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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Die Gefühle Gottes

Dienstag, 19. Februar 2019

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(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 13, 29. März 2019)

»Unsere Zeiten sind nicht besser als die der Sintflut« und die ersten Opfer bei Kriegen und Ungerechtigkeiten sind die Kinder und »die Armen, die die gesalzene Rechnung für das Fest bezahlen «. Deshalb sollten Männer und Frauen heute dasselbe fühlen wie Gott, Buße tun und trauern: Papst Franziskus machte in der heiligen Messe am 19. Februar einen sehr eindringlichen pastoralen Vorschlag: Er lud ein, auf »Gefühlsseligkeit« oder »abstrakte Ideen« zu verzichten und »in das Geheimnis des Herzens Gottes einzutreten«. »In der ersten Lesung«, so der Papst sogleich unter Verweis auf den Abschnitt aus dem Buch Genesis (6.5-8, 7.1-5.10), »ist von der Sintflut die Rede, aber ich möchte mich mit zwei Verben beschäftigen: Es heißt, dass der Herr die Bosheit der Menschen sah, die so groß war, und dass es ihn reute, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es seinem Herzen weh tat.«

Und das zeigt, dass »der allmächtige Gott, der alles vermag, Gefühle besitzt: Er ist in der Lage zu bedauern, zu trauern, und er trifft eine Entscheidung: ›Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben‹, denn er war wütend«. Gott, fuhr Franziskus fort, »kann zornig werden, er ist wütend angesichts all dieser Dinge«. »Unser Gott«, so erklärte er, »zeigt sich von Anfang an als Vater, und bei den Propheten tritt er immer als Vater auf, der uns wie Kinder in seine Arme nimmt, uns liebkost, uns behütet, uns wachsen lässt: ein Gott mit Herz, mit Gefühlen.

Er ist kein abstrakter Gott, reine Idee. Wie kommt das? Die Theologen erklären es uns, aber er zeigt sich so: als Vater.« »Die Gefühle Gottes« also. Und »die Frage kann so lauten: Leidet Gott? Und dies ist das Geheimnis des Herrn. Paulus mahnt die Christen: ›Macht den Heiligen Geist nicht traurig‹, den Heiligen Geist nicht betrüben. Er wird traurig, das ist ein Geheimnis.« »Aber wir sind uns ganz sicher, dass Gott als Mensch Gewordener die Fähigkeit hatte, wie wir zu fühlen, mit Leib und Seele, fühlen im Herzen, das Mensch gewordene Herz Gottes, das Herz Jesu: Es ist das Herz des Vaters, das Herz des Geistes, es ist da und begleitet uns mit Gefühlen und Leiden.« Im Übrigen, rief der Papst in Erinnerung, »gab es so viel Leid im Herzen Jesu. Er weinte auch.« Also »die Gefühle Gottes: Gottes, des Vaters, der uns liebt – und die Liebe ist eine Beziehung. Doch er ist fähig, wütend zu werden, zu zürnen. Es ist Jesus, der kommt und für uns das Leben gibt, mit dem Leiden des Herzens, alles.« Doch »unser Gott hat Gefühle. Unser Gott liebt uns mit seinem Herzen, er liebt uns nicht mit Ideen, er liebt uns mit seinem Herzen.« Und »wenn er uns liebkost, liebkost er uns mit dem Herzen, und wenn er uns schlägt wie ein guter Vater, schlägt er uns mit seinem Herzen, er leidet mehr als wir. Haben wir daran gedacht?«

»Die Sintflut, wie sie hier erzählt wird«, so der Papst weiter, »ist kein kaltes Dekret eines heidnischen Gottes, des Gottes der Mythologie: ›Nun, ich tue dies, ich tue noch das, und so mache ich ein Ende, ich räume auf.‹ Nein, er trauerte in seinem Herzen. Er trat in die Passion ein.« Und »das ist unser Vater, das ist unser Bruder Jesus. Das ist der Geist, den wir nicht betrüben dürfen.« Der Papst wies auch darauf hin, dass »unser Gebet, unsere Beziehung zu Gott keine Beziehung von Ideen ist, sondern eine Beziehung von Herz zu Herz, vom Kind zum Vater, und wenn er im Herzen trauern kann, dann werden auch wir vor ihm trauern können. Das ist keine Gefühlsseligkeit, das ist die Wahrheit.«

Franziskus unterstrich erneut das Bild »dieses Vaters, den es dann reute: Er bereute zunächst, den Menschen geschaffen zu haben. Dann bereute er, die Sintflut geschickt zu haben, und schwor, es nicht mehr zu tun, nicht zu zerstören, sondern viele Dinge zu erdulden.« Und der Papst erklärte im Vertrauen: »Ich denke nicht, dass unsere Zeiten besser sind als die Zeiten der Sintflut, ich glaube es nicht. Die Katastrophen sind mehr oder weniger dieselben, die Opfer sind mehr oder weniger dieselben.« In diesem Zusammenhang regte der Papst an: »Denken wir zum Beispiel an die Schwächsten, an die Kinder. Die Anzahl der hungernden Kinder, der Kinder ohne Ausbildung: sie können nicht in Frieden aufwachsen. Ohne Eltern, weil sie von den Kriegen hingemetzelt wurden. Kindersoldaten. Denken wir nur an diese Kinder. Ich glaube nicht, dass unsere Zeit besser ist als die Zeit der Sintflut, und der Herr leidet und begleitet uns vom Kreuz aus, er begleitet uns vom Herzen aus, er begleitet uns, um uns nicht fallen zu lassen, um nicht zu zerstören. Und das ist Liebe.«

Auch die heutige Menschheit müsse weinen wie Jesus »angesichts der Probleme, die wir haben – jeder von uns hat so viele –, angesichts der Katastrophen der Welt, der Armen, der Kinder, der Hungernden, der Verfolgten, der Gefolterten «. Es gebe »Menschen, die im Krieg sterben, weil Bomben geworfen werden, als handle es sich um Bonbons. ›Ach ja, da sind Dreitausend gestorben.‹« Also, wiederholte der Papst, »müssen auch wir weinen, weinen, wie Jesus weinte und Jerusalem mit dem Herzen Gottes ansah«. Und »heute um die Gnade bitten, ein Herz wie das Herz Gottes zu haben, ein Herz, das dem Herzen Gottes ähnelt, das Herz eines Bruders gegenüber den Brüdern, eines Vaters gegenüber den Kindern, eines Kindes gegenüber dem Vater. Ein menschliches Herz, wie das von Jesus, ist ein göttliches Herz.« »Da ist«, so der Papst, »die große Katastrophe der Sintflut. Da ist die große Katastrophe der heutigen Kriege, bei denen die Rechnung für das Fest von den Schwachen, den Armen, den Kindern und denjenigen bezahlt wird, die keine Mittel haben.«

Deshalb, so Franziskus abschließend, »denken wir, dass der Herr in seinem Herzen traurig ist, und nähern uns dem Herrn und reden mit ihm: ›Herr, schau dir diese Dinge an, ich verstehe dich.‹ Trösten wir den Herrn: ›Ich verstehe dich und ich begleite dich.‹ Ich begleite dich im Gebet, in der Fürbitte für all diese Katastrophen, die die Frucht des Teufels sind, der das Werk Gottes zerstören will. ›Es reute den Herrn, den Menschen geschaffen zu haben.‹ Dann sagte er, dass er ihn niemals zerstören würde. Der Herr trauerte in seinem Herzen.« So lautete die abschließende Einladung des Papstes: »Lasst uns in das Geheimnis des traurigen Herzens Gottes eintreten, das das Herz eines Vaters, eines Bruders ist, und sprechen wir mit ihm, während wir auf die vielen Katastrophen unserer Zeit blicken.«

 



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