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PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Petersplatz
Sonntag, 6. Juli 2014

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Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Im Evangelium des heutigen Sonntags finden wir die Einladung Jesu. Sie lautet so: »Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen« (Mt 11,28). Als Jesus das sagt, hat er die Menschen vor Augen, denen er jeden Tag auf den Straßen Galiläas begegnet: viele einfache Leute, Arme, Kranke, Sünder, Ausgegrenzte… Diese Leute sind ihm immer nachgelaufen, um sein Wort zu hören – ein Wort, das Hoffnung schenkte! Die Worte Jesu schenken immer Hoffnung! – und sie kamen auch, um nur einen Zipfel seines Gewandes zu berühren. Jesus selbst suchte diese Menschenmengen, die müde und erschöpft waren wie Schafe ohne Hirten (vgl. Mt 9,35-36), und er suchte sie, um ihnen das Reich Gottes zu verkünden und viele an Leib und Geist zu heilen. Jetzt ruft er sie alle zu sich: »Kommt zu mir«, und er verspricht ihnen Erleichterung und Ruhe.

Diese Einladung Jesu ergeht bis in unsere Tage hinein, um die vielen Brüder und Schwestern zu erreichen, die von prekären Lebensumständen, von schwierigen existentiellen Situationen erdrückt werden, denen es bisweilen an echten Bezugspunkten mangelt. In den ärmeren Ländern, aber auch in den Randgebieten der reicheren Länder finden sich viele Menschen, die unter der unerträglichen Last der Verlassenheit und der Gleichgültigkeit müde und erschöpft sind. Die Gleichgültigkeit: wie sehr schadet doch den Bedürftigen die menschliche Gleichgültigkeit! Und schlimmer: die Gleichgültigkeit der Christen! An den Rändern der Gesellschaft gibt es viele Männer und Frauen, die von Armut, aber auch von fehlender Zufriedenheit im Leben und Frustration geprüft sind.

Viele sind gezwungen, aus ihrer Heimat auszuwandern, und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel. Noch mehr tragen Tag für Tag die Last eines Wirtschaftssystems, das den Menschen ausbeutet, ihm ein unerträgliches »Joch« aufbürdet, das die wenigen Privilegierten nicht tragen wollen. Einem jeden dieser Kinder des Vaters im Himmel wiederholt Jesus: »Kommt alle zu mir.« Doch er sagte es auch zu denen, die alles besitzen, deren Herz aber leer und ohne Gott ist. Auch an sie richtet Jesus seine Einladung: »Kommt zu mir.« Die Einladung Jesu ist für alle. Doch in besonderer Weise für jene, die am meisten leiden. Jesus verspricht, allen Ruhe zu verschaffen, doch er richtet an uns auch eine Aufforderung, die wie ein Gebot ist: »Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig« (Mt 11,29). Das »Joch« des Herrn besteht darin, sich der Last der anderen mit brüderlicher Liebe anzunehmen. Wenn wir einmal die Ruhe und den Trost Christi empfangen haben, sind wir unsererseits berufen, in der Nachfolge des Meisters mit gütigen und demütigen Haltungen zu Ruhe und Trost für die Brüder und Schwestern zu werden. Die Güte und die Demut des Herzens helfen uns nicht nur, uns der Last der anderen anzunehmen, sondern auch, ihnen mit unseren persönlichen Ansichten, mit unseren Urteilen, mit unseren Kritiken oder mit unserer Gleichgültigkeit nicht zur Last zu werden.

Wir wollen die allerseligste Maria anrufen, die unter ihrem Schutzmantel alle müden und erschöpften Menschen aufnimmt, damit wir durch einen erleuchteten, im Leben bezeugten Glauben für all jene Erleichterung bringen, die der Hilfe, der Zärtlichkeit, der Hoffnung bedürfen.


Nach dem Angelusgebet:

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich grüße euch alle herzlich, Römer und Pilger! Ich grüße die Gläubigen aus der Pfarrei von Salzano im Bistum Treviso, wo der spätere Papst und dann Heilige, Giuseppe Sarto, Pfarrer war, dessen hundertsten Todestag wir begehen. Ich begrüße die Kleinen Missionare der hl. Paola Frassinetti, die Gläubigen aus Melìa und Sambatello (Reggio Calabria), den Kindergarten der Pfarrei von Verdellino, die Gruppe »Brenna 60« sowie die Teilnehmer am Oldtimer-Treffen.

Ich möchte besonders und voller Zuneigung all die tüchtigen Leute des Molise grüßen, die mich gestern in ihrem schönen Land und auch in ihrem Herzen aufgenommen haben. Es war ein warmherziger, freundlicher Empfang: das werde ich nie vergessen! Vielen Dank. Bitte vergesst nicht, für mich zu beten: auch ich tue es für euch. Allen wünsche ich einen schönen Sonntag und eine gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!

 



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