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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DER VOLLVERSAMMLUNG DES
SEKRETARIATS FÜR DIE KOMMUNIKATION
 

Konsistoriensaal
Donnerstag, 4. Mai 2017

[Multimedia]


 

Meine Herren Kardinäle,
liebe Brüder und Schwestern!

Ich freue mich sehr, euch aus Anlass der ersten Vollversammlung des Sekretariats für die Kommunikation zu begrüßen. Ihr seid dabei, das gegenseitige Kennenlernen zu vertiefen und die bisherigen Schritte des Dikasteriums zu prüfen, das ich im Hinblick auf ein neues Kommunikationssystem des Heiligen Stuhls gewollt habe. Außerdem denkt ihr über ein sehr aktuelles und vielsagendes Thema nach: die digitale Kultur. Ich danke dem Präfekten, Msgr. Viganò, für  seine einleitenden Worte und möchte ihm und euch, die ihr hier anwesend seid, ebenso danken wie allen, die auf unterschiedliche Weise zur Vorbereitung der Arbeit dieser Tage beigetragen haben.

Das in der Vollversammlung behandelte Thema gehört zu jenen, die mir sehr am Herzen liegen und das ich bei verschiedenen Anlässen bereits behandelt habe. Es geht darum, neue Kriterien und Wege zu suchen, um das Evangelium der Barmherzigkeit allen Völkern zu übermitteln – im Herzen der verschiedenen Kulturen, und über die Medien, die der neue digitale Kontext unseren Zeitgenossen zur Verfügung stellt. Dieses Dikasterium, das am kommenden 27. Juni zwei Jahre alt wird – zwei Kerzen! –, steht mitten in der Reform. Und wir dürfen keine Angst vor diesem Wort haben. Reform bedeutet nicht, die Dinge ein wenig »weiß anzustreichen«: Reform bedeutet, den Dingen eine andere Form zu geben, sie anders zu organisieren. Und das muss mit Klugheit, Sanftmut geschehen, aber auch, auch – gestattet mir das Wort – mit ein wenig »Gewalt«, aber guter, mit guter Gewalt, um die Dinge zu reformieren. Es befindet sich mitten in der Reform, da es eine neue Realität und nunmehr dabei ist, unumkehrbare Schritte zu gehen.

Denn in diesem Fall handelt es sich nicht um eine Koordinierung oder Zusammenlegung vorhergehender Dikasterien, sondern es geht darum, wirklich ex novo eine Institution zu schaffen, wie ich im Motu proprio zur Einrichtung des Sekretariats geschrieben habe: »Der aktuelle Kontext der Kommunikation, der gekennzeichnet ist von der Existenz und Entwicklung der digitalen Medien, von den Faktoren der Konvergenz und der Interaktivität, macht ein Überdenken des Informationssystems des Heiligen Stuhls notwendig und verpflichtet zu einer Neuorganisation, die schätzt und nutzt, was sich im Lauf der Geschichte auf dem Gebiet der Kommunikation des Apostolischen Stuhls entwickelt hat, und die mit Entschiedenheit in Richtung einer Integration und einheitlichen Verwaltung vorangeht. Aus diesen Gründen«, so fuhr ich fort, »habe ich beschlossen, dass alle Einrichtungen, die sich bisher in irgendeiner Weise mit der Kommunikation befasst haben, in einem neuen Dikasterium der Römischen Kurie zusammengeschlossen werden sollen, das den Namen Sekretariat für die Kommunikation trägt. So wird das Kommunikationssystem des Heiligen Stuhls immer besser den Erfordernissen der Sendung der Kirche entsprechen.«

Dieses neue Kommunikationssystem entsteht aus der Notwendigkeit der sogenannten »digitalen Konvergenz«. Denn in der Vergangenheit hatte jeder Kommunikationsweg seinen eigenen Kanal. Jede Ausdrucksweise hatte ein eigenes Medium: für geschriebene Worte waren dies die Zeitung oder Bücher, für Bilder, Fotos und bewegte Bilder waren es Kino und Fernsehen, für das gesprochene Wort und die Musik waren es Radio und CDs. All diese Kommunikationsformen werden heute über einen einzigen Code übertragen, der sich des binären Systems bedient.

In diesem Rahmen muss der »L’Osservatore Romano«, der ab dem nächsten Jahr zum neuen Dikasterium dazugehören wird, eine neue und andersartige Modalität finden, um eine größere Zahl von Lesern zu erreichen, als dies in gedruckter Form möglich ist. Auch Radio Vatikan, das sich seit Jahren zu einer Reihe von Portalen entwickelt hat, muss neuen Modellen gemäß überdacht und an die modernen Technologien und die Bedürfnisse unserer Zeitgenossen angepasst werden. In Bezug auf die Radioübertragung möchte ich die Anstrengungen unterstreichen, die das Dikasterium zur Rationalisierung der Kurzwellen, die zu keiner Zeit stillgelegt worden sind, in Bezug auf die Länder mit geringer technischer Ausstattung unternimmt (ich denke zum Beispiel an Afrika). Und das möchte ich unterstreichen: Sie sind zu keiner Zeit stillgelegt worden. In einigen Monaten werden auch die Vatikanische Verlagsbuchhandlung, die altehrwürdige Vatikanische Druckerei und, wie bereits gesagt, der »L’Osservatore Romano« der großen Arbeitsgemeinschaft des neuen Dikasteriums beitreten, und das wird die Bereitschaft erfordern, in Einklang zu stehen mit einem neuen Entwurf der Produktion und Distribution. Das ist sehr viel Arbeit, das ist eine große Herausforderung, aber es ist zu schaffen und es muss getan werden.

Die Geschichte ist zweifelsohne ein Schatz von kostbaren Erfahrungen, der bewahrt werden und als Antrieb in Richtung Zukunft eingesetzt werden muss. Andernfalls würde er sich auf ein Museum reduzieren, das zwar interessant und schön zu besichtigen ist, das aber nicht in der Lage ist, Kraft und Mut zu spenden, um den Weg weiterzugehen. In dieser Perspektive des Aufbaus eines neuen Kommunikationssystems muss darüber hinaus der beachtliche Einsatz zur Aus- und Weiterbildung des Personals gesehen werden.

Liebe Brüder und Schwestern, die Arbeit, die euch erwartet, ist umfassend und komplex. Mit dem Beitrag eines jeden einzelnen wird die Reform vollendet werden können, die »nutzt, was sich im Lauf der Geschichte auf dem Gebiet der Kommunikation des Apostolischen Stuhls entwickelt hat« und die auf »eine Integration und einheitliche Verwaltung« (Statut des Kommunikationssekretariats, 6. September 2016) ausgerichtet ist. Daher ermutige ich euch, in den Studienkommissionen mit detaillierten Analysen zu arbeiten und, wenn die Wege gefunden worden sind, den gewählten Kriterien entsprechend mutig zu entscheiden und voranzugehen.

Ich bitte euch zudem, dass das Leitkriterium das Apostolat, die Mission sein soll, mit einer besonderen Aufmerksamkeit für die Situationen der Not, der Armut, der Schwierigkeiten, in dem Bewusstsein, dass auch diese heute mit angemessenen Lösungen in Angriff genommen werden müssen. So wird es möglich sein, das Evangelium zu allen zu bringen, die menschlichen Ressourcen zu nützen, ohne sich an die Stelle der Kommunikation der Ortskirchen zu setzen, und zugleich jene kirchlichen Gemeinschaften zu unterstützen, die dies am meisten brauchen. Wir wollen nicht der Versuchung der Anhänglichkeit an eine ruhmreiche Vergangenheit nachgeben, sondern stattdessen als Team darauf hinarbeiten, immer besser den neuen Herausforderungen auf dem Gebiet der Kommunikation zu entsprechen, die die Kultur uns heute stellt, ohne Ängste und ohne uns apokalyptische Szenarien auszumalen.

Während ich euch erneut meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringe, dass ihr akzeptiert habt, in diesem so wichtigen und heiklen Bereich der Sendung der Kirche zu arbeiten, möchte ich meinen Gruß und Dank auch den kürzlich ernannten Konsultoren zukommen lassen. Ich ermahne euch, ein Zeugnis der Zusammenarbeit und des geschwisterlichen Teilens zu geben, während ich auf euch alle den Segen des Herrn herabrufe, auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, die mit ihrer Zärtlichkeit stets über uns wachen möge.

 


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