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PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Petersplatz
Sonntag, 30. Juni 2013

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Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Das Evangelium des heutigen Sonntags (Lk 9,51.62) zeigt einen sehr wichtigen Abschnitt im Leben Christi: den Augenblick, in dem – wie der hl. Lukas schreibt – »Jesus sich entschloss, nach Jerusalem zu gehen« (9,51). Jerusalem ist das endgültige Ziel, wo Jesus bei seinem letzten Pascha sterben und auferstehen und so seine Sendung des Heils zur Erfüllung bringen muss.

Von jenem Augenblick an, nach jenem »festen Entschluss«, geht Jesus geradewegs auf das Ziel zu, und erklärt auch den Menschen, denen er begegnet und die ihn bitten, ihm nachzufolgen, deutlich, was seine Bedingungen sind: keinen festen Wohnsitz haben; sich von den menschlichen Banden der Zuneigung lösen können; nicht der Nostalgie nach Vergangenem nachgeben. Doch Jesus sagt auch zu seinen Jüngern, die den Auftrag haben, ihm auf dem Weg nach Jerusalem voranzugehen, um sein Kommen anzukündigen, dass sie nichts aufbürden sollen: wo sie keine Bereitschaft finden, ihn aufzunehmen, sollen sie weitergehen, vorangehen. Jesus erzwingt niemals etwas, Jesus ist demütig, Jesus lädt ein. Wenn du willst, dann komm. Die Demut Jesu ist so: er lädt immer ein, er zwingt zu nichts.

All dies regt uns zum Nachdenken an. Zum Beispiel zeigt es uns, wie wichtig auch für Jesus das Gewissen war: in seinem Herzen auf die Stimme des Vaters zu hören und ihr zu folgen. In seinem irdischen Leben war Jesus nicht sozusagen »ferngesteuert«: er war das fleischgewordene Wort, der menschgewordene Sohn Gottes, und an einem gewissen Punkt fasste er den festen Entschluss, ein letztes Mal nach Jerusalem hinaufzusteigen; einen Entschluss, den er in seinem Gewissen fasste, aber nicht allein: zusammen mit dem Vater, in voller Einheit mit ihm! Er hat in Gehorsam gegenüber dem Vater entschieden, in tiefem, innigem Hören auf seinen Willen. Und deshalb handelte es sich um einen festen Entschluss, da er gemeinsam mit dem Vater gefasst wurde. Und im Vater fand Jesus die Kraft und das Licht für seinen Weg.

Und Jesus war frei, bei jener Entscheidung war er frei. Jesus will uns Christen frei wie er es war, mit jener Freiheit, die diesem Dialog mit dem Vater entspringt, diesem Dialog mit Gott. Jesus will weder egoistische Christen, die dem eigenen Ich folgen, nicht mit Gott sprechen; noch schwache Christen, Christen, die keinen Willen haben, »ferngesteuerte Christen«, die unfähig sind zur Kreativität, die immer versuchen, sich an den Willen eines anderen zu binden und nicht frei sind. Jesus will uns frei – und wo verwirklicht man diese Freiheit? Man verwirklicht sie im eigenen Gewissen im Dialog mit Gott. Wenn ein Christ nicht mit Gott zu sprechen weiß, dann kann er Gott nicht im Gewissen spüren, er ist nicht frei, er ist nicht frei.

Daher müssen wir lernen, mehr auf unser Gewissen zu hören. Doch Vorsicht! Das bedeutet nicht, dem eigenen Ich zu folgen, das zu tun, was mich interessiert, was für mich von Vorteil ist, was mir gefällt … Darum geht es nicht! Das Gewissen ist der innere Ort, wo wir auf die Wahrheit hören, auf das Gute, auf Gott; es ist der innere Ort meiner Beziehung mit ihm, der zu meinem Herzen spricht und mir dabei hilft, zu unterscheiden, den Weg zu verstehen, den ich einschlagen muss, und wenn der Entschluss einmal gefasst ist, vorwärtszugehen, treu zu bleiben.

Wir haben ein wunderbares Beispiel dafür gehabt, wie diese Beziehung mit Gott im Gewissen ist, ein wunderbares Beispiel aus der jüngsten Zeit. Papst Benedikt XVI. hat uns dieses große Beispiel gegeben, als ihn der Herr im Gebet hat verstehen lassen, welchen Schritt er tun musste. Er ist mit großem Sinn für Unterscheidung und mutig seinem Gewissen gefolgt, also dem Willen Gottes, der zu seinem Herzen sprach. Und dieses Beispiel unseres Vaters tut uns allen so gut, als Beispiel, dem es zu folgen gilt.

Die Gottesmutter hörte und betrachtete in ihrem Innersten mit großer Einfachheit das Wort Gottes und das, was Jesus widerfuhr. Sie folgte ihrem Sohn mit innigster Überzeugung, mit fester Hoffnung. Maria helfe uns, immer mehr Männer und Frauen des Gewissens zu werden, frei im Gewissen, denn der Dialog mit Gott geschieht im Gewissen; Männer und Frauen, die fähig sind, die Stimme Gottes zu hören und ihr entschlossen zu folgen.


Nach dem Angelusgebet:

Liebe Brüder und Schwestern,

heute wird in Italien der Tag der Nächstenliebe des Papstes begangen. Ich möchte den Bischöfen und allen Pfarreien, besonders den ärmeren, für ihre Gebete und die Opfer danken, die so viele pastorale und karitative Initiativen des Nachfolgers Petri überall auf der Welt tragen. Danke an alle!

Ich grüße herzlich alle anwesenden Pilger, besonders die zahlreichen Gläubigen, die aus Deutschland gekommen sind. Ich grüße auch die Pilger aus Madrid, Augsburg, Sonnino Casarano, Lenola, Sambucetole und Montegranaro; die Gruppe von Dominikanerlaien, die apostolische Bruderschaft der Göttlichen Barmherzigkeit von Piazza Armerina, die Freunde der Missionen des Kostbarsten Blutes, die Unitalsi von Ischia di Castro und die Kinder aus Latisana. Ich bitte euch, für mich zu beten. Allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!

 




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