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ANSPRACHE VON PAPST PIUS XII.
AN DIE MITGLIEDER DES HISTORISCHEN VEREINS FÜR SCHWABEN*

 Sonntag, 28. April 1957

 

Wir entbieten Ihnen den Willkommensgruss, geehrte Herren und Damen vom Historischen Verein für Schwaben.

In einer Kennzeichnung der schwäbischen Eigenart lesen Wir:

« Trotz der landschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Verschiedenheiten sind die Grundzüge des Wesens allen Schwaben gemeinsam. Eine aufrichtige, schlichte, gemütvolle Art, Festigkeit des Charakters, Treue und Pflichtbewusstsein zeichnen den Schwaben aus. Er ist voll schlagenden Mutterwitzes und Unternehmungslust. Jede Konvention und inhaltlose Form lehnt er ab. Gerade heraus, ohne Umschweife und Beschönigung, sagt er seine Meinung... An jeder Sache ihre zwei Seiten zu sehen, ist typisch schwäbisch, ebenso die Neigung zum Ausgleich der Gegensätze ».

Sicher eine wohlwollende Charakteristik! Die Lebendigkeit, Schaffenslust und Ausgeglichenheit des schwäbischen Stammes haben es mit sich gebracht, dass das von ihm besiedelte Gebiet — vom Lech in weit ausholendem Bogen, der Württemberg und Hohenzollern einschließt, bis zu den Quellflüssen der Donau und zum Bodensee — reich, überreich ist an Geschichte und Kultur. Wir sehen in der Stauferzeit den Höhepunkt des geschichtlichen Hervortretens Ihrer schwäbischen Heimat, nicht aber dessen Ende. Schwabens Städte und Menschen haben auch noch in der Folgezeit Geschichte gemacht und große geschichtliche Ereignisse sich auf ihrem Boden abspielen sehen. Wir brauchen unter vielem anderem nur an Augsburg zu erinnern, an seine wirtschaftliche Vormachtstellung unter den Fuggern und Welsern und seine entscheidungsvollen Reichstage im 16. Jahrhundert.

Als Glied des « Volkes der Dichter und Denker » ist Schwaben seinen Beitrag wahrlich nicht schuldig geblieben. Wir möchten aber nur zwei Namen nennen: Ihr Friedrich Schiller ist Schwabe. Der andere, den Wir als Papst nicht übergehen zu dürfen glauben, ist der hl. Albertus Magnus, der größte deutsche Gelehrte des Mittelalters.

An Schöpfungen der Kunst ist der schwäbische Boden überreich. Wir wagen es kaum, Einzelnes hervorzuheben, weil Wir, um nicht parteiisch zu erscheinen, an kein Ende kämen. Eines müssen Wir aber doch nennen: die süddeutschen, und darin die schwäbischen Barockkirchen, Kleinodien der Kunst sind alle ein mächtiger Ruf an die Menschen: Empor die Herzen zu Gott!

Sie durchforschen und durchleuchten die Geschichte Schwabens. Wir loben es, dass Sie nicht bei den großen geschichtlichen Ereignissen und Persönlichkeiten stehen bleiben, sondern allen in Kirche und Staat nachgehen, die zum Wohl Ihrer schwäbischen Heimat beigetragen haben. Die mehr in der Stille wirkten, haben oft, wie überall, dem zeitlichen und ewigen Heil ihrer Mitmenschen am besten gedient.

Wir erhoffen Ihrem geschichtlichen Arbeiten reichen Erfolg und erteilen Ihnen von ganzem Herzen den Apostolischen Segen.


*Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII, XIX,
 19. Pontifikatsjahr, 2. März 1957 - 1. März 1958, SS. 133-134
 Tipografia Poliglotta Vaticana

 



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