnaden, die er uns geschenkt hat, und ich glaube, es ist mein Verdienst, und ich mache so weiter.« Dies sei der Augenblick, in dem »das Herz zurückzugehen beginnt, weil es nicht auf die Stimme des eigenen Herzens hört: die Erinnerung «. Das sei »die Gnade der Erinnerung«. »Im Hebräerbrief gibt es eine weitere Stelle, die demselben Muster zu folgen scheint«, betonte der Papst und zitierte Worte: »Erinnere dich an die ersten Tage, an den glühenden Eifer der ersten Tage!« Denn »als wir auf dem Weg des Evangeliums, dem Weg Jesu, zu gehen begannen, waren wir immer voller Freude«. Daher die Aufforderung, »sich zu erinnern, weil es sehr häufig vorkommt, das Gedächtnis zu verlieren«.

»Das Volk Israel«, so Franziskus weiter, »hat das Gedächtnis auch verloren, weil an diesem Vergessen etwas Selektives ist: Ich erinnere mich an das, was jetzt das Beste für mich ist, und ich erinnere mich nicht an das, was mich bedroht.« Zum Beispiel »erinnerte sich das Volk in der Wüste, dass Gott es gerettet hatte – es konnte dies nicht vergessen –, aber es begann, sich zu beklagen – wir haben kein Wasser, wir haben kein Fleisch, wir haben keinen Weizen – und an die Dinge zu denken, die es in Ägypten hatte: Dort hatten wir so viele gute Dinge, die Zwiebeln, die Dinge, die wir gegessen haben.« Aber das ist eine »selektive Erinnerung: Sie vergessen, dass sie all diese Dinge am Tisch der Sklaverei aßen!« »Die Erinnerung«, unterstrich der Papst erneut, »bringt uns auf den richtigen Weg: Sich erinnern, um weiterzugehen. Die Geschichte nicht verlieren: die Geschichte des Heils, die Geschichte meines Lebens, die Geschichte Jesu mit mir.« Und so »immer weitergehen, nicht stehen bleiben, nicht zurückgehen, uns nicht von Götzen mitreißen lassen«. Er erklärte: »Götzendienst heißt nicht nur, in einen heidnischen Tempel zu gehen und eine Statue anzubeten. Nein, der Götzendienst ist eine Haltung des Herzens, wenn du etwas vorziehst, weil es bequemer für dich ist, und nicht den Herrn, weil du den Herrn vergessen hast.«

»Zu Beginn der Fastenzeit«, so die Anregung des Papstes, »wird es uns allen gut tun, um die Gnade zu bitten, unser Gedächtnis zu bewahren, die Erinnerung an alles, was der Herr in meinem Leben getan hat: wie er mich gern gehabt hat, wie er mich geliebt hat«, und gerade »aus dieser Erinnerung heraus weiterzugehen«. Dann »wird es uns auch gut tun, stets den Rat des Paulus an Timotheus, seinen geliebten Jünger, zu wiederholen: ›Erinnere dich an den von den Toten auferstandenen Jesus Christus.‹ Ich wiederhole: ›Erinnere dich an den auferstandenen Jesus Christus.‹ Erinnere dich an Jesus, an Jesus, der mich bis hierher begleitet hat und der mich bis zu jenem Augenblick leiten wird, in dem ich vor ihm, dem Verherrlichten, erscheinen muss.« In diesem Sinne »möge der Herr uns diese Gnade schenken, die Erinnerung zu bewahren«.

 



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