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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Wie man die Strategie des Teufels besiegt 

Freitag, 11. Oktober 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 43, 25. Oktober 2013

»Bitte, machen wir keine Geschäfte mit dem Teufel« und nehmen wir die Gefahren ernst, die wegen seiner Anwesenheit in der Welt entstehen. Dies empfahl Papst Franziskus in der Predigt der Messe, die er am Morgen des 11. Oktober in Santa Marta hielt. »Der Teufel ist auf den ersten Seiten der Bibel anwesend und die Bibel endet auch mit der Anwesenheit des Teufels, mit dem Sieg Gottes über den Teufel.« Aber letzterer kehre stets mit seinen Versuchungen zurück. An uns liege es, »nicht naiv« zu sein, so der Papst, der einen Abschnitt aus dem Lukasevangelium (11,15–26) kommentierte. Der Evangelist berichtet dort, wie Jesus Dämonen austreibt, und gibt auch die Kommentare der verblüfften Anwesenden wieder, die Jesus der Magie beschuldigen oder höchstens anerkennen, dass er von Epilepsie befallene Menschen heilen könne. Der Papst merkte an, dass es auch heute »Priester gibt, die, wenn sie diesen und andere Evangeliumsabschnitte lesen, sagen: Jesus hat einen Menschen von einer psychischen Krankheit geheilt«. Sicher hätte man »in jener Zeit Epilepsie mit der Besessenheit durch den Teufel verwechseln können «, aber es sei auch wahr, dass der Teufel da war. »Und wir haben nicht das Recht, die Dinge so zu vereinfachen«, indem wir sie liquidieren, als würde es sich um psychisch Kranke handeln und nicht um Besessene.

Sich wieder auf das Evangelium beziehend bemerkte der Papst, dass Jesus uns einige Kriterien anbiete, um diese Anwesenheit des Teufels zu erkennen und darauf zu reagieren. »Wie sollen wir unseren Weg als Christen gehen, wenn es Versuchungen gibt? Wenn der Teufel kommt, um uns zu stören?«, fragte er sich. Das erste Kriterium, das der Evangeliumstext nahelege, sei, dass »man den Sieg Jesu über das Böse, über den Teufel nicht zur Hälfte erlangen kann«. Zur Erklärung verwies der Heilige Vater auf die bei Lukas überlieferten Worte Jesu: »Entweder bist du für mich oder du bist gegen mich; wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut. « Und in Bezug auf das Handeln Jesu gegenüber  den vom Teufel Besessenen sagte er, dass dies nur ein kleiner Teil dessen sei, »was er für die gesamte Menschheit zu tun gekommen sei«: das Werk des Teufels zu zerstören, um uns aus seiner Sklaverei zu befreien.

Man könne nicht weiterhin glauben, dass dies eine Übertreibung sei: »Entweder bist du für Jesus oder du bist gegen Jesus. Und da gibt es keine Zwischentöne. Es gibt einen Kampf, einen Kampf, bei dem das ewige Heil von uns allen auf dem Spiel steht.« Dabei gebe es keine Alternativen, auch wenn wir zuweilen »pastorale Angebote« hörten, die entgegenkommender zu sein schienen. »Nein! Entweder bist du für Jesus oder dagegen. Das ist so. Das ist eines der Kriterien«, wiederholte der Bischof von Rom.

Ein weiteres Kriterium sei das der Wachsamkeit. »Wir müssen immer wachsam sein, wachsam gegenüber dem Betrug, der Verführung des Bösen«, ermahnte der Papst. Erneut bezog er sich auf das Evangelium: »Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher. Und wir können uns die Frage stellen: Wache ich über mich? Über mein Herz? Über meine Gefühle? Über meine Gedanken? Hüte ich den Schatz der Gnade? Hüte ich die Gegenwart des Heiligen Geistes in mir?« Wenn man nicht wachsam sei, dann – so sagte er wieder mit den Worten aus dem Evangelium »greift ein Stärkerer an und besiegt ihn, er nimmt ihm all seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute«.

Das seien also die Kriterien, um auf die Herausforderungen zu antworten, die die Anwesenheit des Teufels in der Welt stellt: die Gewissheit, dass »Jesus gegen den Teufel kämpft«; »wer nicht für Jesus ist, ist gegen Jesus« und »Wachsamkeit«.

Man müsse sich zudem bewusst sein, dass »der Teufel schlau ist«, fügte der Papst hinzu. »Niemals ist er für immer vertrieben, erst am letzten Tag wird er das sein.« Denn, der Papst zitierte auch hier wieder das Evangelium, wenn »der unreine Geist den Menschen verlassen hat, wandert er durch die Wüste und sucht einen Ort, wo er bleiben kann. Wenn er keinen findet, sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und wenn er es bei seiner Rückkehr sauber und geschmückt antrifft, dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. So wird es mit diesem Menschen am Ende schlimmer werden als vorher.«

Deshalb sei Wachsamkeit notwendig. Der Papst warnte: »Seine Strategie ist folgende: du bist Christ geworden, gehst auf dem Weg des Glaubens voran, und ich verlasse dich, ich lasse dich in Ruhe. Aber dann, wenn du dich daran gewöhnt hast, nicht mehr sehr wachsam bist und dich sicher fühlst, dann komme ich zurück. Das heutige Evangelium beginnt mit der Dämonenaustreibung und es endet mit der Rückkehr des unreinen Geistes. Der heilige Petrus hat es gesagt: Der Teufel geht wie ein brüllender Löwe umher.« Und das seien keine Lügen, »das ist das Wort des Herrn«.

Abschließend sagte der Heilige Vater: »Bitten wir den Herrn um die Gnade, diese Dinge ernst zu nehmen. Er ist gekommen, um für unser Heil zu kämpfen. Er hat den Teufel besiegt.«




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