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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Das Bessere wählen

Dienstag, 8. Oktober 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 42, 18. Oktober 2013

 

Beten heißt dem Herrn die Türe öffnen, damit er etwas dafür tun kann, unsere Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Der Priester, der seine Pflicht tut, nicht aber dem Herrn die Türe öffnet, riskiert es, zu einem bloßen »Fachmann« zu werden. Papst Franziskus befasste sich im Verlauf der Messe, die er am Dienstag, 8. Oktober, in der Kapelle von Santa Marta feierte, mit dem Wert des Gebets: nicht jenem, das nachrede »wie ein Papagei«, sondern dem, das »mit dem Herzen gesprochen « werde und dazu führe, »den Herrn anzuschauen, dem Herrn zuzuhören, den Herrn zu bitten«.

Die Reflexion ging aus von den Schriftlesungen zum Tage, die dem Buch Jona (3, 1–10) und dem Lukasevangelium (10, 38–42) entnommen waren. Unter Bezug auf die letztgenannte Bibelstelle bot der Papst das Verhalten der Maria – einer der beiden Frauen, die Jesus in ihrem Heim beherbergt hatten – als ein Modell an, das man nachahmen solle. Maria hält in der Tat ein, um dem Herrn zuzuhören und ihn anzuschauen, wogegen ihre Schwester Marta damit fortfährt, die Hausarbeit zu erledigen.

»Das Wort des Herrn«, so begann der Papst, »ist eindeutig: Maria hat das Bessere gewählt, das Gebet, die Kontemplation Jesu. Aus der Perspektive ihrer Schwester hieß das, Zeit zu vergeuden.« Maria setzt sich, um den Herrn anzuschauen wie ein staunendes Kind, »statt wie sie zu arbeiten«.

Marias Verhalten ist das richtige, da sie, wie der Papst erläuterte, »dem Herrn zuhörte und mit dem Herzen betete.« Das also »will uns der Herr sagen. Die erste Pflicht im Leben ist diese: das Gebet. Aber nicht ein Gebet aus nachgeredeten Worten, wie es die Papageien tun, sondern ein Gebet des Herzens«, mit dessen Hilfe es möglich wird, »den Herrn zu schauen, den Herrn zu hören, den Herrn zu bitten. Und wir wissen, dass das Gebet Wunder wirken kann.«

Dasselbe lernen wir aus der Episode, die im Buch Jona berichtet wird: der Heilige Vater bezeichnete ihn als einen »Dickkopf«, weil er »nicht das tun wollte, worum der Herr ihn bat.« Erst nachdem ihn der Herr aus dem Bauch eines Walfischs gerettet habe, so erinnerte der Papst, habe sich Jona entschieden: »Herr, ich werde das tun, was du sagst. Und er ging durch die Straßen von Ninive« und verkündete seine Prophezeiung: die Stadt würde von Gott zerstört werden, wenn ihre Bürger ihren Lebenswandel nicht bessern würden.

Jona »war als Prophet ein ›Profi‹«, so präzisierte der Bischof von Rom, »und er sagte: ›Noch vierzig Tage, und Ninive wird zerstört!‹ Er sagte das ganz im Ernst, mit Nachdruck. Und diese Niniviten sind erschrocken und haben angefangen, mit Worten, mit dem Herzen und mit ihrem Körper zu beten. Das Gebet hat Wunder gewirkt.« Auch in dieser Erzählung, so bekräftigte Papst Franziskus, »sieht man das, was Jesus zu Marta sagt: Maria hat das Bessere gewählt. Das Gebet wirkt Wunder angesichts der Probleme«, die es auf der Welt gibt. Aber es gebe auch jene Menschen, die der Papst als »Pessimisten« bezeichnete.

Diese Menschen »sagen: man kann nichts ändern, so ist das Leben nun einmal. Das erinnert mich an ein trauriges Lied aus meiner Heimat, in dem es heißt: Lassen wir es bleiben. Dort unten im Ofen werden wir uns alle wieder treffen.« Sicher, so betonte er, das sei eine »etwas pessimistische Sicht des Lebens«, die uns dazu bringe, uns zu fragen: »Wozu beten? Lass es bleiben, das Leben ist halt so! Machen wir weiter.

Tun wir das, was wir können«. Das sei die Einstellung der Marta, erläuterte der Papst, »sie tat dies und das, aber sie betete nicht.« Und dann gibt es auch das Verhalten der anderen, wie etwa dieses »Dickkopfs Jona«. Das sind die »Henker«.

Jona »ging hin und prophezeite, aber in seinem Herzen sagte er sich: sie haben es verdient, sie haben es verdient, sie haben es provoziert. Er prophezeite, aber er betete nicht, er bat den Herrn nicht darum, ihnen zu vergeben, sondern er beschränkte sich darauf, sie zur Schnecke zu machen.« Solche Leute, so betonte der Heilige Vater, »halten sich für Gerechte«. Am Ende aber, gerade so, wie es bei Jona geschah, entpuppen sie sich als Egoisten.

Jona zum Beispiel, so fuhr der Papst in seinen Ausführungen fort, wurde, als Gott das Volk von Ninive rettete, »wütend auf den Herrn: Aber du bist immer so, du vergibst immer!« Und »auch wir«, so kommentierte der Papst, »wenn wir nicht beten, dann besteht das, was wir tun, darin, dem Herrn die Tür zu verschließen«, so dass »er nichts tun kann. Statt angesichts eines Problems, einer schwierigen Lage, einer Katastrophe dem Herrn die Tür zu öffnen, damit er eintreten kann«: er ist in der Tat dazu imstande, »die Dinge in Ordnung zu bringen.«

Abschließend ermahnte Papst Franziskus dazu, an Maria zu denken, die Schwester Martas, die »das Bessere erwählt hat und uns den Weg dazu weist, wie man dem Herrn die Türe öffnet, an den König von Ninive, »der kein Heiliger war«, an das ganze Volk: »Sie haben hässliche Dinge getan.

Aber als sie gebetet und gefastet und dem Herrn die Tür geöffnet haben, da hat der Herr das Wunder getan, ihnen zu vergeben. Und wir denken an Jona, der nicht betete, der immer vor Gott floh. Er prophezeite, vielleicht war er ein guter ›Profi‹, heute würden wir sagen, ein guter Priester, der seinen Pflichten nachging, der aber niemals dem Herrn durch Gebet die Tür öffnete. Bitten wir den Herrn, dass er uns dabei helfe, stets das Bessere zu wählen.«




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