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ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.
AN FRAU VIVIANE FOCK TAVE, 
NEUE BOTSCHAFTERIN DER  REPUBLIK SEYCHELLEN
BEIM HEILIGEN STUHL

Sala Clementina
Donnerstag, 16. Dezember
2010

 

Sehr geehrte Frau Botschafterin!

Mit Freude empfange ich Sie heute morgen aus Anlaß der Überreichung des Schreibens, mit dem Sie als außerordentliche und bevollmächtigte Botschafterin der Republik Seychellen beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden. Ich danke Ihnen, daß Sie mir die Grüße Seiner Exzellenz Herrn James Alix Michel, Präsident der Republik, überbracht haben, den ich während seines jüngsten Besuches beim Heiligen Stuhl zu empfangen die Ehre hatte. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie ihm meine Dankbarkeit für die während unserer Begegnung bekundete Herzlichkeit zum Ausdruck bringen. Durch Sie grüße ich ebenso die Autoritäten, die verschiedenen politischen Verantwortlichen und das ganze Volk der Seychellen.

Ihr Land macht weiter Fortschritte und erstarkt auf dem Weg des Friedens, des Wohlstands und der Stabilität. Dies ist zweifellos das Ergebnis beharrlicher Anstrengungen und des hochherzigen Beitrags aller politischen und gesellschaftlichen Kreise, der öffentlichen und privaten Bereiche. Ich freue mich darüber, die Regierung und das Volk der Seychellen dazu zu beglückwünschen, daß sie die Herausforderung der weltweiten Wirtschaftskrise überwunden haben, wie man es am Wiederaufleben des Tourismus und der ausländischen Direktinvestitionen, an einer Erholung der nationalen Wirtschaft feststellen kann, während gleichzeitig ein für den Schuldenabbau und die vorrangigen Ausgaben günstiger Budgetrahmen geschaffen wird. Die Liberalisierung der Wirtschaft ist jedoch, auch wenn sie die sozialen Errungenschaften bewahrt, eine Veränderung, die einen tiefgreifenden Mentalitätswandel mit sich bringt: Es geht also darum, diese Entwicklung zu begleiten, um den nicht immer rechtzeitig kontrollierbaren Auswirkungen zuvorzukommen, indem man eine notwendige ethische Basis schafft und die Karte der Verantwortung ausspielt. »Alle haben das Recht, am Wirtschaftsleben teilzunehmen, und die Pflicht, ihren Fähigkeiten entsprechend zum Fortschritt ihres eigenen Landes und der ganzen Menschheitsfamilie beizutragen« (Kompendium der Soziallehre der Kirche, 333).

Die Planung der Wirtschaftsentwicklung muß auch sorgfältig darauf achten, daß die Unversehrtheit und der Rhythmus der Natur respektiert werden, denn die natürlichen Ressourcen sind begrenzt und manche sind nicht erneuerbar. Die Lösung des Umweltproblems erfordert, daß die Wirtschaft mehr Rücksicht auf die Umwelt nimmt, indem sie ihre Anforderungen mit jenen des Umweltschutzes in Einklang bringt, »mit dem Ziel, den Bund zwischen Mensch und Umwelt zu stärken« (Caritas in veritate, 50). In diesem Bereich anerkenne ich besonders die Initiative Ihrer Regierung, das Korallenriff wiederherzustellen und zu schützen. Es ist der erste Schutzwall gegen das Ansteigen des Meeresspiegels und bleibt zudem ein wichtiger Standort für die Fischzucht, die der Hauptlieferant für den Proteinbedarf des Landes ist. Es ist daher dringend notwendig, daß sowohl die Konsumenten als auch die Betreiber von Industrieunternehmen in ihrem Verhalten eine größere Verantwortlichkeit entwickeln.

Um dieses Verantwortungsbewußtsein aller wachsen zu lassen, ist auch eine aktive und wirksame Zusammenarbeit für die Achtung und den Schutz der Menschenwürde unverzichtbar angesichts jeglichen Versuchs, verkürzte und entstellte Vorstellungen von ihr zu verbreiten, oder angesichts einer Instrumentalisierung jedes Menschen. Der internationale Tourismus, der einen beträchtlichen Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung und das kulturelle Wachstum darstellt, kann sich aber auch in eine Gelegenheit zu Ausbeutung und moralischem Verfall verwandeln (vgl. Caritas in veritate, 61). Allein die Anerkennung der menschlichen Würde ermöglicht das gemeinsame und persönliche Wachstum aller (vgl. Jak 2,1–9).

Um eine solche gesamtmenschliche Entwicklung zu fördern und auch die Solidarität zwischen den Generationen zu stärken, muß unbedingt die Familie geschützt werden. Der vom Staat und von der Gesellschaft geförderten und unterstützten Familie kommt eine ganz ursprüngliche und  unersetzliche Rolle in der Erziehung der Kinder zu. Mit der Familie wird Ihre Nation ihre Zukunft weiterhin dadurch aufbauen, daß sie ihren jungen Generationen eine angemessene Ausbildung bietet, die in der Lage sein soll, die Grenzen zu überwinden, in denen sie sich mitunter verschließen möchten, und ihnen die konkreten Mittel gibt, um gegen die sozialen Übel, besonders die Arbeitslosigkeit und die Droge, zu kämpfen. Unter diesem Gesichtspunkt hebe ich die Anstrengungen hervor, die seit längerem vollbracht werden, um ein anspruchsvolles Erziehungssystem bereitzustellen, und ermutige noch einmal eindringlich dazu. Notwendig ist auch die Unterstützung der Ärmsten und der Kampf gegen die Korruption, indem zwischen den verschiedenen sozialen Klassen eine objektive Gleichheit vor dem Gesetz garantiert wird.

Die Ortskirche möchte ihrerseits zugunsten Ihrer Nation weiterhin einen besonderen Beitrag leisten sowie auch die Familie, die Erziehung und die Ausbildung der Jugendlichen und die gesamtmenschliche Entwicklung jedes einzelnen unterstützen. Eine solche Entwicklung umfaßt ein geistliches und nicht nur materielles Wachstum, dessen Orientierungskriterium sich in der tätigen Kraft der Liebe in der Wahrheit findet (vgl. Caritas in veritate, 76.77). Das geistige Suchen, das das Herz der Bewohner der Seychellen beherrscht, findet in Christus seinen Sinn und seine Fülle; es dynamisiert die ganze Gesellschaft mit der Fähigkeit, die Kraft der Versöhnung einzuflößen, um die Gerechtigkeit, die Brüderlichkeit zu fördern und Wohlstand und Frieden aufzubauen. Aus dieser Sicht ermutige ich Sie zur Fortsetzung dieser Zusammenarbeit und möchte durch Sie den Bischof von Port-Victoria und seine Mitarbeiter sowie auch alle katholischen Gläubigen in Ihrem Land herzlich grüßen.

Während Sie Ihre vornehme Mission der Vertretung beim Heiligen Stuhl antreten, möchte ich noch einmal meine Befriedigung über die ausgezeichneten Beziehungen zwischen der Republik Seychellen und dem Heiligen Stuhl zum Ausdruck bringen. Ich spreche Ihnen, Frau Botschafterin, meine besten Wünsche für eine gute Erfüllung Ihrer Mission aus. Seien Sie gewiß, daß Sie bei meinen Mitarbeitern immer die Offenheit und das Verständnis finden werden, das Sie brauchen können. Auf Sie, Exzellenz, auf Ihre Familie und auf Ihre Mitarbeiter sowie auf das geliebte Volk der Seychellen und auf seine Führer rufe ich von ganzem Herzen die Fülle der göttlichen Segnungen herab.

 

© Copyright 2010 - Libreria Editrice Vaticana

       



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