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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"

 

Ohne Uhr zur Messe

 Montag, 10. Februar 2014

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 8, 21. Februar 2014

 

Zur Messe geht man nicht mit der Uhr in der Hand, als müsse man die Minuten zählen oder einer Aufführung beiwohnen. Man geht vielmehr, um am Mysterium Gottes teilzuhaben. Und das gilt auch für alle, die zur heiligen Messe des Papstes nach Santa Marta kommen. Wie Franziskus am Montag Morgen, 10. Februar, den in der Kapelle seiner Residenz anwesenden Gläubigen sagte, ist dies »kein touristischer Ausflug. Nein! Ihr kommt hierher, und wir versammeln uns hier, um in das Mysterium einzutreten. Das ist die Liturgie.«

Um den Sinn dieser nahen Begegnung mit dem Mysterium zu erläutern, erinnerte Papst Franziskus daran, dass der Herr nicht nur mit Worten zu seinem Volk gesprochen hat. »Die Propheten«, so sagte er, »übermittelten die Worte des Herrn. Die Propheten verkündeten. Der große Prophet Mose gab die Gebote, die Wort Gottes sind. Und viele andere Propheten sagten dem Volk das, was der Herr wollte.« Gleichwohl, so fügte er hinzu, »hat der Herr auch auf eine andere Weise und in einer anderen Form zu seinem Volk gesprochen: durch die Theophanien, das heißt wenn er sich dem Volk nähert und er erfahrbar wird, wenn seine Gegenwart mitten unter dem Volk spürbar wird.« Und neben der biblischen Geschichte, die Gegenstand der ersten Lesung war (1 Kön 8,1-7.9-13), erinnerte der Papst an weitere Stellen, die andere Propheten betreffen.

»Dasselbe geschieht auch in der Kirche«, erläuterte der Papst. Der Herr tue dies durch sein im Evangelium und in der Bibel überliefertes Wort; er spreche zu uns durch die Katechese, durch die Predigt. Er spreche nicht nur zu uns, sondern er »wird auch gegenwärtig«, so präzisierte er, »inmitten seines Volkes, inmitten seiner Kirche. Das ist die Gegenwart des Herrn. Der Herr, der sich seinem Volk nähert; der gegenwärtig wird und ein wenig Zeit mit seinem Volk verbringt.« Das geschehe während der liturgischen Feier, die mit Sicherheit »keine gute soziale Tat« sei, wie der Bischof von Rom weiter erklärte, »und auch keine Versammlung von Gläubigen, um miteinander zu beten. Es ist etwas anderes«, weil »in der Eucharistiefeier Gott gegenwärtig ist« und sich, wenn möglich, »noch näher« gegenwärtig macht. Es handle sich dabei, so sagte der Papst weiter, »um eine Realpräsenz«. Und »wenn ich von Liturgie spreche«, so präzisierte der Papst, »dann beziehe ich mich in erster Linie auf die heilige Messe. Wenn wir die Messe feiern, dann stellen wir nicht das Letzte Abendmahl dar«. Die Messe »ist keine Aufführung; sie ist etwas anderes. Sie ist das Letzte Abendmahl; sie ist das erneute Erleben von Leid und Erlösungstod des Herrn. Sie ist eine Theophanie: der Herr wird auf dem Altar gegenwärtig, um dem Vater für das Heil der Welt dargebracht zu werden.«

Darauf brachte der Papst, wie es seine Gewohnheit ist, ein unter den Gläubigen übliches Verhalten zur Sprache: »Wir hören oder sagen: ›Nein, ich kann jetzt nicht, ich muss zur Messe gehen, ich muss gehen, um die Messe zu hören‹. Die Messe hört man nicht, man nimmt an ihr teil. Und man nimmt an dieser Theophanie teil, an diesem Mysterium der Gegenwart des Herrn unter uns.« Das sei etwas anderes als andere Formen unserer Frömmigkeit, führte er weiter aus, indem er das Beispiel der lebenden Krippe anführte, »die wir an Weihnachten in den Pfarreien darstellen, oder der Kreuzweg, den wir in der Karwoche beten«. Das, so erläuterte er, seien Darstellungen; die Eucharistie hingegen sei »ein reales Gedächtnis, also eine Theophanie. Gott nähert sich und ist unter uns gegenwärtig, und wir haben teil am Mysterium der Erlösung.«

Der Papst hob dann eine weitere Verhaltensweise hervor, die unter den Christen weit verbreitet sei: »Wie oft zählen wir die Minuten… ›Ich habe nur eine halbe Stunde, ich muss zur Messe gehen …‹« Das »ist nicht die angemessene Haltung, die die Liturgie von uns fordert: die Liturgie ist Zeit Gottes und Raum Gottes, und wir müssen dort hineingehen, in die Zeit Gottes, in den Raum Gottes, und nicht auf die Uhr schauen. Die Liturgie besteht gerade darin, in Gottes Mysterium einzutreten; sich zum Mysterium führen zu lassen und im Mysterium zu sein.«

Und an die anwesenden Gläubigen gewandt fuhr er fort: »Ich bin mir beispielsweise sicher, dass ihr alle hierherkommt, um in das Mysterium einzutreten. Aber vielleicht hat jemand gesagt, ›ich muss nach Santa Marta in die Messe gehen, weil es Teil des touristischen Ausflugs nach Rom ist, dass man jeden morgen den Papst in Santa Marta besucht… Nein! Ihr kommt hierher, wir versammeln uns hier, um in das Mysterium einzutreten. Und das ist die Liturgie, die Zeit Gottes, der Raum Gottes, die Wolke Gottes, die uns alle einhüllt.«

Dann teilte Papst Franziskus noch einige seiner Kindheitserinnerungen mit den Anwesenden: »Ich erinnere mich, dass man uns als Kinder bei der Vorbereitung auf die Erstkommunion singen ließ: ›O heiliger Altar, behütet von den Engeln‹, und das ließ uns verstehen, dass der Altar von Engeln behütet wurde, es vermittelte uns ein Gefühl für die Herrlichkeit Gottes, für den Raum Gottes, die Zeit Gottes. Und dann, als sie uns für die Kommunion proben ließen, brachten sie die Hostien, um zu proben, und sagten zu uns: ›Schaut, das hier sind nicht diejenigen, die ihr erhalten werdet; diese hier sind nichts wert, weil sie erst noch konsekriert werden müssen.‹ Sie brachten uns bei, gut das eine vom anderen zu unterscheiden: die Erinnerung vom Gedächtnis.« Folglich bedeute das Feiern der Liturgie »diese Bereitschaft zu haben, in Gottes Mysterium einzutreten«, in seinen Raum, in seine Zeit.

Abschließend lud der Papst die Anwesenden ein, »den Herrn heute darum zu bitten, uns allen dieses Gespür für das Heilige zu geben, dieses Gespür, das uns verstehen lässt, dass es eine Sache ist, zu Hause zu beten, in der Kirche zu beten, den Rosenkranz zu beten, viele schöne Gebete zu sprechen, den Kreuzweg zu gehen, die Bibel zu lesen; etwas anderes ist hingegen die Eucharistiefeier. In der heiligen Messe treten wir in das Mysterium Gottes ein, in jenen Weg, den wir nicht kontrollieren können: Er allein ist der Einzige, Er ist die Herrlichkeit, Er ist die Macht. Bitten wir um diese Gnade, dass der Herr uns lehren möge, in das Mysterium Gottes einzutreten.«



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