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FEST DER TAUFE DES HERRN
EUCHARISTIEFEIER MIT KINDERTAUFE

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

Sixtinische Kapelle
Sonntag, 11. Januar 2015

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Wir haben in der ersten Lesung gehört, dass der Herr für seine Kinder sorgt wie ein Vater oder eine Mutter: er gibt ihnen nahrhafte Speise. Durch den Propheten sagt Gott: »Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?« (Jes 55,2). Gott will, wie ein guter Vater und eine gute Mutter, seinen Kindern Gutes geben. Und was ist diese nahrhafte Speise, die Gott uns gibt? Es ist sein Wort: Sein Wort lässt uns wachsen, lässt uns gute Früchte bringen im Leben, so wie Regen und Schnee der Erde gut tun und sie fruchtbar machen (vgl. Jes 55,10-11). So werdet auch ihr, die Eltern, und auch ihr, Taufpaten, Großeltern, Onkel und Tante, diesen Kindern helfen, gut zu wachsen, wenn ihr ihnen das Wort Gottes, das Evangelium Jesu gebt. Und wenn ihr ihnen es auch durch euer Beispiel gebt! Gewöhnt euch an, jeden Tag einen kurzen Abschnitt aus dem Evangelium zu lesen, und tragt immer ein kleines Evangelium bei euch, in der Tasche, um es lesen zu können. Und das wird das Vorbild für die Kinder sein, wenn sie sehen, wie Vater, Mutter, Paten, Großvater, Großmutter, Onkel und Tante das Wort Gottes lesen.

Ihr Mütter gebt euren Kindern Milch – auch jetzt: Wenn sie vor Hunger schreien, dann stillt sie ruhig. Danken wir dem Herrn für das Geschenk der Milch und beten wir für jene Mütter – leider sind es viele –, die ihren Kindern nichts zu essen geben können. Beten wir und versuchen wir, diesen Müttern zu helfen. Was also die Milch für den Körper tut, das tut das Wort Gottes für den Geist: Das Wort Gottes lässt den Glauben wachsen.

Und durch den Glauben werden wir aus Gott geboren. Das geschieht in der Taufe. Wir haben den Apostel Johannes gehört: »Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, stammt von Gott« (1 Joh 5,1). In diesem Glauben werden eure Kinder getauft. Heute ist es euer Glaube, liebe Eltern und Taufpaten. Es ist der Glaube der Kirche, in dem diese Kleinen die Taufe empfangen. Aber in der Zukunft wird es mit der Gnade Gottes ihr eigener Glaube sein, ihr persönliches »Ja« zu Jesus Christus, der uns die Liebe des Vaters schenkt.

Ich habe gesagt: Es ist der Glaube der Kirche. Das ist sehr wichtig. Die Taufe fügt uns in den Leib der Kirche ein, in das heilige Volk Gottes. Und in diesem Leib, in diesem Volk auf dem Weg wird der Glaube von Generation zu Generation weitergegeben: Es ist der Glaube der Kirche. Es ist der Glaube Marias, unserer Mutter, der Glaube des heiligen Josef, des heiligen Petrus, des heiligen Andreas, des heiligen Johannes, der Glaube der Apostel und Märtyrer, der durch die Taufe bis zu uns gekommen ist: eine Kette der Weitergabe des Glaubens. Das ist sehr schön! Es bedeutet, das Licht des Glaubens von Hand zu Hand weiterzugeben: Das werden wir gleich auch durch die Geste des Anzündens der Kerzen an der großen Osterkerze zum Ausdruck bringen.

Die große Osterkerze stellt den auferstandenen Christus dar, der lebendig unter uns ist. Ihr Familien, nehmt von ihm das Licht des Glaubens, das ihr euren Kindern weitergeben sollt! Dieses Licht nehmt ihr in der Kirche, im Leib Christi, im Volk Gottes, das zu allen Zeiten und an jedem Ort auf dem Weg ist. Lehrt eure Kinder, dass man Christ nicht außerhalb der Kirche sein kann, dass man Christus nicht ohne die Kirche folgen kann, weil die Kirche Mutter ist und uns in der Liebe zu Jesus Christus wachsen lässt.

Ein letzter Aspekt tritt in den heutigen biblischen Lesungen deutlich zutage: In der Taufe werden wir vom Heiligen Geist geweiht. Das Wort »Christ« bedeutet dies, es bedeutet, geweiht zu sein wie Jesus in demselben Geist, in den Christus in seinem gesamten irdischen Dasein eingetaucht war. Er ist der »Christus«, der Gesalbte, der Geweihte. Wir Getauften sind »Christen«, das heißt Geweihte, Gesalbte. Und wenn ihr, liebe Eltern, liebe Taufpaten, wollt, dass eure Kinder echte Christen werden, dann helft ihnen, »eingetaucht « in den Heiligen Geist aufzuwachsen, das heißt in der Wärme der Liebe Gottes, im Licht seines Wortes.

Deshalb vergesst nicht, oft den Heiligen Geist anzurufen, täglich. »Beten Sie?« – »Ja.« – »Zu wem beten Sie?« – »Ich bete zu Gott.« Aber »Gott«, so an sich, gibt es nicht: Gott ist Person und als Person gibt es den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. »Zu wem betest du?« – »Zum Vater, zum Sohn, zum Heiligen Geist.« Normalerweise beten wir zu Jesus. Wenn wir das »Vaterunser« beten, dann beten wir zum Vater. Aber zum Heiligen Geist beten wir nicht so oft. Es ist sehr wichtig, zum Heiligen Geist zu beten, damit er uns lehrt, die Familie, die Kinder voranzubringen, damit diese Kinder in der Atmosphäre der heiligen Dreifaltigkeit aufwachsen. Gerade der Heilige Geist ist es, der sie vorangehen lässt. Vergesst daher nicht, oft den Heiligen Geist anzurufen, jeden Tag. Ihr könnt das zum Beispiel mit folgendem einfachen Gebet tun: »Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.« Ihr könnt dieses Gebet auch für eure Kinder beten und natürlich für euch selbst!

Wenn ihr dieses Gebet sprecht, dann spürt ihr die mütterliche Gegenwart der Jungfrau Maria. Sie lehrt uns, zum Heiligen Geist zu beten und wie Jesus dem Heiligen Geist entsprechend zu leben. Maria, unsere Mutter, begleite stets den Weg eurer Kinder und eurer Familien. So sei es.

 



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