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ANSPRACHE VON PAPST PAUL VI.
AN DEN ERZBISCHOF VON KÖLN, JOSEPH HÖFFNER
 

Freitag, 15. Juni 1973

 

Herr Kardinal,
verehrte Mitbrüder im Bischofs- und Hirtenamt!

Es bedeutet für Uns in dieser Pfingstwoche Freude und Trost, eine ausgewählte Gruppe von leitenden Seelsorgern mit ihren Oberhirten in dieser Sonderaudienz empfangen zu können. Seien Sie alle herzlich willkommen hier in Unserem Hause!

"Prope Roman semper!". Dieses Leitwort christustreuer Priester und Seelenhirten war für Sie bestimmend, Ihre diesjährige Dechantenkonferenz in Rom zu halten, bei den Gräbern der Apostelfürsten. Im vergangenen Jahr tagte diese Ihre Konferenz im Heiligen Land. Sie stand damals unter dem Thema «Zurück zu den Ursprüngen». Diese Tage sind Ihnen allen unvergesslich geblieben und trugen reiche geistliche Frucht.

Dürfen Wir Ihnen nun im Rahmen dieser kurzen Begegnung zwei Gedanken mitgeben, die Uns sehr am Herzen liegen?

Stützen Sie sich bei der Wortverkündigung, dem kerygma, vor allem auch auf die Konzilsdokumente. Hier werden Sie immer wieder neue Anregungen finden und eine unerschöpfliche Quelle tiefer theologischer Weisheit. Wir weisen Sie vor allem auf zwei Dokumente hin, die heute besonders aktuell sind: das Dekret Optatam totius Ecclesiae renovationem sowie die Pastoralkonstitution Gaudium et spes. Hier finden wir jene übernatürliche katholische Lehre, die das gläubige Gottesvolk von seinen Priestern erwartet und auf die es ein Anrecht hat als beglückende Antwort auf so viele Probleme der Gegenwart.

Einen zweiten wichtigen Gedanken möchten Wir anfügen. Wie Sie wissen, hat am vergangenen Pfingstsonntag, also im Zeichen des Heiligen Geistes, für die Ortskirchen das Heilige Jahr begonnen. Seine wesentlichen Zielsetzungen sind geistlicher Natur: die Erneuerung der Kirche und die Wiederversöhnung des einzelnen wie der gesamten Menschheit mit Gott. Ein großes Ziel, aber kein utopisches Ziel. Alles ist möglich in der Kraft Gottes, in der Kraft des Heiligen Geistes. Ihnen als aktiven Seelsorgern ist die Durchführung dieses Programms anvertraut. Wir empfehlen Ihnen daher eindringlich, mit Ihren Gläubigen die Andacht zum Heiligen Geist zu pflegen. Er ist ja die Seele der Kirche und das göttliche Prinzip aller Heiligkeit. In unserer glaubensarmen Zeit brauchen wir sein Licht, denn er wird uns alle Wahrheit lehren (vgl. Joh 14, 26); wir bedürfen seines Trostes, denn unsere Zeit ist trotz aller Errungenschaften der Wohlstandsgesellschaft so arm an wahren, bleibenden Freuden; flehen wir täglich - gegenüber so manchem beklagenswerten menschlichen Versagen in unseren Tagen - um seine göttliche Kraft, denn wir wissen wohl, "unsere Kraft kommt von oben" (vgl. Lk 24, 49).

Mit diesen herzlichen Pfingstwünschen erteilen Wir Ihnen, Herr Kardinal, Ihren Weihbischöfen Msgr. Cleven und Msgr. Fratz, wie jedem einzelnen von Ihnen, liebe Mitbrüder im Priesteramt, als Zeichen besonderen Wohlwollens Unseren Apostolischen Segen, in den Wir von Herzen auch alle Ihrem priesterlichen Dienst anvertrauten Pfarrfamilien mit einschließen.

 

© Copyright 1973 - Libreria Editrice Vaticana

  



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