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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
NACH KUBA, IN DIE VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
UND BESUCH DER VEREINTEN NATIONEN

(19.-28. SEPTEMBER 2015)

GRUSSWORTE DES HEILIGEN VATERS
AN DIE JUGENDLICHEN DES KULTURZENTRUMS "PADRE FÉLIX VARELA"

Havanna
Sonntag, 20. September 2015

[Multimedia]


 

Ansprache des Heiligen Vaters

Ihr steht, und ich sitze. Was für eine Schande! Doch ihr sollt wissen, warum ich mich gesetzt habe: weil ich mir einige Notizen gemacht habe zu dem, was unser Kamerad gesagt hat, und darüber möchte ich sprechen. Ein Wort ist mit besonderem Nachdruck gefallen: träumen. Ein lateinamerikanischer Schriftsteller hat gesagt, dass wir Menschen zwei Augen haben: eines aus Fleisch und eines aus Glas. Mit dem fleischlichen Auge sehen wir das, was wir erblicken, mit dem Glasauge sehen wir das, was wir erträumen. Schön, nicht wahr?

In die Objektivität des Lebens muss die Fähigkeit zu träumen eindringen. Und ein junger Mensch, der nicht zu träumen vermag, befindet sich in der „Klausur“ seiner selbst, ist in sich selbst eingeschlossen. Jeder träumt manchmal Dinge, die nie eintreffen… Doch träume von ihnen, ersehne sie, suche Horizonte ab, öffne dich, öffne dich für Großes! Ich weiß nicht, ob man in Kuba das Wort gebraucht, aber wir Argentinier sagen: „No te arrugues!“ Nicht den Mut verlieren, öffne dich! Öffne dich und träume! Träume, dass die Welt mit dir anders sein kann! Träume, dass du, wenn du dein Bestes gibst, dazu beitragen wirst, dass diese Welt anders wird! Vergesst das nicht, träumt! Manchmal entgleitet es eurer Kontrolle, und ihr träumt allzu sehr, und dann schneidet euch das Leben den Weg ab. Macht nichts, träumt! Und erzählt eure Träume! Erzählt, sprecht von den großen Dingen die ihr ersehnt, denn je größer die Fähigkeit zu träumen ist, umso länger ist die Strecke, die du gegangen bist, wenn dich das Leben auf halbem Weg zurücklässt. Darum vor allem träumen!

Du hast da einen kleinen Satz gesagt, den ich hier schriftlich in deinem Beitrag hatte, aber ich habe ihn unterstrichen und einige Notizen dazu gemacht: dass wir den aufzunehmen und zu akzeptieren wissen, der anders denkt als wir. Tatsächlich sind wir manchmal verschlossen. Wir begeben uns in unsere kleine Welt: „Entweder ist es so wie ich will, oder es ist nichts zu machen.“ Und du bist noch weiter gegangen: dass wir uns nicht in die „Konventikel“ der Ideologien oder in die „Konventikel“ der Religionen einschließen sollen. Dass wir wachsen mögen angesichts der Individualismen. Wenn eine Religion zum Konventikel wird, verliert sie das Beste, was sie besitzt, verliert sie ihr eigentliches Wesen, nämlich Gott anzubeten, an Gott zu glauben. Dann ist sie ein Konventikel. Ein Konventikel aus Worten, aus Gebeten, aus einem „ich bin gut, ihr seid schlecht“, aus moralischen Prinzipien. Und wenn ich an meiner Ideologie, meiner Denkweise festhalte und du an deiner, dann schließe ich mich in diesen Konventikel der Ideologie ein.

Offenes Herz, offener Geist. Wenn du anders denkst als ich, warum sollten wir nicht darüber sprechen? Warum streiten wir immer über das, was uns trennt, über das, worin wir uns unterscheiden? Warum reichen wir uns nicht die Hand in dem, was wir gemeinsam haben? Wir sollten den Mut fassen, über das zu sprechen, was wir gemeinsam haben. Und danach können wir über das sprechen, was uns unterscheidet und worin wir unterschiedlicher Ansicht sind. Ich sage aber: sprechen. Ich sage nicht: streiten. Ich sage nicht: uns verschließen. Ich sage nicht: „tratschen“, um dein Wort zu gebrauchen. Das ist aber nur möglich, wenn ich über das zu sprechen vermag, das ich mit dem anderen gemeinsam habe, über das, was uns befähigt, gemeinsam zu arbeiten. In Buenos Aires war eine Gruppe junger Universitätsstudenten dabei, in einer neuen Pfarrei in einer sehr, sehr armen Zone einige Pfarrsäle zu bauen. Und der Pfarrer sagte mir: „Kommen Sie doch einmal an einem Samstag, dann stelle ich sie Ihnen vor.“ Samstags und sonntags arbeiteten sie an dem Bau. Es waren Jungen und Mädchen von der Universität. Ich kam und sah sie, und sie wurden mir vorgestellt: „Das ist der Architekt, er ist Jude; dieser ist Kommunist, der hier ist praktizierender Katholik, dieser ist…“ Alle waren verschieden, aber alle arbeiteten gemeinsam für das Gemeinwohl. Das bedeutet soziale Freundschaft, das Gemeinwohl suchen. Die soziale Feindschaft zerstört. Und durch die Feindschaft wird eine Familie zerstört. Durch die Feindschaft wird ein Land zerstört. Durch die Feindschaft wird die Welt zerstört. Und die größte Feindschaft ist der Krieg. Und heute sehen wir, dass die Welt dabei ist, sich durch den Krieg zu zerstören. Denn sie sind unfähig, sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu sprechen: „Gut, verhandeln wir. Was können wir gemeinsam tun? Worin werden wir nicht nachgeben? Aber lasst uns keine Menschen mehr töten!“ Wenn es Spaltung gibt, gibt es Tod. Gibt es den Tod in der Seele, denn wir töten die Fähigkeit, Einheit zu bilden. Dann töten wir die soziale Freundschaft. Und das ist es, worum ich euch heute bitte: Seid fähig, soziale Freundschaft zu bilden!

Dann habe ich ein weiteres Wort unterstrichen, das du gesagt hast. Das Wort „Hoffnung“. Die Jugendlichen sind die Hoffnung eines Volkes. Das hören wir überall. Doch was ist Hoffnung? Bedeutet es, Optimisten zu sein? Nein. Der Optimismus ist eine seelische Verfassung.. Wenn du morgen mit Leberschmerzen aufwachst, bist du kein Optimist, dann siehst du alles schwarz. Die Hoffnung ist mehr. Die Hoffnung ist geduldig. Die Hoffnung versteht zu leiden, um einen Plan voranzubringen, sie weiß sich aufzuopfern. Bist du fähig, dich für eine Zukunft zu opfern, oder willst du nur die Gegenwart leben, und die nächsten Generationen sollen sehen, wie sie zurechtkommen? Die Hoffnung ist fruchtbar. Die Hoffnung schenkt Leben. Bist du imstande, Leben zu schenken, oder bist du ein geistig steriler Junge bzw. ein geistig steriles Mädchen, unfähig Leben für die anderen zu schaffen, unfähig, soziale Freundschaft zu schaffen, unfähig, Heimat zu schaffen, unfähig, Großes zu schaffen? Die Hoffnung ist fruchtbar. Die Hoffnung widmet sich der Arbeit.

Hier möchte ich ein sehr schwerwiegendes Problem erwähnen, das zurzeit in Europa erlebt wird: die Menge der jungen Menschen, die keine Arbeit haben. Es gibt Länder in Europa, in denen vierzig Prozent der Jugendlichen unter fünfundzwanzig Jahren arbeitslos sind. Ich denke da an ein bestimmtes Land. In einem anderen sind es siebenundvierzig Prozent, in einem anderen fünfzig. Ein Volk, das sich nicht darum kümmert, den Jugendlichen Arbeit zu geben, ein Volk – und wenn ich „Volk“ sage, dann sage ich nicht „Regierung“ –, das ganze Volk, das sich nicht um die Menschen kümmert, darum, dass diese Jugendlichen Arbeit haben: Es ist klar, dass ein solches Volk keine Zukunft hat.

Die Jugendlichen werden zu einem Teil der Wegwerfkultur. Und wir wissen alle, dass heute in diesem Reich des „Götzen Geld“ Dinge weggeworfen werden und Menschen weggeworfen werden. Kinder werden weggeworfen, weil man sie nicht will, oder man tötet sie vor der Geburt. Die Alten werden weggeworfen – ich spreche von der Welt allgemein –, die Alten werden weggeworfen, weil sie nichts mehr produzieren. In einigen Ländern gibt es ein Euthanasiegesetz, aber in vielen anderen gibt es eine verborgene, verhüllte Euthanasie. Die jungen Menschen werden weggeworfen, weil man ihnen keine Arbeit gibt. Was bleibt dann einem Jugendlichen ohne Arbeit? In einem Land, in einem Volk, das keine Arbeitsmöglichkeiten für seine Jugend erfindet, bleiben diesem jungen Menschen nur, der Sucht zu verfallen oder seinem Leben selbst ein Ende zu bereiten oder aber herumzulaufen auf der Suche nach Streitkräften, die alles zerstören und Kriege anzetteln. Diese Wegwerfkultur bekommt uns allen schlecht, sie nimmt uns die Hoffnung. Und Hoffnung ist das, was du für die Jugendlichen gefordert hast: Wir wollen Hoffnung. Eine Hoffnung, die geduldig, arbeitsam und fruchtbar ist; die uns Arbeit gibt und uns vor der Wegwerfkultur errettet. Und diese Hoffnung versammelt, sie ruft alle zusammen, denn ein Volk, das sich selbst „zusammenzurufen“ weiß, um auf die Zukunft zu schauen und soziale Freundschaft zu bilden – wie du gesagt hast, auch wenn man unterschiedliche Ansichten hat –, ein solches Volk hat Zukunft.

Wenn ich einem jungen Menschen ohne Hoffnung begegne – ich habe es schon einmal gesagt –, dann ist das für mich ein „pensionierter“ Jugendlicher. Es gibt junge Menschen, die anscheinend mit zweiundzwanzig Jahren in Pension gehen. Das sind Jugendliche mit einer existentiellen Traurigkeit. Es sind Jugendliche, die ihr Leben einem prinzipiellen Defätismus verschrieben haben. Jugendliche, die klagen, Jugendliche, die vor dem Leben fliehen. Der Weg der Hoffnung ist nicht leicht, und man kann ihn nicht alleine gehen. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das besagt: „Wenn du schnell gehen willst, geh‘ allein; wenn du aber weit kommen willst, dann gehe in Begleitung.“ Und ich bitte euch, junge Kubaner, dass ihr, auch wenn ihr unterschiedliche Denkweisen habt, auch wenn ihr unterschiedlicher Ansichten seid, in Begleitung geht, gemeinsam, auf der Suche nach der Hoffnung, auf der Suche nach der Zukunft und der Noblesse der Vaterlandes.

Wir haben mit dem Wort „träumen“ begonnen, und ich möchte mit einem anderen Wort schließen, das du gesagt hast und das ich oft gebrauche: „die Kultur der Begegnung“. Bitte, dulden wir keine Spaltung untereinander. Gehen wir in Begleitung, vereint! In wechselseitiger Begegnung, auch wenn wir unterschiedlich denken, unterschiedlich empfinden. Doch es gibt etwas, das uns überragt, und das ist die Größe unseres Volkes, die Größe unseres Vaterlandes, diese Schönheit, diese süße Hoffnung des Heimatlandes ist es, zu der wir gelangen müssen. Vielen Dank.

Gut, ich verabschiede mich mit den besten Wünschen für euch. Ich wünsche euch… alles, was ich euch gesagt habe. Ich wünsche es euch. Ich werde für euch beten. Und ich bitte euch, für mich zu beten. Und wenn jemand unter euch keinen Glauben hat – und nicht beten kann, weil er nicht glaubt –, dann möge er mir wenigstens Gutes wünschen. Gott segne euch, er führe euch auf diesem Weg der Hoffnung zu einer Kultur der Begegnung – unter Vermeidung jener „Konventikel“, von denen unser Kamerad gesprochen hat. Gott segne euch alle!


 

Liebe Freunde,

es ist mir eine große Freude, gerade hier in diesem Kulturzentrum, das für die Geschichte Kubas so bedeutsam ist, bei euch sein zu können. Ich danke Gott, dass er mir die Gelegenheit gegeben hat zu dieser Begegnung mit so vielen Jugendlichen, die mit ihrer Arbeit, ihrem Studium und ihrer Ausbildung das Morgen Kubas erträumen und auch schon Wirklichkeit werden lassen.

Ich danke Leonardo für seine Grußworte. Ganz besonders danke ich ihm, weil er, obwohl er über viele andere sicherlich wichtige und konkrete Dinge wie die Schwierigkeiten, die Ängste, die Zweifel – die so real und menschlich sind – hätte reden können, uns von der Hoffnung gesprochen hat, von diesen Träumen und sehnlichen Wünschen, die kraftvoll im Herzen der jungen Kubaner verankert sind, jenseits ihrer Unterschiede in Bildung, Kultur, Glaubensüberzeugungen oder Ideen. Danke, Leonardo, denn auch mir kommt, wenn ich euch ansehe, als Erstes das Wort Hoffnung in den Sinn und erfüllt mein Herz. Ich kann mir keinen jungen Menschen vorstellen, der bewegungslos und lahm ist, der weder Träume noch Ideale hat und nicht nach Größerem strebt.

Doch was ist die Hoffnung eines jungen Kubaners in diesem Moment der Geschichte? Nicht mehr und nicht weniger als die eines jeden anderen Jugendlichen in jedem beliebigen Teil der Welt. Denn die Hoffnung spricht uns von einer Wirklichkeit, die tief im Menschen verwurzelt ist, unabhängig von den konkreten Umständen und den geschichtlichen Konditionierungen, unter denen er lebt. Sie spricht uns von einem Durst, einem Streben, einer Sehnsucht nach Fülle, nach gelungenem Leben; davon, nach Großem greifen zu wollen, nach dem, was das Herz weitet und den Geist zu erhabenen Dingen wie Wahrheit, Güte und Schönheit, Gerechtigkeit und Liebe erhebt. Doch das bringt eine Gefahr mit sich. Es verlangt bereit zu sein, sich nicht vom Flüchtigen und Verfänglichen verführen zu lassen, von falschen Versprechungen eines leeren Glücks, eines unverzüglichen und egoistischen Vergnügens, eines mittelmäßigen, selbstbezogenen Lebens, das nur Traurigkeit und Bitterkeit im Herzen zurücklässt. Nein, die Hoffnung ist kühn. Sie weiß über die persönliche Bequemlichkeit, über die kleinen Sicherheiten und Kompensationen, die den Horizont verengen, hinauszuschauen, um sich großen Idealen zu öffnen, die das Leben schöner und würdiger machen. Ich möchte jede und jeden Einzelnen von Euch fragen: Was bewegt dein Leben? Was trägst du in deinem Herzen, wohin geht dein Streben? Bist du immer bereit zum Wagnis für etwas Größeres?

Vielleicht könnt ihr mir sagen: „Ja, Pater, die Anziehungskraft dieser Ideale ist groß. Ich spüre ihren Ruf, ihre Schönheit, den Glanz ihres Lichtes in meiner Seele. Doch zugleich ist die Wirklichkeit meiner Schwäche, meiner Kraftlosigkeit zu mächtig, um mich zu entscheiden, den Weg der Hoffnung zu gehen. Das Ziel ist sehr hoch, und meine Kräfte sind gering. Es ist besser, sich mit dem Wenigen zufrieden zu geben, mit Dingen, die vielleicht weniger groß, dafür aber realistischer sind, mehr in Reichweite meiner Möglichkeiten liegen.“ Ich verstehe diese Reaktion; es ist normal, die Last des Gewagten und Schwierigen zu spüren. Doch gebt acht, dass ihr nicht der Versuchung der Ernüchterung erliegt; sie lähmt die Intelligenz und den Willen! Und lassen wir uns auch nicht in die Resignation treiben; sie ist ein radikaler Pessimismus gegenüber allen Möglichkeiten, das Erträumte zu erreichen. Diese Haltungen enden letztlich entweder in einer Flucht aus der Realität in künstliche Paradiese oder darin, sich in den persönlichen Egoismus zurückzuziehen, in eine Art Zynismus, der den Schrei der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Menschlichkeit, der sich um uns herum und in unserem Innern erhebt, nicht hören will.

Was aber tun? Wie kann man Wege der Hoffnung finden in der Situation, in der wir leben? Was muss man tun, damit diese Träume von Fülle, von authentischem Leben, von Gerechtigkeit und Wahrheit eine Wirklichkeit in unserem persönlichen Leben, in unserem Land und in der Welt werden? Ich meine, es gibt drei Gedanken, die hilfreich sein können, um die Hoffnung lebendig zu erhalten.

Die Hoffnung, ein Weg aus Erinnerung und Unterscheidung. Die Hoffnung ist die Tugend dessen, der in irgendeiner Richtung unterwegs ist. Es ist also kein einfaches Gehen aus Freude am Gehen, sondern hat einen Zweck, ein Ziel; und das ist es, was dem Weg Sinn verleiht und ihn erleuchtet. Zugleich nährt sich die Hoffnung aus der Erinnerung; sie umgreift mit ihrem Blick nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit und die Gegenwart. Um im Leben voranzugehen, ist es nicht nur wichtig zu wissen, wohin wir gehen wollen, sondern außerdem auch, wer wir sind und woher wir kommen. Ein Mensch oder ein Volk, das keine Erinnerung pflegt und seine Vergangenheit tilgt, läuft Gefahr, seine Identität zu verlieren und seine Zukunft zu ruinieren. Es braucht also die Erinnerung an das, was wir sind, an das, was unser geistiges und sittliches Erbe ausmacht. Ich glaube, dass dies die Erfahrung und die Lehre des großen Kubaners Pater Félix Varela ist. Und es braucht auch die Unterscheidung, denn es ist wesentlich, sich der Wirklichkeit zu öffnen und zu verstehen, sie furcht- und vorurteilslos zu deuten. Parteiische und ideologische Deutungen sind nutzlos; sie entstellen die Wirklichkeit, damit sie in unsere kleinen vorgefassten Schemen passt, und verursachen immer Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit. Unterscheidung und Erinnerung, denn die Unterscheidung ist nicht blind, sondern wird auf der Grundlage von soliden ethischen, moralischen Kriterien durchgeführt, die helfen zu erkennen, was gut und gerecht ist.

Die Hoffnung, ein begleiteter Weg. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: »Wenn du schnell gehen willst, gehe allein; wenn du weit gehen willst, gehe in Begleitung.« Die Abkapselung oder die Verschließung in sich selbst erzeugt niemals Hoffnung, die Nähe und die Begegnung mit dem anderen hingegen sehr wohl. Alleine gelangen wir nirgendwo hin. Und ebenso baut man mit der Ausschließung für niemanden eine Zukunft auf. Ein Weg der Hoffnung verlangt eine Kultur der Begegnung, des Dialogs, der die Gegensätze und die unfruchtbare Konfrontation überwindet. Eine grundlegende Bedingung dafür ist, dass man die Unterschiede in den Denkweisen nicht als eine Gefahr, sondern als einen Reichtum betrachtet und als einen Wachstumsfaktor. Die Welt braucht diese Kultur der Begegnung, sie braucht junge Menschen, die einander kennenlernen wollen, die einander lieben wollen, die gemeinsam vorangehen und ein Land aufbauen wollen, wie José Martí es sich erträumte: »Mit allen und für das Wohl aller«.

Die Hoffnung, ein solidarischer Weg. Die Kultur der Begegnung muss natürlich zu einer Kultur der Solidarität führen. Ich schätze sehr, was Leonardo zu Beginn gesagt hat, als er von der Solidarität als einer Kraft gesprochen hat, die hilft, jegliches Hindernis zu überwinden. Tatsächlich, ohne Solidarität hat kein Land eine Zukunft. Über jeder anderen Erwägung oder jedem anderen Interesse muss die konkrete und reale Sorge um den Menschen stehen, der mein Freund, mein Gefährte sein kann oder auch jemand, der anders denkt, der seine eigenen Ideen hat, der aber genauso Mensch und genauso Kubaner ist wie ich selbst. Die bloße Toleranz reicht nicht aus, man muss darüber hinausgehen und von einer ängstlichen, defensiven Haltung zu einer Haltung der Aufnahme, der Zusammenarbeit, des konkreten Dienstes und der wirksamen Hilfe übergehen. Habt keine Angst vor der Solidarität, vor dem Dienst, scheut euch nicht, dem anderen die Hand zu reichen, damit niemand am Wegrand liegenbleibt.

Dieser Weg des Lebens wird durch eine erhabenere Hoffnung erleuchtet: durch die Hoffnung, die aus dem Glauben an Christus kommt. Er ist unser Weggefährte geworden und ermutigt uns nicht nur, sondern er begleitet uns, steht uns zur Seite und reicht uns seine Freundeshand. Er, der Sohn Gottes, hat einer wie wir werden wollen, um auch unseren Weg zu gehen. Der Glaube an seine Gegenwart, seine Liebe und seine Freundschaft entflammen und erleuchten all unsere Hoffnungen und Träume. Mit ihm lernen wir, die Wirklichkeit zu erkennen, die Begegnung zu leben, den anderen zu dienen und in Solidarität voranzugehen.

Liebe junge Kubaner, wenn Gott selbst in unsere Geschichte eingetreten und in Jesus Mensch geworden ist, unsere Schwäche und unsere Sünden auf seine Schultern geladen hat, dann habt keine Angst vor der Hoffnung, habt keine Angst vor der Zukunft, denn Gott setzt auf euch, er glaubt an euch, er hofft auf euch.

Liebe Freunde, danke für diese Begegnung. Möge die Hoffnung auf Christus, euren Freund, euch in eurem Leben immer führen. Und bitte vergesst nicht, für mich zu beten! Der Herr segne euch.

 



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