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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Messe für Tawadros II.

Am Fest des hl. Markus feiert der Papst die heilige Messe für den koptischen Patriarchen

Dienstag, 25. April 2017
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 19, 12. Mai 2017)

 

Wenige Tage vor der Reise nach Ägypten feierte Papst Franziskus am Dienstag, 25. April, »für meinen Bruder Tawadros II., den Patriarchen von Alexandrien der Kopten« die heilige Messe in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta. »Heute ist der Festtag des heiligen Evangelisten Markus, Gründer der Kirche von Alexandrien«, sagte der Papst, der auch »um die Gnade« bat, »dass der Herr unsere beiden Kirchen mit der Fülle des Heiligen Geistes segne«.

Und gerade die Worte des Markus »am Ende des Evangeliums« (16,15-20), die wir in der heutigen Liturgie hörten, bildeten den Leitfaden der Betrachtung des Papstes: »Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.« In diesem Auftrag, so Franziskus, »liegt die Sendung, die Jesus seinen Jüngern überträgt: die Sendung, das Evangelium zu verkündigen, das Evangelium auszurufen.« Und »das Erste, was Jesus fordert, ist zu gehen, nicht in Jerusalem zu bleiben: ›Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.‹ « Es ist dies die Aufforderung, »hinauszugehen, zu gehen«. Im Übrigen »wird das Evangelium immer unterwegs verkündet: nie im Sitzen, immer unterwegs, immer«. Hinausgehen also, um dorthin zu gehen, »wo man Jesus nicht kennt oder wo Jesus verfolgt wird oder wo Jesus entstellt ist, um das wahre Evangelium zu verkünden«. Und »wie wir im Halleluja-Ruf vor dem Evangelium gehört haben ›verkündigen wir Christus als den Gekreuzigten: Gottes Kraft und Gottes Weisheit‹«. Gerade »das ist der Messias, den zu verkündigen uns Jesus aussendet«.

So sind die Christen berufen, »hinausgehen, um zu verkündigen, und auch bei diesem Hinausgehen geht das Leben, das Leben des Verkündigers kommt ins Spiel: er ist nicht im Sicheren, es gibt keine Lebensversicherungen für den Prediger. Und wenn ein Prediger eine Lebensversicherung sucht, dann es er kein wahrer Verkündiger des Evangeliums sein: er geht nicht hinaus, er bleibt in der Sicherheit«. »Erstens: geht hin, geht hinaus«, unterstrich der Papst. Denn »das Evangelium, die Verkündigung Jesu Christi geschieht im Aufbruch, immer; unterwegs, immer«. Und »sowohl auf einem materiellen Weg als auch auf einem geistlichen als auch auf einem Weg des Leidens: denken wir an die Verkündigung des Evangeliums durch viele Kranke – viele Kranke! –, die die Schmerzen aufopfern für die Kirche, für die Christen«. Es sind dies Menschen, die »immer aus sich selbst herausgehen«.

Doch »wie ist der Stil dieser Verkündigung?«, fragte Franziskus. »Der heilige Petrus, der gerade der Lehrer des Markus gewesen war, ist sehr klar in der Beschreibung dieses Stils: Wie verkündigt man das Evangelium?« Hier seine Antwort, wie sie in der ersten Lesung (1 Petr 5,5b-14) angeführt wird: »Brüder! Begegnet einander in Demut.« Ja, erklärte der Papst, »das Evangelium muss in Demut verkündigt werden, da sich der Sohn Gottes erniedrigt, entäußert hat: das ist der Stil Gottes, und es gibt keinen anderen«. Und »die Verkündigung des Evangeliums ist kein Karneval, kein Fest, was etwas Wunderschönes ist, und derartiges ist keine Verkündigung des Evangeliums«. Es bedarf »der Demut: das Evangelium kann nicht mit menschlicher Macht verkündigt werden, es kann nicht mit dem Geist eines Hinaufkletterns und Hinaufgehens verkündigt werden, nein! Das ist kein Evangelium!«

»Vor allem Demut«, die Petrus innig in seinem ersten Brief ans Herz legt: »Begegnet einander in Demut.« Und sofort erklärt er den Grund für diesen Stil: »Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade«. Und »um das Evangelium zu verkünden, bedarf es der Gnade Gottes, und um diese Gnade zu empfangen, ist die Demut notwendig: darin besteht der vorgeschlagene Stil der Verkündigung«. Petrus fügt auch diese Worte hinzu: »Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes. Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch.«

Die Demut ist notwendig, bekräftigte der Papst, »gerade weil wir eine Botschaft der Erniedrigung, der Herrlichkeit voranbringen, dies aber durch die Erniedrigung«. Und »die Verkündigung des Evangeliums ist der Versuchung ausgesetzt: der Versuchung der Macht, der Versuchung des Stolzes, der Versuchung der Weltlichkeit, viel Weltliches, das es gibt und das uns dazu führt, zu predigen oder dabei zu schauspielern «. Ja, »denn ein verwässertes Evangelium ohne Kraft, ein Evangelium ohne den gekreuzigten und auferstandenen Christus ist keine Verkündigung «. Gerade »deshalb sagt Petrus, wachsam zu sein: ›Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder in der ganzen Welt die gleichen Leiden ertragen müssen.‹«

»Wenn die Verkündigung des Evangeliums wahr ist, dann ist sie der Versuchung ausgesetzt«, hob Franziskus hervor. »Wenn ein Christ, der sagt, das Evangelium zu verkünden, mit dem Wort, mit dem Zeugnis, nie der Versuchung ausgesetzt ist«, kann er »sicher« sein, dass sich der Teufel keine Sorgen macht, »und wenn sich der Teufel keine Sorgen macht, dann deshalb, weil wir ihm keine Probleme bereiten, weil wir etwas verkündigen, das nutzlos ist«. Aus diesem Grund also »ist da in der wahren Verkündigung immer etwas, das eine Versuchung und auch Verfolgung darstellt«. Mit einem Wort, so der Papst erneut, »Stil der Demut, Weg – denn man geht hinaus – Weg der Versuchung, doch die Hoffnung« darf nie fehlen. Petrus nämlich schreibt: »Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wieder aufrichten«. Und, fügte der Papst hinzu, »es wird der Herr sein, der uns aufrichtet, der uns Kraft schenkt, da Jesus dies verheißen hat, als er die Apostel aussandte«.

Wie Markus im heutigen Abschnitt aus dem Evangelium schreibt: »Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ«. Ja, so Franziskus, »es wird der Herr sein, der uns stärkt, der uns Kraft gibt, um voranzugehen, da er mit uns wirkt, wenn wir der Verkündigung des Evangeliums treu sind, wenn wir aus uns selbst herausgehen, um Christus, den gekreuzigten, zu verkündigen, Ärgernis und Torheit, und wenn wir das mit einem Stil der Demut tun, der wahren Demut«.

»Der Herr«, so der Wunsch des Papstes, »schenke uns diese Gnade, uns als Getauften, allen, den Weg der Evangelisierung mit Demut einzuschlagen, mit dem Vertrauen auf ihn selbst, indem wir das wahre Evangelium verkünden: ›Das Wort ist Fleisch geworden.‹« Und »das ist eine Torheit, das ist ein Ärgernis«. Evangelisieren also »im Bewusstsein, dass der Herr bei uns ist, mit uns wirkt und unsere Arbeit stärkt«.

 



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