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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
NACH KUBA, IN DIE VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
UND BESUCH DER VEREINTEN NATIONEN

(19.-28. SEPTEMBER 2015)

FEIER DER VESPER MIT PRIESTERN, ORDENSLEUTEN UND SEMINARISTEN

HOMILIE DES HEILIGEN VATERS

Kathedrale, Havanna
Sonntag, 20. September 2015

[Multimedia]


 

Kardinal Jaime [Ortega y Almino] hat zu uns über die Armut gesprochen, und Schwester Yaileny [Schwester Yaileny Ponce Torres, von den „Töchtern der Nächstenliebe“] hat zu uns über die „Geringsten“, die Kleinsten gesprochen: „Sie sind alle Kinder.“ Ich hatte eine Predigt für heute vorbereitet, auf der Grundlage der biblischen Texte, doch wenn die Propheten sprechen – und jeder Priester ist Prophet, jeder Getaufte ist Prophet, jede gottgeweihte Person ist Prophet – wollen wir ihnen Aufmerksamkeit schenken. Ich werde also die Predigt Kardinal Jaime geben, damit er sie euch zukommen lässt und sie veröffentlicht wird. Ihr meditiert sie dann später. Und jetzt reden wir ein wenig über das, was diese beiden Propheten gesagt haben.

Kardinal Jaime ist in den Sinn gekommen, ein sehr unbequemes, ein höchst unbequemes Wort auszusprechen, das sogar der ganzen sogenannten „kulturellen Struktur“ der Welt gegen den Strich geht. Er sprach von „Armut“. Und er hat das Wort mehrere Male wiederholt. Und ich denke, dass der Herr wollte, dass wir es mehrmals hören und es in unser Herz aufnehmen sollten. Die weltliche Mentalität kennt es nicht, will es nicht, sie verbirgt es – nicht aus Scham, sondern aus Verachtung. Und wenn sie sündigen und Gott beleidigen muss, um zu vermeiden, dass die Armut kommt, dann tut sie es. Die Mentalität der Welt liebt nicht den Weg des Gottessohnes, der sich entäußerte, arm wurde, sich erniedrigte, um einer von uns zu sein.

Die Armut ängstigte jenen so großherzigen jungen Mann: Er hatte alle Gebote erfüllt, und als Jesus ihm sagte: »Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen« (Mk 10,21), wurde er traurig, er fürchtete sich vor der Armut. Die Armut versuchen wir immer zu „unterschlagen“, und sei es auch aus vernünftigen Gründen, doch ich spreche davon, sie im Herzen zu unterschlagen. Dass man verstehen muss, die Güter zu verwalten, ist eine Pflicht, denn die Güter sind ein Geschenk Gottes. Wenn aber diese Güter ins Herz eindringen und beginnen, dein Leben zu bestimmen, dann hast du verloren. Dann bist du nicht mehr wie Jesus. Dann hast du deine Sicherheit da, wo der betrübte  junge Mann sie hatte, der traurig wegging. Euch Priestern und Gottgeweihten kann, glaube ich, helfen, was der heilige Ignatius sagte – und das ist keine Propaganda für die eigene Familie, nicht wahr? – er sagte, die Armut sei die Mauer und die Mutter des gottgeweihten Lebens. Die Mutter, weil sie ein großes Gottvertrauen erzeugt, und die Mauer, weil sie es vor der Weltlichkeit schützt. Wie viele ruinierte Seelen! Großherzige Seelen wie die des betrübten jungen Mannes, die gut angefangen haben; und dann haben sie sich an diese reiche Weltlichkeit gehängt und haben ein schlechtes Ende genommen. Das heißt, ein mittelmäßiges. Sie endeten ohne Liebe, denn der Reichtum macht arm, aber arm im schlechten Sinn. Er raubt uns das Beste, was wir haben; er macht uns arm an dem einzigen Reichtum, auf den es ankommt – um uns dann die Sicherheit auf den anderen „Reichtum“ setzen zu lassen.

Der Geist der Armut, der Geist der Entäußerung, die Mentalität, alles zu lassen, um Jesus zu folgen… Dieses Alles-Lassen erfinde nicht ich. Es erscheint verschiedene Male im Evangelium. In der Berufung der Ersten, die die Boote und die Netze hinter sich ließen und ihm folgten. Diejenigen, die alles verließen, um Jesus zu folgen… Einmal erzählte mir ein weiser alter Pfarrer, was geschieht, wenn die Mentalität des Reichtums, der reichen Weltlichkeit ins Herz einer gottgeweihten Person, eines Priesters, eines Bischofs, eines Papstes, in wessen Herz auch immer eindringt. Er sagte, wenn einer beginnt, Geld zu scheffeln – um sich die Zukunft zu sichern, versteht sich –, dann liegt die Zukunft nicht bei Jesus, sondern bei einer Art geistlicher Versicherungsgesellschaft, die ich handhabe. Wenn zum Beispiel eine Ordenskongregation beginnt, Geld zu scheffeln und zu sparen und zu sparen – sagte er –, dann ist Gott so gütig, dass er ihr einen verheerenden Verwalter schickt, der sie in den Bankrott führt. Das sind die besten Segenserweise Gottes für seine Kirche: die verheerenden Verwalter, denn sie machen sie frei, sie machen sie arm. Unsere heilige Mutter Kirche ist arm, Gott will sie arm, wie er wollte, dass unsere heilige Mutter Maria arm sei. Liebt die Armut wie eine Mutter! Und wenn jemand von euch das möchte, rate ich euch ganz einfach, euch zu fragen: Wie steht es um meinen Geist der Armut? Was ist mit meiner inneren Entäußerung? Ich glaube, das kann unserem gottgeweihten Leben, unserem Priesterleben gut tun. Vergessen wir schließlich nicht, dass es die erste der Seligpreisungen ist: »Selig, die arm sind vor Gott« (Mt 5,3), die nicht am Reichtum, nicht an der Macht dieser Welt hängen.

Und die Schwester hat uns von den Letzten, den Kleinsten und „Geringsten“ gesprochen, die wir, auch wenn sie erwachsen sind, schließlich wie Kinder behandeln, weil sie sich wie Kinder benehmen. „Der Geringste“ – das ist ein Ausdruck Jesu. Und er steht in dem Protokoll, nach dem wir gerichtet werden: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan« (Mt 25, 40). Es gibt pastorale Dienste, die – menschlich gesehen – befriedigender sein können, ohne schlecht oder weltlich zu sein. Wenn aber einer versucht, innerlich den Vorzug dem Kleinsten zu geben, dem, der am meisten verlassen oder krank ist, dem, der von niemandem beachtet wird, den niemand will, eben dem Geringsten und ihm dient, dann dient er Jesus auf unüberbietbare Weise. Du [er wendet sich an die Schwester] wurdest gesendet, wohin du nicht wolltest. Und du hast geweint. Du hast geweint, weil es dir nicht gefiel, was nicht heißen will, dass du eine weinerliche Schwester bist, nein. Gott befreie uns von weinerlichen Schwestern! Die sich immerzu beklagen… Das ist nicht von mir; das hat die heilige Theresa gesagt, zu ihren Schwestern. Das stammt von ihr. Weh der Schwester, die den ganzen Tag herumläuft und sich beklagt: „Man hat mir Unrecht getan“. In der kastilischen Sprache jener Zeit sagte man: „Weh der Schwester, die ständig sagt: man hat mich ,sin razón – ohne Grund’ behandelt.“ Du weintest, weil du jung warst, andere Erwartungen hattest, weil du vielleicht dachtest, in einer Schule könntest du mehr tun, eine Zukunft für die Jugend vorbereiten… Und sie haben dich dorthin geschickt, ins „Haus der Barmherzigkeit“, wo die Zärtlichkeit und die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters deutlicher wird, wo die Zärtlichkeit und die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters zu Liebkosung wird. Wie viele Ordensfrauen und -männer „verbrennen“ – und ich wiederhole das Verb: verbrennen – ihr Leben, indem sie Wegwerf-„Material“ liebkosen, indem sie die liebkosen, die die Welt aussortiert, die die Welt verachtet, von denen die Welt lieber hätte, wenn es sie nicht gäbe; indem sie den liebkosen, bei dem mit den neuen Analysemethoden die Möglichkeit einer degenerativen Erkrankung vorauszusehen war, worauf die Welt von heute nahelegte, ihn „zurückzuschicken“, bevor er geboren würde. Er ist der Geringste. Und ein junges Mädchen voller Erwartungen beginnt sein Ordensleben, indem es die Zärtlichkeit Gottes in seiner Barmherzigkeit gegenwärtig werden lässt. Manchmal wird es nicht verstanden, sie wissen es nicht – doch wie schön ist es für Gott, und wie gut kann einem zum Beispiel das Lächeln eines Spastikers tun, der nicht weiß, wie er es anstellen soll, oder wenn sie dich küssen wollen und dein Gesicht mit ihrem Speichel beschmieren. Es ist die Zärtlichkeit Gottes, die Barmherzigkeit Gottes. Oder wenn sie zornig sind und dir einen Hieb versetzen…Und mein Leben so zu verbrennen, mit etwas, das in den Augen der Welt Wegwerf-„Material“ ist, das spricht nicht nur von einer Person; das spricht uns von Jesus, der sich aus reiner Barmherzigkeit des Vaters zunichte machte, sich „entäußerte“, wie der Text im zweiten Kapitel des Philipperbriefes sagt. Er machte sich zunichte. Und diese Menschen, denen du dein Leben widmest, ahmen Jesus nach, nicht weil sie das wollen, sondern weil die Welt sie dazu gebracht hat. Sie sind nichts, und man versteckt sie, man zeigt sie nicht oder man besucht sie nicht. Und wenn es möglich und noch rechtzeitig ist, schickt man sie „zurück“… Danke für das, was du tust, und euch allen: Danke all diesen Frauen und den vielen gottgeweihten Frauen, die im Dienst des „Nutzlosen“ stehen, denn mit diesen unseren Brüdern und Schwestern, den Kleinen, den Geringsten kann man kein Geschäft machen, kein Geld verdienen, absolut nichts „Konstruktives“ voranbringen. Dort leuchtet Jesus auf. Und dort leuchtet meine Entscheidung für Jesus auf. Dank dir und allen gottgeweihten Männern und Frauen, die das tun!

„Pater, ich bin keine Schwester, ich pflege keine Kranken, ich bin Pfarrer und habe eine Pfarrei oder ich helfe einem Pfarrer. Wer ist mein geliebter Jesus? Wer ist der Geringste? Wer ist es, der mir die Barmherzigkeit Gottes am meisten zeigt? Wo kann ich ihn finden?“ Natürlich gehe ich wieder das Protokoll von Matthäus 25 durch. Da findest du alle: den Hungrigen, den Gefangenen, den Kranken… Dort wirst du ihnen begegnen. Doch für den Priester gibt es einen bevorzugten Ort, wo dieser Letzte, dieser Geringste, dieser Kleinste erscheint, und das ist der Beichtstuhl. Und dort, wenn dieser Mann oder diese Frau dir das eigene Elend offenbart – Achtung, es ist das gleiche Elend, das du hast und aus dem Gott dich gerettet hat, um dich nicht so weit kommen zu lassen – wenn dir also dieser Mensch sein Elend offenbart, dann, bitte, schimpfe ihn nicht aus, sperre ihn nicht ein, bestrafe ihn nicht. Wenn du keine Sünde hast, wirf den ersten Stein, aber nur unter dieser Bedingung. Andernfalls denke an deine eigenen Sünden. Und denke, dass du dieser Mensch sein könntest. Und denke, dass du potenziell noch tiefer fallen könntest. Und denke daran, dass du in diesem Moment einen Schatz in den Händen hältst, nämlich die Barmherzigkeit Gottes. Bitte – das sage ich den Priestern –, werdet nicht müde zu verzeihen! Seid Verzeihende! Werdet nicht müde zu verzeihen, wie Jesus es tat. Versteckt euch nicht hinter Ängsten oder hinter Strenge. Wie diese Schwester und alle, die die gleiche Arbeit tun wie sie nicht zornig werden, wenn sie den Kranken schmutzig oder in üblem Zustand vorfinden, sondern ihm dienen, ihn säubern, ihn pflegen, so sollt auch ihr, wenn der Beichtende kommt, nicht übel gesinnt, nicht neurotisch sein, ihn nicht aus dem Beichtstuhl vertreiben und ihn nicht ausschimpfen. Jesus umarmte sie. Jesus liebte sie. Morgen feiern wir den heiligen Matthäus. Wie der gestohlen hat! Und außerdem, wie er sein Volk betrogen hat! Und das Evangelium sagt, dass Jesus am Abend bei ihm zu Gast war, um mit ihm und seinesgleichen zu essen. Der heilige Ambrosius sagt etwas, das mich sehr bewegt: »Wo Barmherzigkeit ist, da ist der Geist Jesu. Wo Strenge herrscht, da sind nur seine Diener.«

Bruder Priester, Bruder Bischof, hab‘ keine Angst vor der Barmherzigkeit! Lass sie durch deine Hände, durch deine verziehende Umarmung fließen, denn der Mensch, den du vor dir hast, ist der Geringste. Und deshalb ist es Jesus.

Das ist es, was mir zu sagen in den Sinn gekommen ist, nachdem ich diese beiden Propheten gehört habe. Möge der Herr uns diese Gnade gewähren, die sie in unsere Herzen gesät haben: Armut und Barmherzigkeit. Denn dort ist Jesus.


 

Wir haben uns in dieser historischen Kathedrale versammelt, um mit den Psalmen die Treue Gottes zu seinem Volk zu besingen und Dank zu sagen für seine Gegenwart, für seine unendliche Barmherzigkeit. Von Treue und Barmherzigkeit sprechen uns nicht nur die Wände dieses Gebäudes, sondern auch einige „ergraute Häupter“ – eine lebendige Erinnerung und Vergegenwärtigung des Psalmwortes: »Ewig währt seine Huld, von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.« Brüder und Schwestern, lasst uns gemeinsam Dank sagen!

Danken wir für die Gegenwart des Geistes mit dem Reichtum der verschiedenen Charismen auf dem Antlitz so vieler Missionare, die auf diese Inseln gekommen sind und schließlich Kubaner unter Kubanern waren – ein Zeichen seiner ewig währenden Huld.

Das Evangelium zeigt uns Jesus im Gespräch mit seinem Vater, es stellt uns ins Zentrum der Vertrautheit zwischen dem Vater und dem Sohn, die zu Gebet wird. Als sich seine Stunde näherte, betete Jesus zum Vater für seine Jünger, für diejenigen, die bei ihm waren, und für die, welche kommen sollten (vgl. Joh 17,20). Es tut uns gut, daran zu denken, dass Jesus in der für ihn entscheidenden Stunde das Leben der Seinen, unser Leben ins Gebet aufnimmt. Und er bittet seinen Vater, sie in der Einheit und in der Freude zu bewahren. Jesus kannte das Herz der Seinen gut, er kennt unser Herz gut. Darum betet er, er bittet seinen Vater, damit sie nicht von einem Bewusstsein eingenommen werden, das zur Isolierung neigt, dazu, sich in die eigenen Sicherheiten, die eigene Geborgenheit, die eigenen Räume zurückzuziehen; sich nicht um die anderen zu kümmern, indem sie sich auf kleinen „Gutshöfen“ niederlassen, die das vielgestaltige Gesicht der Kirche zersplittern. Das sind Situationen, die in individualistischer Traurigkeit enden, in einer Traurigkeit, die nach und nach Unmut, ständige Klage und Eintönigkeit aufkommen lässt. »Das ist nicht Gottes Wille für uns, das ist nicht das Leben im Geist« (Evangelii gaudium, 2), zu dem Jesus sie einlud, zu dem er uns einlud. Darum betet er und bittet, dass die Traurigkeit und die Isolierung unser Herz nicht einnehmen. Wir wollen dasselbe tun, wir wollen uns dem Gebet Jesu, seinen Worten anschließen, um gemeinsam zu sagen: »Vater, bewahre sie in deinem Namen […] damit sie eins sind wie wir« (Joh 17,11) »und damit ihre Freude vollkommen wird« (vgl. Joh 15,11).

Jesus betet und lädt uns ein zu beten, weil er weiß, dass es Dinge gibt, die wir nur als Gabe erhalten können, Dinge, die wir nur als Geschenk leben können. Die Einheit ist eine Gnade, die uns nur der Heilige Geist geben kann; unsere Aufgabe ist es, darum zu bitten und unser Bestes zu tun, um durch diese Gabe verwandelt zu werden.

Häufig wird Einheit verwechselt mit Einheitlichkeit, damit, dass alle dasselbe tun, empfinden und sagen. Das ist aber nicht Einheit; das ist Homogenität. Es bedeutet, das Leben des Geistes auszulöschen, es bedeutet, die Charismen zu ersticken, die er zum Wohl seines Volkes verteilt hat. Die Einheit wird jedes Mal bedroht, wenn wir die anderen als unser Abbild und uns ähnlich gestalten wollen. Darum ist die Einheit eine Gabe und nicht etwas, das man mit Gewalt oder per Dekret aufzwingen kann. Ich freue mich, euch hier zu sehen, Männer und Frauen verschiedenen Alters, aus divergierenden Zusammenhängen und mit unterschiedlichen Biographien, vereint durch das gemeinsame Gebet. Bitten wir Gott, dass er in uns den Wunsch nach Nähe wachsen lasse. Dass wir „Nächste“ sein, einander nahe sein können, mit unseren Verschiedenheiten, Macken, Stilen, aber nahe. Mit unseren Diskussionen und Streitereien, indem wir offen reden und nicht hinter dem Rücken. Dass wir volksnahe Hirten sind, dass wir uns von unseren Leuten in Frage stellen und befragen lassen. Die Konflikte, die Diskussionen sind in der Kirche wünschenswert, und ich wage sogar zu sagen: notwendig. Sie sind ein Zeichen, dass die Kirche lebendig ist und dass der Geist weiter wirkt, sie weiter in Schwung hält. Weh den Gemeinschaften, wo es weder ein Ja noch ein Nein gibt! Sie sind wie diese Ehen, in denen nicht mehr diskutiert wird, weil man das Interesse verloren hat, weil man die Liebe verloren hat.

An zweiter Stelle betet der Herr, dass wir von derselben vollkommenen Freude erfüllt sein mögen, die er besitzt (vgl. 17,13). Die Freude der Christen und besonders die der Geweihten ist ein ganz deutliches Zeichen der Gegenwart Christi in ihrem Leben. Wenn es traurige Gesichter gibt, ist das ein Warnsignal, dann stimmt etwas nicht. Und Jesus erbittet dies vom Vater ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als er sich anschickt, zum Ölberg zu gehen, als er sein „Fiat“ erneuern muss. Ich zweifle nicht, dass ihr alle die Last nicht weniger Opfer tragen müsst und dass für einige die Opfer seit Jahrzehnten drückend sind. Jesus betet – auch von seinem Opfer aus –, dass wir nicht die Freude darüber verlieren, zu wissen, dass er die Welt besiegt. Diese Gewissheit ist es, die uns antreibt, Morgen für Morgen unseren Glauben neu zu bekräftigen. »Mit einem Feingefühl, das uns niemals enttäuscht und uns immer die Freude zurückgeben kann, erlaubt er uns [mit seinem Gebet und seinem Abglanz auf dem Angesicht unseres Volkes], das Haupt zu erheben und neu zu beginnen« (Evangelii gaudium, 3). Wie wichtig, welch ein kostbares Zeugnis für das Leben des kubanischen Volkes ist es, immer und überall diese Freude auszustrahlen, trotz der Müdigkeit, der Skepsis, sogar der Hoffnungslosigkeit, die eine sehr gefährliche Versuchung ist, welche die Seele zerfrisst!  

Brüder und Schwestern, Jesus betet, dass wir eins seien und dass seine Freude in uns bleibe. Tun wir dasselbe und vereinen wir uns miteinander im Gebet!

  



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