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ANSPRACHE VON PAPST PIUS XII.
AN KATHOLISCHEN FAMILIEN AUS ÖSTERREICH UND DEUTSCHLAND*

Donnerstag, 4. Oktober 1956

 

Wir heißen Sie willkommen, geliebte Söhne und Töchter, Präsidien und Vertreter des Familienbundes der Deutschen Katholiken und des Katholischen Familienverbands Österreichs, die Sie vor Uns erschienen sind, um ein ermunterndes Wort von Uns zu hören und Unseren Segen zu empfangen.

Nun haben ja Unsere hochseligen Vorgänger und Wir selbst oft zu den Fragen der Ehe und Familie Stellung genommen, in den Kundgebungen, die Ihre Uns überreichte Denkschrift aufzählt, aber auch, unmittelbar oder wenigstens mittelbar, noch bei vielen anderen Gelegenheiten, wie in verschiedenen Ansprachen an Ärzte, in Unserer Ansprache an den Verband der Katholischen Hebammen Italiens (29. Okt. 1951 — Discorsi e Radiomessaggi Bd. XIII, S. 333-353), und dann besonders in Unseren Ausführungen zur sozialen Frage und sozialen Ordnung. Sie bedürfen auch kaum der aufmunternden Worte; Sie haben ja in kürzester Zeit in Deutschland eine Million und in Österreich 350.000 Familien für Ihre Sache und Ihre Ziele gewonnen und bereits erhebliche Erfolge aufzuweisen.

Freilich sind die genannten Zahlen auch ein beredter Ausdruck dafür, wie sehr das katholische Volk die Not der Familie empfindet. Und wahrlich, es ist unsagbar, wie gegen die Familie gesündigt worden ist und gesündigt wird — bewusst oder unbewusst — durch den Arbeitsprozess, der sie auseinanderreißt, durch Missbrauch technischer und kultureller Errungenschaften wie durch Missbrauch der Staatsgewalt. — Wir denken dabei unter anderem an die rücksichtslose Ausnutzung der menschlichen Anfälligkeit für immer bequemere Lebenshaltung durch die Erwerbsgier, an den Film und an die laizistische oder gar betont atheistische Zwangsschule. Die Dankbarkeit gegenüber der Göttlichen Vorsehung mahnt Uns aber, gleich beizufügen, dass diese Jahrzehnte der Krise auch die fast unüberwindliche Kraft offenbart haben, die in der christlichen Ehe und Familie aufgespeichert ist. Diese Ehe und Familie hat immer noch und immer wieder, still und unbemerkt, Katastrophen verhindert, die ohne sie der Leichtsinn und die Gewissenlosigkeit einer laisierten und materialistischen Gesellschaft unvermeidbar gemacht hätten.

Wir haben kürzlich in Unserer Botschaft an den Katholikentag in Köln die Katholiken an ihre Aufgabe erinnert, dem materialistischen Zug der Zeit zum Trotz Gott wieder in den Mittelpunkt des Daseins zu stellen und sich ihren Glauben etwas kosten zu lassen. An Ihren Bünden ist es, diese Aufgabe auf dem Gebiet der Ehe und Familie zu bewältigen und dahin zu arbeiten, dass die öffentliche Sitte und die staatlichen Gesetze der Ehe und Familie, Erziehung und Schule nach katholischer Norm freien Raum gewähren. Wir haben auch in Unserer Botschaft vom 14. Sept. 1952 (Discorsi e Radiomessaggi, Bd. XIV, S. 312-313) an den Wiener Katholikentag den österreichischen Katholiken unter dem dreifachen Merkwort: Heilig sei euch die Eheschließung, Heilig sei euch das Eheleben, Heilig sei euch das Familienleben — die innere Erneuerung des katholischen Familienlebens aufgezeigt.

Wir stellen Ihre Bünde unter die Gnadensonne, die ihre Strahlen von der Heiligen Familie in Nazareth aussendet, und erteilen ihnen als Unterpfand der Liebe Jesu, Mariae und Josephs in väterlichem Wohlwollen den Apostolischen Segen.


*Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII, XVIII,
 18. Pontifikatsjahr, 2. März 1956 - 1. März 1957, SS. 519 - 520
 Tipografia Poliglotta Vaticana

 

© Copyright 1956 - Libreria Editrice Vaticana

 

 



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