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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
NACH KUBA, IN DIE VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
UND BESUCH DER VEREINTEN NATIONEN

(19.-28. SEPTEMBER 2015)

EUCHARISTIEFEIER
MIT DEN BISCHÖFEN, PRIESTERN UND ORDENSLEUTEN VON PENNSYLVANIA

HOMILIE DES HEILIGEN VATERS

Kathedrale St. Peter und Paul, Philadelphia
Samstag, 26. September 2015

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Heute Morgen habe ich etwas über die Geschichte dieser schönen Kathedrale gelernt: die Geschichte, die hinter ihren hohen Mauern und Fenstern liegt. Ich möchte aber meinen, dass die Geschichte der Kirche in dieser Stadt und in diesem Staat eigentlich eine Geschichte ist, in der es nicht nur um die Errichtung von Mauern geht, sondern auch um ihr Niederreißen. Es ist eine Geschichte, die uns von vielen Generationen engagierter Katholiken erzählt, die hinausgegangen sind an die Peripherien und Gemeinschaften gebildet haben für den Gottesdienst, für die Erziehungsarbeit, für karitative Werke und für den Dienst an der Gesellschaft allgemein.

Diese Geschichte wird in den vielen Heiligtümern sichtbar, die diese Stadt schmücken, und in den vielen Pfarrkirchen, deren Türme und Kampanile von Gottes Gegenwart inmitten unserer Gemeinden künden. Sie wird sichtbar im Einsatz all jener Priester, Ordensleute und Laien, die sich mehr als zwei Jahrhunderte hindurch um die geistlichen Bedürfnisse der Armen, der Einwanderer, der Kranken und der Gefangenen gekümmert haben. Und sie wird sichtbar in den Hunderten von Schulen, in denen die Ordensbrüder und -schwestern Kindern das Lesen und Schreiben beigebracht und sie gelehrt haben, Gott und den Nächsten zu lieben und als gute Bürgerinnen und Bürger ihren Beitrag zum Leben der amerikanischen Gesellschaft zu leisten. All das ist ein großartiges Erbe, das ihr erhalten habt. Und ihr seid berufen, es anzureichern und weiterzugeben.

Die meisten von euch kennen die Geschichte der heiligen Katharine Drexel – eine der großen Heiligen, die aus dieser Ortskirche hervorgegangen sind. Als sie mit Papst Leo XIII. über die Bedürfnisse der Missionen sprach, fragte dieser – er war ein sehr weiser Papst! – sie ganz gezielt: „Und du? Was willst du tun?“ Diese Worte verwandelten Katharines Leben, denn sie erinnerten sie daran, dass letztlich jeder Christ – Mann oder Frau – durch die Taufe eine „Mission“, eine Sendung erhalten hat. Jeder von uns muss, so gut er kann, dem Ruf des Herrn entsprechen, seinen Leib, die Kirche, aufzubauen.

„Und du?“ Im Zusammenhang mit unserer spezifischen Sendung, als Priester, Diakone oder Mitglieder von Instituten gottgeweihten Lebens – Männer und Frauen – die Freude des Evangeliums weiterzugeben und die Kirche aufzubauen, möchte ich gerne zwei Aspekte dieser Worte hervorheben.

Erstens waren diese Worte – „Und du?“ – an einen jungen Menschen gerichtet, an eine junge Frau mit hohen Idealen, und sie verwandelten ihr Leben. Sie ließen sie an die ungeheure Arbeit denken, die getan werden musste, und ließen sie erkennen, dass sie gerufen war, diesbezüglich etwas zu tun. Wie viele junge Menschen in unseren Pfarreien und Schulen haben die gleichen hohen Ideale, eine großherzige Grundeinstellung und die Liebe zu Christus und zur Kirche! Ich frage euch: Fordern wir sie heraus? Geben wir ihnen Raum und helfen wir ihnen, ihren Auftrag zu erfüllen? Finden wir Wege, ihre Begeisterung und ihre Talente in unseren Gemeinschaften mit ihnen zu teilen, vor allem in den Werken der Barmherzigkeit und in der Sorge für die anderen? Teilen wir unsere eigene Freude und unsere eigene Begeisterung im Dienst des Herrn mit?

Eine der großen Herausforderungen der Kirche in diesem Moment besteht darin, bei allen Gläubigen ein Empfinden ihrer persönlichen Verantwortung für die Mission der Kirche zu fördern und sie zu befähigen, dieser Verantwortung als missionarische Jünger und als ein Sauerteig des Evangeliums in unserer Welt nachzukommen. Dies verlangt Kreativität, um sich den Veränderungen der Situationen anzupassen, indem man das Erbe der Vergangenheit nicht nur durch die Bewahrung von Strukturen und Einrichtungen – die nützlich sind – weiterträgt, sondern vor allem dadurch, dass man sich den Möglichkeiten öffnet, die der Geist uns auftut, und die Freude des Evangeliums täglich und in allen Phasen unseres Lebens vermittelt.

„Und du?“ Es ist bedeutsam, dass diese Worte des alten Papstes an eine Frau im Laienstand gerichtet waren. Wir wissen, dass die Zukunft der Kirche in einer sich schnell verändernden Gesellschaft ein aktiveres Engagement der Laien fordern wird und schon jetzt fordert. Die Kirche in den Vereinigten Staaten hat die Katechese und die Erziehungsarbeit immer mit großem Einsatz betrieben. Unsere Herausforderung besteht heute darin, auf diesen soliden Grundlagen aufzubauen und einen Sinn für Zusammenarbeit und für geteilte Verantwortung in der Zukunftsplanung unserer Pfarreien und Institute zu fördern. Das bedeutet nicht, auf die geistliche Autorität, die uns übertragen wurde, zu verzichten; es bedeutet vielmehr, die vielfältigen Gaben, die der Geist über die Kirche ausgießt, zu unterscheiden und weise zu nutzen. Es bedeutet ganz besonders, den unermesslichen Beitrag zu würdigen, den Frauen – Laien und Ordensschwestern – im Leben unserer Gemeinschaften geleistet haben und weiterhin leisten.

Liebe Brüder und Schwestern, ich danke euch für die Art und Weise, in der jeder von euch auf die Frage Jesu: „Und du?“, auf diese Frage, die eure eigene Berufung weckte, geantwortet hat. Ich ermutige euch, die Freude und das Staunen über diese erste Begegnung mit Jesus zu erneuern und aus dieser Freude neue Treue und Kraft zu schöpfen. Ich freue mich darauf, diese Tage gemeinsam mit euch zu verbringen, und bitte euch, meine herzlichen Grüße denen zu übermitteln, die nicht bei uns sein konnten, besonders den vielen älteren Priestern und Ordensleuten, die sich im Geiste mit uns verbinden.

In diesen Tagen des Weltfamilientreffens möchte ich euch in besonderer Weise darum bitten, über unseren Dienst für die Familien, für die Paare, die sich auf die Hochzeit vorbereiten, und für unsere jungen Menschen nachzudenken. Ich weiß, wie viel in den Ortskirchen getan wird, um den Bedürfnissen der Familien zu entsprechen und sie auf ihrem Glaubensweg zu unterstützen. Ich bitte euch, für sie wie auch für die Beratungen der kommenden Familiensynode inständig zu beten.

Voll Dankbarkeit für alles, was wir empfangen haben, und mit festem Vertrauen in all unseren Nöten wenden wir uns an Maria, unsere heilige Mutter. Möge sie mit ihrer mütterlichen Liebe Fürsprache halten für die Kirche in Amerika, damit diese weiter wachse in ihrem prophetischen Zeugnis für die Macht des Kreuzes ihres Sohnes, unserer Welt Freude, Hoffnung und Kraft zu bringen. Ich bete für jede und jeden von euch, und ich bitte euch herzlich, das auch für mich zu tun.

 


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