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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

In Gottes sicheren Händen

Dienstag, 12. November 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 47, 22. November 2013

 

In Gottes Händen. Dort sind wir sicher: es sind Hände, die aus Liebe verwundet wurden, die uns auf den Weg des Lebens führen, nicht auf den des Todes, wo der Neid uns dagegen hinführt. Diese Gedanken brachte Papst Franziskus am Morgen des 12. November im Verlauf der heiligen Messe in der Kapelle von Santa Marta zum Ausdruck.

Die erste Lesung, so der Heilige Vater in der Einleitung seiner Predigt, erinnert daran, dass Gott »den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen hat« (Weish 2,23-3,9). Er »hat uns geschaffen und er ist unser Vater. Er hat uns schön geschaffen nach seinem Bild, schöner als die Engel; größer als die Engel. Aber durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt.« Der Neid: Der Papst machte darauf aufmerksam, dass dies ein sehr klares Wort sei, das uns den Kampf verstehen lasse, der zwischen »diesem Engel«, dem Teufel, und dem Menschen stattgefunden habe. Ersterer »konnte tatsächlich nicht ertragen, dass der Mensch höher stehe als er; dass gerade im Mann und in der Frau Gottes Bild und die Ähnlichkeit mit ihm zu finden sei. Deshalb hat er den Krieg entfacht« und einen Weg eingeschlagen, »der zum Tod führt. So kam der Tod in die Welt.«

In Wirklichkeit, fuhr der Bischof von Rom fort, »machen wir alle die Erfahrung des Todes«. Wie ist das zu erklären? »Der Herr lässt sein Werk nicht im Stich«, wie schon der Text des Buchs Weisheit erläutere: »Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand.« Wir alle »müssen durch den Tod gehen. Aber es ist eine Sache, diese Erfahrung zu machen, wenn man in den Händen des Teufels ist, und eine andere, sie in den Händen Gottes zu machen.«

»Ich höre diese Worte gern: wir sind in Gottes Hand«, sagte der Heilige Vater. Aber von Anfang an. Die Bibel erläutere uns die Schöpfung mit Hilfe eines schönen Bildes: Gott, der uns mit seinen Händen aus Erde, aus Lehm formt, nach seinem Bild und ihm ähnlich. Es waren Gottes Hände, die uns geformt haben: Gott als Handwerker.« Gott hat uns also nicht verlassen. Und gerade in der Bibel ist zu lesen, was er zu seinem Volk sagt: »Ich bin mit dir gegangen.« Gott verhält sich, so betonte der Papst, wie »ein Vater mit dem Sohn, den er an der Hand führt. Gerade die Hände Gottes sind es, die uns auf unserem Weg begleiten.« Der Vater lehre uns laufen, und »auf dem Weg des Lebens und des Heils« zu gehen. Und weiter: »Im Augenblick des Schmerzes sind es die Hände Gottes, die uns streicheln, die uns trösten. Wir erfahren eine Liebkosung von unserem Vater, der uns sehr liebt. Und sehr oft enthalten diese Liebkosungen seine Vergebung.«

Etwas, »das mir sehr gut tut«, sagte der Papst weiter, »ist zu denken: Jesus, Gott hat seine Wundmale behalten. Er zeigt sie dem Vater. Das ist der Preis: die Hände Gottes sind Hände, die aus Liebe verwundet wurden. Und das ist ein großer Trost für uns. Wie oft haben wir doch sagen hören: Ich weiß nicht, wem ich mich anvertrauen soll, alle Türen sind mir verschlossen, ich vertraue mich den Händen Gottes an! Und das ist schön, weil wir dort sicher aufgehoben sind«, beschützt von den Händen eines Vaters, der uns lieb hat.

Die Hände Gottes, fuhr der Heilige Vater fort, »heilen uns auch von unseren geistlichen Übeln. Denken wir an die Hände Jesu, als er die Kranken berührte und sie heilte. Es sind die Hände Gottes. Er heilt uns. Es ist mir unmöglich, mir vorzustellen, dass Gott uns eine Ohrfeige verpasst. Ich kann es mir nicht vorstellen: er tadelt uns, ja, denn das tut er; aber er verletzt uns nie, nie! Er liebkost uns. Auch wenn er uns tadeln muss, tut er das mit einer Liebkosung, denn er ist Vater.«

»Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand«, wiederholte der Papst und schloss mit den Worten: »Denken wir an die Hände Gottes, der uns wie ein Handwerker erschaffen hat. Er hat uns das ewige Heil gegeben. Es sind verwundete Hände. Er begleitet uns auf dem Weg des Lebens. Vertrauen wir uns den Händen Gottes so an, wie ein Kind sich den Händen seines Vaters anvertraut, denn es sind sichere Hände.«

 

 



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