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ANTWORTSCHREIBEN VON PAPST FRANZISKUS
AN KARD. MARX UND LANDESBISCHOF DR. BEDFORD-STROHM
ZUM REFORMATIONSGEDENKEN 2017

 

Sehr geehrter Herr Kardinal Marx,
sehr geehrter Herr Landesbischof Dr. Bedford-Strohm,

ganz herzlich danke ich Ihnen für Ihr Schreiben vom 8. Dezember mit der ausführlichen Übersicht über das gemeinsame Reformationsgedenken 2017 in Deutschland. Voll Dankbarkeit und Freude in unserem gemeinsamen Herrn Jesus Christus denke auch ich zusammen mit Ihnen an die großen ökumenischen Momente im nun zu Ende gegangenen Gedenkjahr der Reformation zurück. Als katholische und evangelische Christen begingen wir zusammen mit vielen unserer Brüder und Schwestern in ökumenischer und internationaler Gemeinsamkeit feierlich den Beginn des Reformationsgedenkjahres am 31. Oktober 2016 im schwedischen Lund, dem Gründungsort des Lutherischen Weltbundes.

Mit großer Freude konnten wir feststellen, dass die zurückliegenden fünfhundert Jahre der zum Teil sehr schmerzlichen Trennungsgeschichte zwischen evangelischen und katholischen Christen in den letzten fünfzig Jahren in eine wiedergefundene Gemeinschaft im ökumenischen Dialog übergegangen sind. Alte Vorurteile konnten dabei auf beiden Seiten überwunden werden. Hervorheben möchte ich besonders die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahre 1999 und das Dokument Vom Konflikt zur Gemeinschaft. Gemeinsames Lutherisch-Katholisches Reformationsgedenken 2017 zwischen der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund. Erwähnen möchte ich auch das Gemeinsame Wort der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Jahr 2017 mit dem Titel Erinnerungen heilen – Jesus Christus bezeugen.

Aufgrund dieser im ökumenischen Dialog auf nationaler und internationaler Ebene sorgfältig erarbeiteten Konsensdokumente können wir heute voll Zuversicht in eine Zukunft blicken, in welcher der Streit des sechzehnten Jahrhunderts beendet und die Gründe für wechselseitige Verurteilungen weitgehend entfallen sein werden. Weil aber Stabilität und Dauerhaftigkeit im ökumenischen Dialog nicht selbstverständlich sind, gilt es darauf zu achten, nicht mehr hinter die bereits erreichte Verständigung zurückzufallen. Das Reformationsgedenken hat uns gezeigt, dass es auch in Zukunft nicht ohne Ökumene gehen wird, sondern nur mit ihr. Sie ist wahrhaft zu einem Herzensanliegen geworden, wie es die vielen gemeinsamen Gottesdienste und Zusammenkünfte im vergangenen Jahr weltweit und gerade auch in Deutschland verdeutlicht haben. Meiner festen Überzeugung nach bleibt das Gebet zum Herrn die »Seele der ökumenischen Erneuerung und der Sehnsucht nach der Einheit« (vgl. Ut unum sint, 28).

Als katholische und evangelische Christen sind wir heute gemeinsam dazu berufen, das Leid und die Not der Armen, Verfolgten und Notleidenden dieser Welt zu lindern, wo immer wir es vermögen, worauf Sie ebenfalls in Ihrem Schreiben nachdrücklich hingewiesen haben. Besonders die Glaubenskraft der wegen ihrer christlichen Überzeugung bedrängten Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt ist ein Ansporn für uns, eine immer tiefere Geschwisterlichkeit unter uns Christen zu erreichen.

Auf dem Weg zur vollen, sichtbaren Einheit der Christen sind wir eingeladen, einander in unserem geistlichen und praktischen Leben und im geduldigen theologischen Dialog immer weiter und stärker zu helfen. Man kann einen ökumenischen Dialog nicht führen, wenn man stehen bleibt. Ausgehend vom Jahr des gemeinsamen Reformationsgedenkens ist das Gebot der Stunde, das gemeinsam Erreichte zu vertiefen und weiter voranzuschreiten. Besonders erfreulich ist daher Ihr Mut machendes Beispiel einer solchen ökumenischen Weggemeinschaft in Deutschland, wie sie sich eindrucksvoll im nun zu Ende gegangenen Reformationsgedenkjahr als Jahr der gemeinsamen Umkehr und Hinkehr zu unserem

Herrn Jesus Christus gezeigt hat. Wir wollen weiter dafür sorgen, dass unser Christsein immer ökumenischer wird und dass allgemein die Seelsorge in all ihren Bereichen missionarisch offen ist. Ich danke Ihnen für alles, was Sie für die Einheit der Christen tun, und bitte Sie, auch für mich zu beten. So wünsche ich Ihnen von Herzen Gottes reichen Segen für Ihr zukünftiges Wirken und den Frieden des Heiligen Geistes, der zusammenführt, was noch getrennt ist.

Aus dem Vatikan, am 31. Januar 2018

FRANZISKUS

 



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