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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 Großherzig sein in Demut

Donnerstag, 25. April 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 18, 3. Mai 2013

 

Großherzigkeit in Demut. Das ist der Lebensstil des Christen, der wirklich Zeuge des Evangeliums bis an die Enden der Erde sein will. Papst Franziskus beschrieb in der mittlerweile zur Gewohnheit gewordenen Frühmesse vom 25. April in der »Domus Sanctae Marthae« einige Merkmale dieser Weise, »Missionare in der Kirche« zu sein.

Unter den Konzelebranten waren Erzbischof Nikola Eterovic, Generalsekretär der Bischofssynode, und der Weihbischof von Buenos Aires, Eduardo Horacio García. An der Eucharistiefeier nahmen an diesem Morgen die Mitarbeiter des Sekretariats der Bischofssynode, Ordensleute und Laien, teil sowie neben zahlreichen Familien eine Gruppe von Gendarmen der Vatikanstadt mit ihrem Kommandanten Domenico Giani. Wie immer kommentierte der Papst die Lesungen des Tages, die am Fest des Evangelisten Markus dem ersten Petrusbrief (5,5–14) und dem Markusevangelium (16,15–20) entnommen waren.

»Jesus sendet vor seiner Himmelfahrt die Apostel aus, um zu evangelisieren, das Reich Gottes zu verkünden. Er sendet sie bis an das Ende der Erde. ›Geht hinaus in die ganze Welt‹«, begann Franziskus, um anschließend die Universalität der Sendung der Kirche zu unterstreichen. Denn Jesus sagte zu den Aposteln nicht, sie sollten nach Jerusalem oder Galiläa gehen, sondern er sende sie in die ganze Welt und eröffne so einen weiten Horizont. Von daher sei die wahre Dimension des missionarischen Wesens der Kirche zu verstehen, die weiter das Evangelium »der ganzen Welt« verkünde. »Aber sie ist nicht allein auf dem Weg, sondern sie geht mit Jesus«, sagte der Papst.

Die Apostel seien also ausgezogen und hätten überall gepredigt. Aber »der Herr handelte gemeinsam mit ihnen. Der Herr wirkt an der Seite all derer, die das Evangelium verkünden. Das ist die Großherzigkeit, die die Christen haben müssen. Einen kleinmütigen Christen versteht man nicht. Diese Großherzigkeit gehört zur christlichen Berufung: immer mehr, immer mehr, immer mehr; immer voran.«

Dennoch, so warnte der Papst, könne auch etwas geschehen, »was nicht sehr christlich ist«. »Wie sollen wir dann weitermachen? Welcher Stil der Verkündigung des Evangeliums, der Mission entspricht dem Willen Jesu?«, fragte sich der Papst. Und er wies auf die Antwort im Petrusbrief hin, wo »dieser Stil etwas erklärt wird: ›Brüder! Begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade‹. Der Stil der Verkündigung des Evangeliums geht in die Richtung dieser Haltung, die Demut, Dienst, Nächstenliebe, brüderliche Liebe ist.« Der Papst wies dann auf den möglichen Einwand eines Christen gegenüber dem Herrn hin, der diesen Stil vorschlägt: »›Aber Herr, wir müssen die Welt erobern!‹« Und er zeigte auf, was an dieser Haltung falsch ist: »Dieses Wort ›erobern‹ ist nicht in Ordnung. Wir müssen in der Welt verkündigen.

Der Christ darf nicht wie die Soldaten sein, die, nachdem sie in einer Schlacht gesiegt haben, Tabula Rasa machen, von allem.« Hierzu bezog sich Papst Franziskus auf einen mittelalterlichen Text, in dem erzählt wird, dass die Christen, nachdem sie eine Schlacht gewonnen und eine Stadt erobert hatten, alle Heiden sich in einer Reihe zwischen dem Baptisterium und dem Schwert aufstellen ließen. So zwangen sie diese zu wählen: entweder das Wasser, das heißt die Taufe, oder die Waffe, das heißt den Tod. Und er erläuterte: »Das ist nicht der Stil des Christen. Sein Stil ist der Stil des demütigen Jesus.« Der Christ, so betonte er, »predigt, verkündet das Evangelium mit seinem Zeugnis mehr als mit Worten. Vor einigen Tagen sagte mir ein kluger Bischof aus Italien: ›Zuweilen bringen wir etwas durcheinander und meinen, dass unsere Verkündigung des Evangeliums ein salus idearum und nicht ein salus animarum sein soll, das Heil der Ideen und nicht das Heil der Seelen.‹ Aber wie erreicht man das Heil der Seelen? Mit der Demut, mit der Liebe. Beim heiligen Thomas steht ein wunderschöner Satz dazu: ›Es ist so wie auf einen unendlichen Horizont zuzugehen, weil er immer ein Horizont bleibt.‹ Wie soll man also in dieser christlichen Haltung vorgehen? Er sagt, dass man keine Angst haben soll vor großen Dingen.

Weitergehen und dabei auch die kleinen Dinge berücksichtigen. Das ist göttlich. Es ist wie eine Spannung zwischen dem Großen und dem Kleinen: beides zusammen, das ist christlich. Christliche Mission, die kirchliche Verkündigung des Evangeliums geht diesen Weg.« Die Bestätigung dafür sei im Markusevangelium zu finden. Der Papst bemerkte dazu: »Anders kann man nicht vorangehen. Und im Evangelium gibt es am Schluss einen sehr schönen Satz, wo es heißt, dass Jesus ihnen beistand und ›die Verkündigung bekräftigte durch die Zeichen, die er geschehen lieߋ. Wenn wir mit diesem Großmut und auch mit dieser Demut vorangehen und vor großen Dingen, vor diesem Horizont nicht zurückschrecken, aber auch die kleinen Dinge annehmen, wie die Demut und die tägliche Nächstenliebe, dann bekräftigt der Herr das Wort Gottes und wir gehen voran. Der Triumph der Kirche ist die Auferstehung Jesu. Davor gibt es das Kreuz.«

Der Papst schloss mit den Worten: »Bitten wir heute den Herrn, Missionare in der Kirche zu werden, Apostel in der Kirche, doch mit diesem Geist: mit außergewöhnlicher Großherzigkeit und auch mit großer Demut.«




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