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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
NACH MOSAMBIK, MADAGASKAR UND MAURITIUS
(4.- 10. SEPTEMBER 2019)

BESUCH IM KRANKENHAUS VON ZIMPETO

ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS

Maputo
Freitag, 6. September 2019

[Multimedia]


 

Liebe Brüder und Schwestern!

Herzlichen Dank für den warmherzigen und brüderlichen Empfang und besonders für deine Worte, Cacilda. Danke für dein Leben und dein Zeugnis, die zum Ausdruck bringen, dass das medizinische Zentrum „Sankt Ägidius“ in Zimpeto ein Beweis der Liebe Gottes ist, immer bereit, Leben und Hoffnung einzuhauchen, wo Tod und Leid herrschen.

Von Herzen grüße ich die Verantwortlichen, das Pflegepersonal, die Kranken mit ihren Familien und alle hier Anwesenden. Wenn ich sehe, mit wieviel Kompetenz, Professionalität und Liebe ihr so viele Kranke, konkret gesagt, mit AIDS/HIV infizierte Personen aufnehmt, besonders Frauen und Kinder, da fällt mir das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter ein.

Alle, die hier gewesen sind; alle, die von Angst und Verzweiflung erfüllt hier ankommen, ähneln jenem Menschen [aus dem Gleichnis], den man am Straßenrand liegengelassen hatte. Und ihr seid nicht vorübergegangen, ihr habt euren Weg nicht fortgesetzt, wie es andere – der Levit und der Priester – getan haben. Dieses Zentrum zeigt uns, dass es jemand gab, der stehengeblieben ist und Mitgefühl verspürt hat, der nicht der Versuchung nachgegeben hat zu sagen, dass „da nichts zu machen“ ist, dass es „unmöglich ist, dieses Übel zu bekämpfen“ und der sich mit Mut dafür eingesetzt hat, Lösungen zu finden. Wie Cacilda sagte, habt ihr jenen leisen Schrei vernommen, der fast unhörbar von so vielen Frauen, von so vielen Menschen ausgeht, die in der Schande, an den Rand gedrängt und von allen verurteilt leben. Deshalb habt ihr auch dieses Haus vergrößert – wo der Herr mit denen lebt, die sich am Straßenrand befinden, den Krebskranken, den Tuberkulosekranken und den Hunderten von unterernährten Personen, insbesondere Kindern und Jugendlichen.

So werden alle Menschen, die auf verschiedenen Ebenen zu dieser Sanitätseinheit gehören, Ausdruck des Herzens Jesu, auf dass keiner glaube, »ihr Schrei sei auf taube Ohren gestoßen. […] [Es ist] ein Zeichen des Mitfühlens mit den Notleidenden, damit sie die tätige Anwesenheit eines Bruders und einer Schwester spüren. Nicht eine Weitervermittlung brauchen die Armen, sondern das persönliche Engagement jener, die ihren Schrei hören. Die Fürsorge der Gläubigen kann sich nicht auf eine Art Hilfestellung beschränken – auch wenn diese in einem ersten Moment notwendig und willkommen ist –, sondern erfordert jene liebevolle Zuwendung, die den anderen als Person achtet und auf sein Wohl bedacht ist« (Botschaft zum 2. Welttag der Armen, 18. November 2018, 3). Dieser Schrei hat euch dazu gebracht zu verstehen, dass die notwendige medizinische Behandlung nicht ausreicht; ihr habt das Problem in seiner ganzen Tragweite erkannt, den Frauen und den Kindern ihre Würde zurückzugeben und ihnen zu helfen, eine bessere Zukunft ins Auge zu fassen.

Bei diesem gewaltigen Vorhaben, das sich dank eures beständigen Hörens vor euch aufgetan hat, erfuhrt ihr auch eure Grenzen: das Fehlen von Mitteln jeder Art. Das von euch entwickelte Programm hat euch mit anderen Orten in der Welt verbunden. Es ist zugleich ein Beispiel für die Demut, eure Grenzen erkannt zu haben, und für die Kreativität, in einem Netzwerk zu arbeiten. Der selbstlose und freiwillige Einsatz vieler Menschen verschiedener Berufssparten, die ihre wertvolle Hilfe zur Verfügung gestellt haben, um lokale Fachkräfte auszubilden, stellt für sich selbst schon einen großen menschlichen und evangeliumsgemäßen Wert dar.

Zugleich ist es wunderbar zu sehen, wie dieses Hören auf die Schwächsten der Armen, auf die Kranken, uns mit einem anderen brüchigen Teil der Welt in Kontakt bringt: Ich denke hier an die »Krankheitssymptome […], die wir im Boden, im Wasser, in der Luft und in den Lebewesen bemerken. Darum befindet sich unter den am meisten verwahrlosten und misshandelten Armen diese unsere unterdrückte und verwüstete Erde, die „seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8,22)« (Enzyklika Laudato si‘, 2). Wie uns die Skulpturen der Kunst der Makonde lehren – die sogenannten ujamaa, die aus mehreren sich aneinander klammernden Figuren bestehen und den Vorrang der Einheit und der Solidarität über das Individuum deutlich machen –, so müssen wir uns bewusstwerden, dass wir alle Teil desselben Baumes sind. Ihr habt das verstanden, und die Fähigkeit zuzuhören hat euch dazu gebracht, nachhaltige Mittel bei der Suche nach Energie sowie der Wassernutzung und -speicherung einzusetzen. Eure Optionen für geringe Umweltbelastung sind ein ausgezeichnetes Modell, ein nachahmenswertes Beispiel angesichts der bedrohlichen Beschädigung unseres Planeten.

Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter endet damit, dass der Verletzte in eine Herberge gebracht wird, dass dem Wirt ein Teil des Aufwands bereits bezahlt und ihm versichert wird, die ausstehende Summe bei der Rückkehr zu begleichen. Frauen wie Cacilda, ungefähr hunderttausend Kinder, die eine neue Seite in der Geschichte, frei von HIV/Aids, aufschlagen können, und viele andere unbekannte Menschen, die heute lächeln, weil sie würdig in ihrer Würde behandelt wurden; sie alle sind Teil der Bezahlung, die der Herr uns zurückgelassen hat. Sie sind dem Alptraum des Leids entronnen und, ohne ihren Zustand zu verbergen, sind sie durch ihr Sein nun zu einem Hoffnungszeichen für viele Menschen geworden. Mit jenem „Ich träume“ stecken sie viele Menschen an, die noch vom Straßenrand aufgesammelt werden müssen. Was euch betrifft, werdet ihr vom Herrn entlohnt werden, „wenn er wiederkommt“, und das soll euch mit Freude erfüllen: Wenn wir abreisen und wenn ihr zu euren alltäglichen Aufgaben zurückkehrt, wenn keiner euch applaudiert oder lobt, nehmt weiter die auf, die zu euch kommen, und sucht die Verletzten und Niedergeschlagenen an den Rändern … Vergessen wir nicht, dass ihre Namen im Himmel verzeichnet sind und die Beschriftung tragen: „Gesegnete meines Vaters“. Erneuert euren Einsatz, damit man hier weiter die Hoffnung „zur Welt bringen“ kann. Hier wird Hoffnung zur Welt gebracht.

Gott segne euch, liebe Kranke und liebe Angehörige wie auch alle, die euch mit so viel Zuneigung beistehen und euch ermutigen weiterzumachen. Gott segne euch!

 

 



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