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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Messe mit den Päpstlichen Nuntien

   Sonntag, 23. Juni 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 27, 5. Juli 2013

 

»Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« Diese Frage Jesu an seine Jünger fordere bis heute das Gewissen der Christen heraus. Und verlange von ihnen keine »unpersönliche« oder intellektuelle Antwort, sondern eine Erwiderung, die »aus dem Herzen« komme. Das war der rote Faden der Predigt in der heiligen Messe, die Papst Franziskus am Sonntag Vormittag, 23. Juni, in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte, gemeinsam mit ca. fünfzig Päpstlichen Vertretern, die in den Vatikan gekommen waren, um an den aus Anlass des Jahres des Glaubens stattfindenden Tagen des Gebets und der Reflexion teilzunehmen. Im Verlauf der Messe sang der Chor des vatikanischen Vikariats unter der Leitung von Maestro Temistocle Capone.

Ausgehend von den Schriftlesungen zum Tage – vor allem vom Abschnitt aus dem Lukasevangelium (9,18–24) – stellte der Heilige Vater den Anwesenden die entscheidende Frage, die Christus den zum gemeinsamen Gebet um ihn versammelten Jüngern gestellt hatte: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« Es handle sich, so merkte er an, um »eine direkt ans Herz gerichtete Frage, eine Frage, die die Antwortenden mit einbezieht, eine Frage, die nicht so sehr die Identität Jesu betrifft, als vielmehr, wem die Herzen derer gehören, die Jesus antworten«. Und der erste, der eine Antwort gegeben habe, die direkt vom Heiligen Geist eingegeben worden sei, sei Petrus gewesen: »Für den Messias Gottes«, also »den Gesalbten des Herrn; den neuen Gesalbten, den wahren Gesalbten, den endgültigen Gesalbten«.

Auch heute noch, sagte der Papst, werde »uns, die wir Apostel und Diener des Herrn sind«, dieselbe Frage gestellt: »Was denkst du über mich?« Jesus »macht das, er macht das oft«. Und wir, so tadelte er, dürften nicht antworten wie »jene, die nicht recht verstehen: ›Du bist der Gesalbte, ja, ich habe es gelesen …‹ Mit Jesus können wir nicht so sprechen wie mit einer Gestalt aus der Geschichte. Jesus steht lebendig vor uns. Diese Frage wird von einem lebendigen Menschen an uns gestellt. Und wir müssen mit dem Herzen antworten.«

Im Verlauf der Kirchengeschichte habe es »viele Apostel gegeben, die es vielleicht nicht fertiggebracht haben, mit dem Herzen zu antworten«. Und die es vorgezogen hätten, über abstrakte oder intellektualistische Fragen zu disputieren. »Aber«, so warnte der Papst, »das ist nicht das, was er fragt. ›Für wen hältst du mich?‹ Immer, wenn Jesus zu uns spricht, steht da dieses ›du‹«.

Wie soll man also auf diese Frage antworten? Der Heilige Vater schlug vor, das Tagesgebet als Ausgangspunkt zu nehmen. Dort, so erinnerte er, »haben wir um eine Gnade gebetet, eine besondere Gnade, die uns dabei hilft, so zu antworten: ›Gewähre es deinem Volke, Vater, immer in der Verehrung und in der Liebe zu deinem heiligen Namen zu leben.‹ Jesus können wir nur antworten »mit der Verehrung und der Liebe zu seinem heiligen Namen. Ist unser Herz ein Herz, das Jesus verehrt, ein Herz, das Jesus liebt? Wir können nur von da aus antworten«; jedwede andere Alternative werde zur Floskel, die »uns nicht mit einbezieht, uns nicht herausfordert«.

Papst Franziskus legte die Betonung auch auf den zweiten Teil des Tagesgebets: » … denn wen du auf den Felsen deiner Liebe gegründet hast, dem lässest du es niemals an deiner Führung fehlen «. Und er kommentierte: »Nie, nie wird es uns an seiner Führung mangeln. Verehrung und Liebe für Seinen heiligen Namen. Und die Gewissheit, dass er uns auf einen Felsen, den Felsen Seiner Liebe, gegründet hat. Und ausgehend von dieser Liebe geben wir dann unsere Antwort.« Folglich, wenn Jesus »diese Fragen stellt – ›Für wen hältst du mich?‹ – dann soll man hieran denken: ich bin auf den Felsen seiner Liebe gegründet.

Er leitet mich. Ich muss auf diesem Felsen und unter seiner Führung antworten«. Auch wenn wir wüssten, dass irgend etwas in uns »nicht stimmt«, sei es erforderlich, jedweder Versuchung zu entfliehen, uns über uns selbst zu schämen, indem wir wahrheitsgemäß dem Beispiel Petri folgend antworteten, der »soweit geht zu sagen: ›Herr, Du weißt alles, Du weißt, dass ich stets in der Verehrung und in Liebe zu deinem heiligen Namen leben will. Du weißt alles. Du bist die Welt für mich‹«.

»Niemals sich schämen, die Sünden nicht verdecken«, wiederholte der Bischof von Rom, und fügte hinzu: »Er liebt uns sehr, wenn wir uns als Sünder fühlen. Er liebt uns sehr, so wie er Petrus geliebt hat«, der trotz seiner Sünden an die Spitze der Kirche gestellt worden sei. Geradeso mache der Herr »auch mit uns« »etwas Gutes«, denn »Er ist größer«. Und wenn wir uns leiten ließen »von der Verehrung und von der Liebe« und spürten, dass wir sicher wie auf dem Felsen seien, »dann tut uns das sehr gut, es lässt uns sicher weitergehen und das Kreuz eines jeden Tages auf uns nehmen, das manchmal sehr schwer ist«.

»Lasst uns so weitergehen, voller Freude«, ermahnte zum Abschluss der Papst, und bitten wir um folgende Gnade: ›Vater, gewähre es deinem Volk, stets in der Verehrung und in der Liebe zu Deinem heiligen Namen zu leben‹, in der Gewissheit, dass ›Du denen, die Du auf den Felsen Deiner Liebe gegründet hast, nie Deine Führung vorenthalten wirst‹«.




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