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JOHANNES PAUL II.

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 28. Februar 200
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1.  »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht!« (Hebr 4,7). 

Im unserem Geist erklingt diese Einladung der Liturgie, während heute, am Aschermittwoch, der Weg der Fastenzeit beginnt. Er wird uns zum österlichen Triduum führen, zum lebendigen Gedenken an das Leiden, den Tod und die Auferstehung des Herrn, dem Mittelpunkt des Geheimnisses unseres Heils. 

Die heilige Fastenzeit, die seit jeher im Bewußtsein des Christenvolkes so tief verwurzelt ist, erinnert an biblische Ereignisse, wie etwa an die vierzig Tage der Sintflut, die Vorzeichen des Bündnisses war, das Gott mit Noach besiegelte; an die vierzig Jahre der Pilgerreise des Volkes Israel durch die Wüste ins Gelobte Land; an den vierzigtägigen Aufenthalt des Mose auf dem Berg Sinai, wo er von Jahwe die Gesetzestafeln empfing. Die Fastenzeit lädt uns vor allem ein, mit Jesus die vierzig Tage wiederzuerleben, die er betend und fastend in der Wüste verbrachte, bevor sein öffentliches Wirken begann, das auf dem Kalvarienberg mit dem Kreuzesopfer, als endgültigem Sieg über Sünde und Tod, seinen Höhepunkt finden wird.  

2. »Bedenke, Mensch, daß du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.« Der traditionelle Ritus der Austeilung der Asche, der sich heute wiederholt, ist immer sehr aussagekräftig,  und ebenso eindrucksvoll sind auch die begleitenden Worte. In seiner Einfachheit erinnert er an die Hinfälligkeit des Erdenlebens: Alles vergeht und ist zum Sterben bestimmt. Wir sind Wanderer auf dieser Erde, Wanderer, die ihr wahres und endgültiges Ziel, den Himmel, nicht vergessen dürfen. Zwar sind wir Staub und werden auch zum Staub zurückkehren, aber trotzdem endet damit nicht alles. Der Mensch, geschaffen nach dem Abbild und Gleichnis Gottes, ist für das ewige Leben bestimmt. Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus den Zugang zum ewigen Leben für jeden Menschen geöffnet. 

Die gesamte Liturgie des Aschermittwochs hilft uns, diese grundsätzliche Glaubenswahrheit besser zu erkennen, und spornt uns dazu an, entschlossen den Weg der persönlichen Erneuerung einzuschlagen. Wir müssen unsere Art zu denken und zu handeln ändern, indem wir unseren Blick auf das Antlitz des gekreuzigten Christus richten und sein Evangelium zur täglichen Lebensregel machen. »Kehrt um, und glaubt an das Evangelium«: Das sei unser Programm für die Fastenzeit, während wir in ein Klima gläubigen Hörens auf den Heiligen Geist eintreten.  

3. »Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach« (Mt 26,41). Lassen wir uns von diesen Worten des Herrn leiten – in einer entschiedenen Anstrengung zur Bekehrung und spirituellen Erneuerung. Im alltäglichen Leben läuft man Gefahr, von materiellen Beschäftigungen und Interessen vollständig in Anspruch genommen zu werden. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit für ein Wiedererwachen eines echten Glaubens, eine wohltuende Wiederaufnahme der Beziehung zu Gott und einen großherzigeren Einsatz für das Evangelium. Die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, sind immer dieselben, aber in diesen Wochen müssen wir noch öfter auf sie zurückgreifen: Gebet, Fasten und Buße sowie Almosen, also das Teilen unseres Besitzes mit den Bedürftigen. Es handelt sich um einen individuellen sowie gemeinschaftlichen Weg der Askese, der wegen unseres säkularisierten Umfelds mitunter besonders schwierig erscheint. Gerade deshalb müssen unsere Bemühungen noch stärker und entschlossener sein. 

»Wacht und betet.« Wenn dieses Gebot Christi zu jeder Zeit gültig ist, so erscheint es doch zu Beginn der Fastenzeit noch vielsagender und eindringlicher. Nehmen wir es in demütiger Fügsamkeit auf. Bereiten wir uns, es in konkrete Gesten der Bekehrung und Versöhnung mit unseren Brüdern und Schwestern umzusetzen. Nur auf diese Weise wird der Glauben stärker, die Hoffnung fester und die Liebe zu einem Lebensstil, der den Gläubigen auszeichnet.  

4. Das Ergebnis eines so mutigen asketischen Weges kann nur eine größere Offenheit für die Bedürfnisse des Nächsten sein. Wer den Herrn liebt, darf seine Augen vor Personen und Völkern, die von Leid und Elend heimgesucht werden, nicht verschließen. Wie kann man, wenn man das Antlitz des gekreuzigten Herrn betrachtet hat, ihn nicht in jenen, die in Schmerz und Verlassenheit leben, erkennen und ihm in ihnen dienen? Jesus selbst, der uns auffordert, betend und wachend bei ihm zu bleiben, verlangt auch von uns, ihn in unseren Brüdern zu lieben, und er erinnert uns: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan« (Mt 25,40). Die Frucht einer intensiv gelebten Fastenzeit wird also eine größere und universalere Liebe sein. 

Maria, die uns Vorbild im fügsamen Hören auf die Stimme des Heiligen Geistes ist, leite uns auf dem Weg der Buße, den wir heute beginnen. Sie helfe uns, alle Gelegenheiten wahrzunehmen, die uns die Kirche für eine würdige Vorbereitung auf die Feier des Ostergeheimnisses bietet.  

 


Liebe Schwestern und Brüder!

Memento homo ...! Gedenke, Mensch, daß du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst. Dieses eindringliche Wort wird uns heute zugesprochen. Die Liturgie unterstreicht es noch dadurch, daß dem einzelnen Gläubigen das Aschenkreuz aufgelegt wird.

Dennoch ist mit dem memento homo noch nicht alles gesagt. Die letzte Bestimmung des Menschen ist nicht Asche und Staub auf dieser Erde, sondern Leben und Freude im Himmel. Denn durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen.

Diese Hoffnung ist anspruchsvoll. Sie verlangt, daß wir unser Denken, Fühlen und Handeln von Grund auf ändern. Neben Fasten und Gebet wird auch das Almosengeben genannt. Wenn die Seele sich wieder neu zu Gott erhebt, kann der Christ seine Hände nicht in den Schoß legen. So ist die Fastenzeit auch eine Gelegenheit, Herz und Hand denen zu öffnen, die im Staub dieser Erde ihr Leben fristen müssen.

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Eine gesegnete österliche Bußzeit mit reichen geistlichen Früchten wünsche ich allen Pilgern und Besuchern aus den Ländern deutscher Sprache. Besonders grüße ich die Behindertengruppe aus der Diözese Mainz und die Wallfahrer, die Missio Aachen großzügig unterstützen. Euch, Euren Lieben daheim und allen, die mit uns über Radio Vatikan und das Fernsehen verbunden sind, erteile ich gern den Apostolischen Segen.

 

Appell für humanitäre Hilfe in Afghanistan:

Eine schwere humanitäre Notlage zeichnet sich in Afghanistan ab. Es erreichen uns alarmierende Nachrichten über unzählige Opfer unter den Evakuierten aufgrund der Trockenheit und des Bürgerkrieges. Tausende von Personen sind in Gefahr, an Hunger und Kälte zu sterben, insbesondere die Kinder, Kranken und alten Menschen. Ich bringe meine tiefe Wertschätzung zum Ausdruck für die Anstrengungen der humanitären Organisationen, die sich bemühen, dem afghanischen Volk die dringend benötigte Hilfe zukommen zu lassen. Während ich die internationale Gemeinschaft dazu aufrufe, diese tragische Situation nicht zu vergessen, äußere ich den Wunsch, daß die gegeneinander kämpfenden Parteien in diesem zu lange dauernden blutigen Krieg einen sofortigen Waffenstillstand erwirken mögen, damit die Hilfsleistungen die am meisten gefährdeten Gebiete rechtzeitig erreichen können.

 



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