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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Verrückt gewordene Worte

Donnerstag, 5. Dezember 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 50, 13. Dezember 2013

 

»Christliche Worte«, die der Gegenwart Christi beraubt wurden, sind wie toll gewordene, sinnentleerte und betrügerische Worte, die zum Stolz und zur »Macht um der Macht willen« führen. Papst Franziskus rief in der Frühmesse, die er am Donnerstag, 5. Dezember, in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte, zu einer »Gewissensprüfung« auf im Hinblick auf die Kohärenz zwischen dem, was man sage, und dem, was man tue. Indem er von der Schriftlesung zum Tage ausging, erinnerte der Papst daran, dass »der Herr oft über dieses Verhaltensmuster gesprochen hat«, dass man zwar das Wort Gottes kenne, es aber nicht in die Tat umsetze.

Dem Evangelium zufolge »tadelte Jesus auch die Pharisäer«, »dass sie alles wissen, es aber nicht auch tun«. Und so »sagte er zum Volk: Tut alles, was sie sagen, nicht aber das, was sie tun, denn sie tun nicht das, was sie sagen!« Es gehe um das Problem der »Worte, die nicht in die Praxis umgesetzt « würden, Worte, die hingegen gelebt werden müssten. Und doch »sind diese Worte gut«, so unterstrich der Papst, »es sind schöne Worte«. Beispielsweise fielen »auch die Gebote und die Seligpreisungen « unter diese »guten Worte«, ebenso wie »viele Dinge, die Jesus gesagt hat. Wir können sie wiederholen, aber wenn wir ihnen kein Leben einhauchen, dann sind sie nicht nur nutzlos, sondern dann sind sie schädlich, sie täuschen uns, sie lassen uns glauben, dass wir ein schönes Haus haben, dem aber das Fundament fehlt.«

Im Abschnitt aus dem Matthäusevangelium (7,21.24-27), so fuhr der Papst fort, sagt der Herr, dass gerade der, »der diese Worte hört und danach handelt, wie ein kluger Mann ist, der sein Haus auf Fels baute«. Letzten Endes handle es sich um »eine mathematische Gleichung: ich kenne das Wort – ich setze es in die Tat um – ich bin auf Fels gebaut.« Die eigentliche Frage aber, so präzisierte der Heilige Vater, sei: »Wie setze ich es in die Tat um?« Und er betonte, dass genau »hier die Botschaft Jesu liegt: ich setze sie so in die Praxis um, wie man auf einem Felsen ein Haus baut.« Und »dieses Bild des Felsens bezieht sich auf den Herrn.«

Papst Franziskus verwies hierzu auf den Propheten Jesaja, der in der ersten Lesung (26,1-6) sage: »Verlasst euch stets auf den Herrn; denn der Herr ist ein ewiger Fels.« Folglich, so erläuterte der Papst, »ist der Fels Jesus Christus, der Fels ist der Herr. Ein Wort ist mächtig, schenkt das Leben, kann vorwärtsgehen, kann alle Angriffe ertragen, wenn es in Jesus Christus seine Wurzeln hat.« Hingegen »ist ein christliches Wort, das keine lebendigen Wurzeln in einer Person, in Jesus Christus, hat, ein christliches Wort ohne Christus. Und christliche Worte ohne Christus täuschen, sie richten Schaden an.«

Der Papst erinnerte dann an den englischen Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), der in Bezug auf die Häresien gesagt habe, »dass eine Häresie, eine Wahrheit ist, ein Wort, eine Wahrheit, die verrückt geworden ist«. Weiter wies der Papst auf die Tatsache hin, dass »die christlichen Worte, wenn sie ohne Christus sind, beginnen den Weg der Verrücktheit zu gehen«. Jesaja »ist eindeutig und weist uns darauf hin, was diese Verrücktheit ist«. Im biblischen Text sei zu lesen: »Der Herr ist ein ewiger Fels. Er hat die Bewohner des hohen Berges hinabgestürzt, die hoch aufragende Stadt; er hat sie zu Boden geworfen. « Ja, »diejenigen, die hoch oben wohnten. Ein christliches Wort ohne Christus«, fügte der Papst hinzu, »führt dich zur Eitelkeit, zur Selbstsicherheit, zum Stolz, zur Macht um der Macht willen. Und der Herr stürzt diese Menschen hinab.«

Diese Wahrheit ist »eine Konstante der Heilsgeschichte. Das sagt Hanna, die Mutter von Samuel; das sagt Maria im Magnifikat: der Herr stürzt die Eitelkeit zu Boden, den Stolz jener Menschen, die glauben, ein Fels zu sein«. Es sind »Menschen, die nur einem Wort nachlaufen,  ohne Jesus Christus«. Sie machen sich ein Wort zu eigen, das christlich ist, »aber ohne Jesus Christus: ohne die Beziehung zu Jesus Christus; ohne das Gebet mit Jesus Christus; ohne den Dienst für Jesus Christus; ohne Liebe zu Jesus Christus«. Für Papst Franziskus ist »das, was der Herr uns heute sagt«, eine Einladung, »unser Leben auf diesen Felsen zu bauen. Und der Fels ist Er. Das sagt Paulus ausdrücklich, als er sich auf jenen Augenblick bezieht, als Mose mit einem Stock gegen den Felsen schlägt. Er sagt: Der Fels war Christus.

Christus ist der Fels.« Diese Meditation solle zu einer »Gewissenserforschung« führen, »die uns gut tun wird«, schlug der Papst vor. Eine »Gewissenserforschung «, die durch die Beantwortung einer Reihe grundlegender Fragen geschehen könne. Der Papst selbst nannte einige Beispiele: »Wie sind unsere Worte? Sind es Worte, die sich selbst genügen? Sind es Worte, die glauben, machtvoll zu sein? Sind es Worte, die auch glauben, uns das Heil zu schenken? Sind es Worte mit Jesus Christus? Ist es immer Jesus Christus, wenn wir ein christliches Wort sagen?« Der Papst unterstrich nochmals, dass er sich ausdrücklich auf »die christlichen Worte« beziehe. »Denn wenn Jesus Christus nicht da ist, dann trennt uns auch dies voneinander und bewirkt Spaltung in der Kirche.«

Die Predigt abschließend bat Papst Franziskus »den Herrn um die Gnade, uns zu helfen bei dieser Demut, die wir haben müssen: christliche Worte immer in Jesus Christus zu sagen, nicht ohne Jesus Christus«. Und er bat den Herrn auch, uns zu helfen »in dieser Demut, Jünger, Erlöste zu sein, voranzugehen nicht mit Worten, die im Wahnsinn der Eitelkeit und in der Verrücktheit des Stolzes enden, weil sie glauben, machtvoll zu sein«. »Der Herr möge uns diese Gnade der Demut schenken, Worte mit Jesus Christus zu sprechen. Gegründet auf Jesus Christus.«

 

 




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