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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Wenn der Mensch versucht, sich alleine zu retten

Donnerstag, 19. Dezember 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 1, 3. Januar 2014

 

Der Mensch rettet sich nicht selbst und wer den Hochmut besaß, dies zu versuchen, auch unter den Christen, ist gescheitert. Denn nur Gott kann Leben und Heil schenken. Das sagte Papst Franziskus mit einem Blick auf die Adventszeit in der heiligen Messe am Morgen des 19. Dezember in der Kapelle der Casa Santa Marta.

Der Papst ging wie gewöhnlich von den Lesungen des Tages aus und erinnerte daran, dass »das Leben, die Fähigkeit, Leben und Heil zu schenken, allein vom Herrn kommen« und nicht vom Menschen, der nicht »die Demut« hat, dies anzuerkennen und um Hilfe zu bitten. In der Heiligen Schrift sei »häufig von der unfruchtbaren Frau die Rede, von der Unfruchtbarkeit, von der Unfähigkeit, Leben zu empfangen und zu geben«. Aber sehr häufig geschehe dann »das Wunder des Herrn, der bewirkt, dass dieses unfruchtbaren Frauen ein Kind haben können«.

Papst Franziskus bezog sich vor allem auf die Mutter von Simson, dessen Geschichte aus dem Buch der Richter (13,2-7.24-25a) heute in der Liturgie gelesen wurde. Er erinnerte zudem daran, »was der Frau unsers Vaters Abraham geschah: sie konnte es nicht glauben«, noch einen Sohn zu bekommen, da sie schon in vorgerücktem Alter war. »Sie lachte still in sich hinein, während sie am Zelteingang heimlich zuhörte, was ihr Mann sagte. Und sie lachte, weil sie es nicht glauben konnte. Aber sie hat einen Sohn bekommen.«

Das heutige Evangelium (Lukas 1,5-25), so der Papst weiter, erzählt uns auch, was »Elisabet geschehen ist«. Bei alldem handle es sich um biblische Geschichten von Frauen, die zeigen, wie »aus der Unmöglichkeit, Leben zu geben, das Leben kommt«. Und das sei auch Frauen geschehen, die nicht unfruchtbar waren, die aber für ihr Leben keine Hoffnung mehr sahen. »Denken wir an Noemi, die schließlich einen Enkel bekommen hat.« Zusammengefasst: Der Herr »greift in das Leben dieser Frauen ein, um uns zu sagen: ich bin in der Lage, das Leben zu geben!«

Papst Franziskus wies darauf hin, dass es »in den Worten der Propheten das Bild der Wüste gibt: der vertrocknete Boden, der nicht in der Lage ist, einen Baum, eine Frucht, irgend etwas wachsen zu lassen«. Und dennoch: »Die Wüste wird sein wie der Wald. Das sagen die Propheten: Sie wird großartig sein und blühen!« Also könne »die Wüste blühen« und »die unfruchtbare Frau Leben haben«, aber nur aus der Sicht der »Verheißung des Herrn: Ich kann dies bewirken! Ich kann aus eurer Trockenheit Leben, Heil entstehen lassen! Ich kann aus der Trockenheit Früchte wachsen lassen!« Das Heil »ist das Eingreifen des Herrn, der uns fruchtbar werden lässt, der uns die Fähigkeit gibt, Leben zu geben« und der »uns auf dem Weg der Heiligkeit beisteht«. Eines sei sicher: »Wir können uns nicht allein retten.« Dies hätten viele versucht, »auch einige Christen«, sagte der Heilige Vater mit einem Verweis auf die Pelagianer. Aber nur das Eingreifen Gottes bringe uns das Heil.

In diesem Zusammenhang stellte der Papst die Frage: »Was aber müssen wir unsererseits tun?« Und er antwortete: »Vor allem müssen wir unsere Trockenheit erkennen, unsere Unfähigkeit, Leben zu geben.« Und dann »bitten«. Und er formulierte das folgende Bittgebet: »Herr, ich möchte fruchtbar sein; ich möchte, dass mein Leben Leben schenkt, dass mein Glaube fruchtbar ist und dass ich vorwärts gehe und ihn anderen geben kann. Herr, ich bin unfruchtbar. Ich kann es nicht, aber du kannst es. Ich bin eine Wüste. Ich kann es nicht, aber du kannst es.« Und er wünschte: »Das möge unser Gebet sein in diesen Tagen vor Weihnachten.«

Der Papst fuhr fort: »Es lässt nachdenklich werden, wie die Hochmütigen, jene, die glauben, alles allein tun zu können, getroffen werden.« Insbesondere bezog er sich dabei auf »jene Frau, die nicht unfruchtbar, aber hochmütig war und nicht verstand, was es bedeutet, Gott zu loben: Michal, die Tochter von Saul. Sie machte sich über den Lobpreis lustig. Sie wurde mit der Unfruchtbarkeit bestraft.« Demut sei eine Gabe, die notwendig sei, um fruchtbar sein zu können.

»Wie viele Menschen glauben wie sie, gerecht zu sein, und sind in Wirklichkeit arm dran!« Demut dagegen sei sehr wichtig, zu sagen: »Herr ich bin unfruchtbar, ich bin eine Wüste.« Es sei wichtig in diesen Tagen »die schönen Antiphonen zu wiederholen, mit denen die Kirche uns beten lässt: O Sohn Davids, o Adonai, o Weisheit – heute –, o Wurzel Jesse, o Emmanuel, komm und schenke uns Leben, komm und rette uns, denn nur du kannst es, ich allein kann es nicht.«

»Mit dieser Demut, der Demut der Wüste, der Demut der unfruchtbaren Seele« müssen wir »die Gnade empfangen: die Gnade zu erblühen, Frucht zu bringen und Leben zu schenken«, so der Papst abschließend.

 

 




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