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BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
ZUM 700. TODESTAG DER HL. NOTBURGA

 

Meinem verehrten Bruder
Dr. Manfred Scheuer
Bischof von Innsbruck

Mit einem besonderen Gedenkjahr ehrt die Diözese Innsbruck und mit ihr die ganze alpenländische Region die heilige Notburga anlässlich der Siebenhundertjahrfeier ihres Heimgangs zum himmlischen Vater. Notburga wird als Heilige aus dem Volk verehrt. Sie besaß weder großen Wohlstand noch hohe Bildung – und zugleich wusste sie, worauf es wirklich ankommt im Leben; sie war eine einfache Frau, die mit ihrer Hände Arbeit ihr tägliches Auskommen finden musste. Sie stammte aus der bodenständigen Bevölkerung des Landes Tirol. Sie war so, wie die Menschen dort sind. Und diese können werden, was sie jetzt ist.

Im Evangelium gibt es eine verborgene Seligpreisung, in der es um die Treue im Kleinen geht. Jesus verweist auf den klugen Verwalter, der den Dienern zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen. Und er lobt diesen Menschen, wenn er sagt: Selig, den der Herr, wenn er kommt, damit beschäftigt findet. »Amen, das sage ich euch, er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen« (vgl. Mt  24,45–47 par). Auch Notburga bewährte sich in der tagtäglichen treuen und freudigen Erfüllung ihrer wechselnden wie auch oft mühevollen Dienste. Bei allen Tätigkeiten ging es ihr zuerst um das Wohl der Menschen. Deshalb wandte sie ihre Liebe vor allem den Kleinen zu – denen, die Hilfe brauchten. In den knapp fünfzig Jahren ihres irdischen Lebens wurde Notburga den Armen und Bedürftigen in vielfältiger Weise zur helfenden Hand Gottes. Sie verteilte an die Armen, was bei Tisch übrig blieb, und auch das, was sie sich durch persönliches Fasten vom Mund absparte. Auch die Zurücksetzung, ja sogar ihre Entlassung ertrug sie mit einem demütigen und großen Herzen. Sie wusste, dass jeder Verzicht, jedes »Sterben« eines Teils von uns selbst eine besondere Weise der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus ist und mehr Raum schafft für Gottes Liebe, deren Gefäße wir sind.

Die heiligmäßige Magd erkannte, dass sie all ihre guten Werke nur tun konnte, wenn sie Christus, dem allein Heiligen, in sich Raum gab. Daher war ihr auch die Heiligung des Sonntags ein großes Anliegen. Gegenüber dem ungerechten Anspruch ihres Brotgebers beharrte Notburga auf dem Recht, am Tag des Herrn die Arbeit unterbrechen zu dürfen. Sie warf die Sichel in die Höhe, wie es die Legende erzählt, und diese blieb an einem Sonnenstrahl hängen. Gott setzt aller menschlichen Hybris ein Ende.

Ohne den heiligen Raum und die heilige Zeit, ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben. Der Sonntag gibt uns nicht nur die verdiente Ruhepause, er schenkt uns auch die Gnade der Begegnung mit dem Schöpfer und der Quelle allen Lebens, dem Leben in Person. In ihm haben wir unseren Anfang und unser Ziel, in ihm finden wir Erlösung und Liebe. Ohne den, der unser Leben trägt, bleibt unser Leben leer. Diese Mitte auszulassen oder zu verraten, würde dem Leben selbst seinen Grund nehmen, seinen Sinn und seine Schönheit.

Notburga verstand ihr Leben als Gabe und Sendung. Das, was Gott ihr geschenkt hatte, behielt sie nicht für sich, sondern gab es weiter. So hat sie das Heilshandeln Gottes in der Welt sichtbar gemacht. Darin fährt sie als unsere Fürsprecherin im Himmel fort. Möge die heilige Notburga weiterhin ihre schützenden Hände über das Alpenland und seine Bewohner halten. Mit diesem Gebetswunsch erteile ich allen, die an den liturgischen Feiern und Veranstaltungen des Gedenkjahres zu Ehren der heiligen Notburga teilnehmen, von Herzen den erbetenen Apostolischen Segen.

 

Aus dem Vatikan, 3. September 2013

FRANZISKUS

 


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