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PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Petersplatz
5. Fastenzeitsonntag, 6. April 2014

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Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Das Evangelium des heutigen fünften Sonntags der Fastenzeit berichtet uns von der Auferweckung des Lazarus. Diese bildet den Höhepunkt der wunderbaren »Zeichen«, die Jesus vollbracht hat: sie ist eine zu große, eine zu eindeutig göttliche Geste, um von den Hohenpriestern toleriert werden zu können, die, nachdem sie davon erfahren hatten, entschlossen waren, Jesus zu töten (vgl. Joh 11,53).

Lazarus war bereits seit drei Tagen tot, als Jesus ankam; und er sprach zu den Schwestern Marta und Maria Worte, die sich für immer in das Gedächtnis der christlichen Gemeinde eingeprägt haben. Jesus sagt: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben« (Joh 11,25-26). Auf dieses Wort des Herrn hin glauben wir, dass das Leben dessen, der an Jesus glaubt und seinem Gebot folgt, nach dem Tod in ein neues, erfülltes und unsterbliches Leben verwandelt werden wird. Wie Jesus mit seinem Leib auferstanden, aber nicht in ein irdisches Leben zurückgekehrt ist, so werden wir mit unserem Leib auferstehen, der in einen glorreichen Leib verklärt werden wird. Er erwartet uns beim Vater, und die Kraft des Heiligen Geistes, der ihn auferweckt hat, wird auch den auferwecken, der mit ihm vereint ist.

Vor dem versiegelten Grab des Freundes Lazarus »rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt« (V. 43-44). Dieser gebietende Ruf gilt jedem Menschen, da wir alle vom Tod gezeichnet sind, wir alle; es ist die Stimme dessen, der der Herr des Lebens ist und will, dass alle »es in Fülle haben« (Joh 10,10). Christus findet sich nicht mit den Gräbern ab, die wir uns mit unseren Entscheidungen für das Böse und den Tod, mit unseren Fehlern, mit unseren Sünden geschaffen haben. Er findet sich damit nicht ab! Er lädt uns ein, ja fast befiehlt er uns, aus dem Grab herauszukommen, in das unsere Sünden uns haben sinken lassen. Er ruft uns eindringlich, aus der Finsternis des Gefängnisses herauszutreten, in das wir uns eingeschlossen haben, weil wir uns mit einem falschen, egoistischen, mittelmäßigen Leben begnügt haben. »Komm heraus!«, sagt er uns, »Komm heraus«! Das ist eine schöne Einladung zur wahren Freiheit, eine Einladung, sich von diesen Worten Jesu ergreifen zu lassen, die er heute einem jeden von uns wiederholt. Eine Einladung, uns von den »Binden« befreien zu lassen, von den Binden des Stolzes.

Denn der Stolz macht uns zu Sklaven, zu Sklaven unserer selbst, zu Sklaven so vieler Götzen, so vieler Dinge. Unsere Auferstehung beginnt hier: wenn wir uns entscheiden, diesem Befehl Jesu zu gehorchen und ans Licht, ins Leben hinauszugehen; wenn von unserem Gesicht die Masken abfallen – viele Male tragen wir die Maske der Sünde, die Masken müssen fallen! – und wir neu den Mut unseres ursprünglichen Gesichts finden, das nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde.

Die Geste Jesu, der Lazarus auferweckt, zeigt, wie weit die Kraft der Gnade Gottes gehen kann, und somit bis wohin unsere Umkehr, unsere Veränderung reichen kann. Doch hört gut zu: die allen angebotene göttliche Barmherzigkeit kennt keine Grenzen! Die allen angebotene göttliche Barmherzigkeit kennt keine Grenzen! Behaltet diesen Satz gut im Gedächtnis. Und wir können es alle gemeinsam wiederholen: »Die allen angebotene göttliche Barmherzigkeit kennt keine Grenzen.« Sagen wir es zusammen: »Die allen angebotene göttliche Barmherzigkeit kennt keine Grenzen.« Der Herr ist immer bereit, den Grabstein unserer Sünden wegzuheben, der uns von ihm, dem Licht der Lebenden, trennt.


Nach dem Angelusgebet:

Liebe Brüder und Schwestern! Morgen wird in Ruanda das Gedächtnis des 20. Jahrestages des Beginns des Völkermords begangen, der im Jahr 1994 gegen die Tutsi verübt wurde. Aus diesem Anlass möchte ich dem ruandischen Volk meine väterliche Nähe zum Ausdruck bringen und es ermutigen, entschlossen und voller Hoffnung den Prozess der Aussöhnung, der schon Früchte gezeigt hat, sowie den Einsatz für einen menschlichen und geistlichen Wiederaufbau des Landes fortzusetzen. Zu allen sage ich: Habt keine Angst! Errichtet eure Gesellschaft auf dem Felsen des Evangeliums, in Liebe und in Eintracht, da nur so ein dauerhafter Friede geschaffen wird! Ich erbitte für die ganze geliebte Nation Ruanda den mütterlichen Schutz Unserer Lieben Frau von Kibeho. Voll Zuneigung denke ich an die Bischöfe von Ruanda, die vergangene Woche hier im Vatikan waren. Und euch alle lade ich ein, jetzt zur Gottesmutter zu beten, zu Unserer Lieben Frau von Kibeho.

[Gebet des Gegrüßet seist du, Maria] Ich grüße alle hier anwesenden Pilger, besonders die Teilnehmer am Kongress der Bewegung für den Einsatz in der Bildung der Katholischen Aktion Italiens. In Bildung investieren heißt, in Hoffnung investieren! Ich grüße die Gläubigen aus Madrid und Menorca; jene aus dem Bistum Concordia-Pordenone; die brasilianische Gruppe »Fraternidade e tráfico humano«; die Schüler aus Kanada, Australien, Belgien und jene aus Cartagena-Murcia; die Gebirgsjäger aus Como und Rom. Ich grüße die Gruppe von Kindern, die die Firmung empfangen haben oder sich darauf vorbereiten, die Jugendlichen aus verschiedenen Pfarreien und die zahlreichen Schüler.

Es sind genau fünf Jahre seit dem Erdbeben vergangen, das L’Aquila und sein Territorium betroffen hat. In diesem Moment wollen wir uns jener Gemeinschaft anschließen, die so viel gelitten hat, die noch immer leidet, kämpft und hofft, mit viel Vertrauen auf Gott und die Gottesmutter. Wir wollen für alle Opfer beten: dass sie für immer im Frieden des Herrn leben. Und beten wir für den Weg der Auferstehung der Bevölkerung von L’Aquila: die Solidarität und die geistliche Neugeburt mögen die Kraft für den materiellen Wiederaufbau sein. Wir wollen auch für die Opfer des Ebola-Virus beten, der sich in Guinea und in den angrenzenden Ländern verbreitet hat. Der Herr unterstütze die Bemühungen, diesen Anfang einer Epidemie zu bekämpfen und für alle Bedürftigen Betreuung und Hilfe sicherzustellen.

Und jetzt noch eine einfache Geste für euch. An den vergangenen Sonntagen habe ich euch allen geraten, euch ein kleines Evangelienbuch zu besorgen, um es während des Tages bei sich zu haben, um häufig darin lesen zu können. Dann ist mir die alte Tradition der Kirche während der Fastenzeit in den Sinn gekommen, den Katechumenen, die sich auf die Taufe vorbereiten, das Evangelium zu überreichen. So möchte ich heute euch, die ihr hier auf dem Platz seid – aber als Zeichen für alle – ein Evangelium im Taschenformat schenken [der Papst zeigt das Taschenbuch]. Es wird kostenlos unter euch verteilt werden. Auf dem Platz sind einige Stellen, an denen sie verteilt werden. Ich sehe sie dort, dort, dort… Geht zu diesen Stellen und holt euch das Evangelium. Nehmt es, tragt es bei euch, und lest jeden Tag darin: es ist Jesus, der dort zu euch spricht! Es ist das Wort Jesu: das ist das Wort Jesu! Und wie er sage ich euch: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben, gebt die Botschaft des Evangeliums weiter! Aber vielleicht glaubt da einer unter euch nicht, dass das umsonst ist. »Wie viel kostet das? Was muss ich zahlen, Pater?« Machen wir es so: setzt als Gegenleistung für dieses Geschenk einen Akt der Nächstenliebe, eine Geste unentgeltlicher Liebe, ein Gebet für die Feinde, eine Aussöhnung, irgendetwas…

Heute kann man das Evangelium auch auf vielen technologischen Geräten lesen. Man kann die ganze Bibel in einem Handy, in einem Tablet mit sich tragen. Das Wichtige ist, das Wort Gottes zu lesen, mit allen Mitteln, doch das Wort Gottes zu lesen: es ist Jesus, der dort zu uns spricht! Und es offenen Herzens aufnehmen. So wird der gute Same Frucht tragen. Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und eine gesegnete Mahlzeit! Auf Wiedersehen!

 



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