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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE INTERNATIONALE GEMISCHTE KOMMISSION
FÜR DEN THEOLOGISCHEN DIALOG ZWISCHEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE
UND DEN ORIENTALISCH ORTHODOXEN KIRCHEN

Freitag, 1. Februar 2019

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Liebe Brüder!

»Siehe, wie gut und wie schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen« (Ps 133,1). Mit diesen Psalmworten heiße ich euch herzlich willkommen und danke euch für euren Einsatz, um Wege der Einheit zu gehen und dies in brüderlichem Geist zu tun! Es ist mir eine Freude, euch alle zwei Jahre in Rom aus Anlass eures Dialogs zu empfangen, der im letzten Jahr auf Einladung der Armenischen Apostolischen Kirche am Sitz von St. Etschmiadsin stattgefunden hat. Durch euch schließe ich in meinen Gruß auch die verehrten und lieben Brüder und Oberhäupter der orientalisch-orthodoxen Kirchen ein. Für seine herzlichen Worte danke ich Bischof Kyrillos, dem neuen Ko-Präsidenten der Kommission, dem ich mein Gebet zusichere sowie von Herzen erfolgreiche Arbeit wünsche. Dankbar möchte ich ebenfalls an seinen Vorgänger, Metropolit Anba Bishoy, erinnern, den kürzlich verstorbenen ersten Ko-Präsidenten. Ich schließe mich eurem Gebet für ihn an.

Am Ende dieser Arbeitswoche, der 16. Sitzung eurer Kommission, können wir dem Herrn gemeinsam danken für die Früchte, die wir auf unserem Weg bereits geerntet haben. Euer Dialog veranschaulicht sehr schön, dass in Bezug auf »Orient und Abendland« die verschiedenartigen theologischen Formeln oft mehr von einer gegenseitigen Ergänzung als von einer Gegensätzlichkeit« zeugen (Unitatis redintegratio, 17), wie das Zweite Vatikanische Konzil erklärt hat, dessen Ankündigung vor 60 Jahren wir vor wenigen Tagen gedacht haben.

Ich hoffe, dass eure aktuelle Reflexion über die Sakramente uns helfen möge, den Weg zur vollen Einheit, zur gemeinsamen Feier der heiligen Eucharistie weiterzugehen, und ermutige euch. Ihr habt diese Sitzung der Reflexion über das Ehesakrament gewidmet. Ich denke gerne daran, was das Buch Genesis sagt: »Gott erschuf den Menschen als sein Bild […], männlich und weiblich erschuf er sie« (Gen 1,27). Der Mensch entspricht dem Bild Gottes dann ganz, wenn er nicht allein ist, sondern in einer dauerhaften Gemeinschaft der Liebe lebt, weil Gott Gemeinschaft der Liebe ist. Ich bin sicher, dass eure Arbeit, die in einer Atmosphäre großer Eintracht stattgefunden hat, der Familie der Kinder Gottes, der Braut Christi, zugute kommen wird, die wir vor den Herrn bringen möchten »ohne Flecken oder Falten« (Eph 5,27), ohne Verletzungen und Spaltungen, sondern in der Schönheit der vollen Einheit. Viele von euch gehören Kirchen des Nahen Ostens an, die schrecklich geprüft werden von Krieg, Gewalt und Verfolgung.

Bei dieser Begegnung mit euch gehen meine Gedanken zurück zum Treffen von Bari, wo wir als Kirchenoberhäupter zu einem intensiv erlebten Tag des Gebets und der Reflexion über die Situation im Nahen Osten versammelt waren. Und ich wünsche mir, dass es möglich sein wird, diese Erfahrung zu wiederholen. Ich möchte alle Gläubigen des Nahen Ostens meiner Nähe, meines beständigen Gedenkens und meines Gebets versichern, damit jene im Heilsplan Gottes einzigartige Region nach der langen Nacht gewaltsamer Konflikte das Morgenrot des Friedens erahnen kann. Der Nahe Osten muss Land des Friedens werden, er darf nicht weiter Terrain der Konfrontation sein. Der Friede als Folge von Recht und Gerechtigkeit möge an die Stelle des von Macht und Elend geschürten Krieges treten, und auch unsere christlichen Brüder und Schwestern sollen als volle und gleichberechtigte Bürger anerkannt werden (vgl. Ansprache am Ende des Dialogtreffens, Bari, 7. Juli 2018).

Das Leben vieler Heiliger unserer Kirchen ist Same des Friedens, der in jenes Erdreich gesät wurde und im Himmel erblüht ist. Von dort aus mögen sie uns auf unserem Weg zur vollen Einheit unterstützen, einem von Gott gewünschten Weg, ein Weg, der erfordert, nicht den Interessen des Augenblicks entsprechend voranzugehen, sondern in der Folgsamkeit gegenüber dem Willen des Herrn, dass »alle eins sein« sollen (Joh 17,21). Er ruft uns immer mehr zu einem konsequenten Lebenszeugnis und einer echten Suche nach Einheit auf. Der Same dieser Gemeinschaft ist auch dank eurer wertvollen Arbeit aufgekeimt und wird weiterhin getränkt vom Blut der Zeugen der Einheit, dem vielen Blut, vergossen von den Märtyrern unserer Zeit: Mitglieder verschiedener Kirchen, die im gemeinsamen Leiden für den Namen Jesu vereint sind und jetzt dieselbe Herrlichkeit teilen. Liebe Brüder, während ich euch erneut von Herzen für euren Besuch danke, rufe ich mit ihrer Fürsprache auf euch und euren Dienst den Segen des Herrn herab. Und wenn es euch recht ist, können wir jeder in seiner eigenen Sprache nun gemeinsam das Vaterunser beten.

 



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