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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"

 

Der Preis des Zeugnisses

Montag, 2. Mai 2016

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 19, 13. Mai 2016

 

Im Leben des Christen gibt es ein »zweifaches Zeugnis«: das Zeugnis des Heiligen Geistes, der »das Herz öffnet«, indem er Jesus zeigt, und das Zeugnis des Christen, der »mit der Kraft des Heiligen Geistes« verkündet, »dass der Herr lebt«, und letzteres solle »nicht so sehr mit Worten« geschehen als vielmehr »mit dem Leben« und auch um den Preis von Verfolgungen. Erneut standen der Heilige Geist und sein im Herzen jedes Gläubigen vorhandenes Wirken im Mittelpunkt der Gedanken von Papst Franziskus, die er in der Predigt der Frühmesse am 2. Mai im Gästehaus Santa Marta vortrug. Die Lesungen legten wie in den vergangenen Tagen weitere Abschnitte aus der Apostelgeschichte (16,11-15) mit den ersten Missionsreisen der frühen Kirche sowie Auszüge aus der Rede Jesus beim Letzten Abendmahl (Johannesevangelium 15,26-16,4) vor. Das Tagesevangelium gab die Worte Jesu wieder, der »vom Zeugnis spricht, das der Heilige Geist, der Beistand, für ihn ablegen wird, sowie vom Zeugnis, das wir von ihm geben müssen«. Franziskus unterstrich, dass das »eindringlichste« Wort gerade der Begriff »Zeugnis« sei.

Das Zeugnis des Heiligen Geistes finde sich auch in der ersten Lesung, in der von Lydia die Rede sei, »einer Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatíra, einer gottesfürchtigen Frau«. Von ihr werde gesagt: »Der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.« Aber »wer hat das Herz dieser Frau berührt«?, fragte der Papst und wies darauf hin, dass Lydia »in ihrem Inneren etwas gehört hat«, dass sie dazu gedrängt habe, zu sagen: »Das ist wahr! Ich stimme dem zu, was dieser Mann sagt, dieser Mann, der Zeugnis von Jesus Christus gibt.« Die Antwort sei: »Der Heilige Geist.« Er sei es, »der diese Frau hat spüren lassen, dass Jesus der Herr ist. Er hat diese Frau spüren lassen, dass in den Worten von Paulus das Heil lag. Er hat diese Frau ein Zeugnis hören lassen.«

Letztlich sei es der Heilige Geist, »der Zeugnis von Jesus gibt. Und jedes Mal, wenn wir in unserem Herzen etwas spüren, das uns Jesus näher bringt, dann ist es der Heilige Geist, der in unserem Inneren wirkt.« Jesus selbst erkläre den Jüngern das Wirken des Geistes: »Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.« Franziskus fügte hinzu: »Und der Geist öffnet unaufhörlich das Herz, wie er das Herz dieser Frau namens Lydia geöffnet hat«, und »er gibt Zeugnis, um das zu hören, was Jesus uns gelehrt hat, und uns daran zu erinnern«. Es handle sich dabei um ein zweifaches Zeugnis: »Der Heilige Geist gibt uns Zeugnis von Jesus, und wir geben Zeugnis mit der Kraft des Geistes des Herrn.« Das sage Jesus auch im Abschnitt aus dem Evangelium: »Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.« Franziskus bemerkte, dass der Herr die Merkmale dieses Zeugnisses mehrfach hervorhebe, »vielleicht weil die Jünger es nicht richtig verstanden hatten«. Und Jesus füge hinzu: »Ich habe es euch gesagt damit ihr keinen Anstoß nehmt.« Das heißt er erläutere ihnen ganz klar, worin »der Preis des christlichen Zeugnisses« bestehe: »Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.«

Der Papst fasste zusammen: »Der Christ gibt mit der Kraft des Heiligen Geistes Zeugnis dafür, dass der Herr lebt, dass der Herr auferstanden ist, dass der Herr bei uns ist, dass der Herr seinen Tod und seine Auferstehung mit uns feiert, jedes Mal, wenn wir zum Altar hinzutreten.« Der Christ gebe dieses Zeugnis »in seinem alltäglichen Leben, in seiner Art und Weise zu handeln«, dies sei das kontinuierliche Zeugnis des Christen. Zugleich müsse ein Christ wissen, dass dieses Zeugnis zuweilen »Ursache von Angriffen, von Verfolgung « sein könne: von »kleinen Verfolgungen« wie »Gerede« und »Kritik«, aber auch von Verfolgungen, von denen »die Kirchengeschichte voll ist«, das heiße Verfolgungen, die »die Christen ins Gefängnis bringen« oder sie sogar so weit führen, »ihr Leben hinzugeben«.

Derselbe »Heilige Geist, der uns Jesus hat kennenlernen lassen«, sei es auch, der uns dränge, »ihn bekannt zu machen, nicht so sehr mit Worten als vielmehr mit dem Zeugnis des Lebens«. Abschließend wies der Papst darauf hin, dass es gut sei, »den Heiligen Geist zu bitten, dass er in unser Herz kommen möge, um Zeugnis von Jesus zu geben«, und dass es gut sei, folgendermaßen zu beten: »Herr, lass nicht zu, dass ich mich von Jesus entferne. Lehre mich das, was Jesus gelehrt hat. Erinnere mich an das, was Jesus gesagt und getan hat, und hilf mir auch, Zeugnis davon abzulegen. Die Weltlichkeit, der leichtere Weg, die Dinge, die vom Vater der Lüge, vom Fürsten dieser Welt stammen, die Sünde, sie mögen mich nicht vom Zeugnis entfernen. Möge ich keinen Anstoß daran nehmen, Christ zu sein, weil jemand mich meidet oder es Verfolgungen gibt.«

 



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