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PILGERREISE VON PAPST FRANZISKUS
ZUM HEILIGTUM UNSERER LIEBEN FRAU VON FATIMA 

zum 100. Jahrestag der Erscheinungen der Jungfrau Maria in der Höhle Cova da Iria
(12.-13. Mai 2017)

PRESSEKONFERENZ MIT DEM HEILIGEN VATER
AUF DEM RÜCKFLUG VON FATIMA

Samstag, 13. Mai 2017

[Multimedia]


 

Greg Burke

Danke, Eure Heiligkeit. Es waren sehr intensive 24 Stunden. 24 der Gottesmutter gewidmete Stunden. Die Portugiesen waren sehr berührt, als Sie gesagt haben: „Wir haben eine Mutter.“ Sie spüren dies auf besondere Weise. Vor hundert Jahren ist die Gottesmutter nicht drei wichtigen Journalisten erschienen, sie ist drei Hirtenkindern erschienen. Aber wir haben gesehen, wie es diesen mit ihrer Einfachheit und Heiligkeit gelungen ist, diese Botschaft in die ganze Welt gelangen zu lassen. Auch die Journalisten vermitteln eine Botschaft und man sieht dies an der Anzahl der Länder, aus denen sie kommen: sie interessieren sich für diese Reise sehr. Wenn Sie vorher etwas sagen wollen …

Papst Franziskus

Zunächst, guten Abend. Danke. Und ich möchte gerne auf die größtmögliche Anzahl von Fragen antworten, deshalb beeilen wir uns etwas. Mir tut es leid, wenn wir erst bei der Hälfte sind und man mir sagt, dass es Zeit für den Imbiss ist…; aber wir machen beides zusammen. Danke.

Greg Burke

Gut. Fangen wir mit der portugiesischen Gruppe an, mit Fátima Campos Ferreira vom portugiesischen Fernsehen.

Fátima Campos Ferreira

Ich weiß nicht, ob ich vor dem Heiligen Vater sitzen bleiben darf. Also, an erster Stelle vielen Dank für Ihre Reise. Heiliger Vater, Sie sind als Pilger nach Fatima gekommen, um Francisco und Jacinta in dem Jahr heiligzusprechen, in dem sich die Erscheinungen zum hundertsten Mal jähren. Was bleibt von diesem historischen Gesichtspunkt aus jetzt für die Kirche und die ganze Welt? Dann beinhaltet Fatima eine Friedensbotschaft und Sie, Heiliger Vater, werden in den kommenden Tagen, am 24. Mai, den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Vatikan empfangen. Was kann sich die Welt von dieser Begegnung erhoffen und was erhoffen Sie sich, Heiliger Vater, von dieser Begegnung? Vielen Dank.

Papst Franziskus

Fatima beinhaltet gewiss eine Friedensbotschaft. Und diese ist der Menschheit durch drei große „Reporter“ zur Kenntnis gebracht worden, die unter 13 Jahre alt waren. Das ist interessant. Ich kam als Pilger, ja. Die Heiligsprechung war eine Sache, die anfänglich nicht geplant war, weil der Prozess [zur Untersuchung] des Wunders noch nicht abgeschlossen war, aber auf einmal fielen die Gutachten alle positiv aus und er wurde beschleunigt …, so dass sich die Dinge zusammenfügten. Für mich war das eine große Freude. Was kann sich die Welt erhoffen? Frieden. Und worüber werde ich von jetzt an mit wem auch immer sprechen? Über den Frieden.

Fátima Ferreira

Und was bleibt jetzt von diesem historischen Augenblick für die Kirche und für die Welt?

Papst Franziskus

Eine Botschaft des Friedens. Und ich möchte etwas sagen, was mein Herz berührt hat. Vor meinem Abflug habe ich einige Wissenschaftler verschiedener Religionen empfangen, die in der vatikanischen Sternwarte in Castel Gandolfo Studien nachgehen. Es waren auch Agnostiker und Atheisten dabei. Und ein Atheist sagte zur mir: „Ich bin Atheist“; er sagte mir nicht, welchem Volk er angehörte oder woher er kam. Er sprach Englisch, so dass ich es nicht wissen konnte, und ich fragte ihn nicht. „Ich bitte Sie um einen Gefallen: Sagen Sie den Christen, dass sie die Muslime mehr lieben sollen“. Dies ist eine Botschaft des Friedens.

Fátima Ferreira

Werden Sie das Trump sagen?

Papst Franziskus

[lächelt]

Greg Burke

Und jetzt Aura Miguel.

Miguel Aura

Darf ich die Frage auf Portugiesisch oder Italienisch stellen?

Papst Franziskus

Lieber auf Italienisch.

Miguel Aura

Also, Heiligkeit, in Fatima haben Sie sich als „in Weiß gekleideter Bischof“ dargestellt. Bis jetzt hat man diesen Ausdruck eher auf die Vision des dritten Teils des Geheimnisses angewandt, auf den heiligen Johannes Paul II. und auf die Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Was bedeutet es jetzt, wenn Sie sich mit diesem Ausdruck identifizieren?

Papst Franziskus

Ja, im Gebet. Das habe nicht ich vorbereitet, sondern das Heiligtum. Aber auch ich habe mich gefragt, wieso haben sie das gesagt? Und es gibt einen Zusammenhang mit der Farbe Weiß: der in Weiß gekleidete Bischof, die in Weiß gekleidete Gottesmutter, der weiße Schimmer der Unschuld der Kinder nach der Taufe … Es gibt in diesem Gebet einen Zusammenhang hinsichtlich der Farbe Weiß. Ich meine– weil nicht ich es vorbereitet habe – ich meine, dass man versucht hat, mit der Farbe Weiß jenen Wunsch nach Unschuld und Frieden wörtlich zum Ausdruck bringen wollte: Unschuld, dem anderen nichts Böses tun, keinen Krieg führen …

Miguel Aura

Gibt es eine revidierte Interpretation der Botschaft?

Papst Franziskus

Nein. Jene Vision … ich glaube, dass der damalige Kardinal Ratzinger, zu jener Zeit Präfekt der Glaubenskongregation, dies alles klar dargelegt hat. Danke.

Greg Burke

Die nächste Frage ist von Claudio Lavagna von NBC, hier rechts.

Claudio Lavagna (NBC)

Heiliger Vater, ich grüße Sie. Gestern haben Sie die Gläubigen gebeten, alle Mauern niederzureißen. Und doch treffen Sie am 24. Mai mit einem Staatsoberhaupt zusammen, das mit dem Bau von Mauern droht: Das steht etwas im Gegensatz zu dem, was Sie sagen, aber es scheint, dass er auch hinsichtlich anderer Themen zu Ihnen unterschiedliche Meinungen und Entscheidungen hat, beispielsweise im Hinblick auf die Notwendigkeit, angesichts der globalen Erwärmung zu handeln, oder im Hinblick auf die Aufnahme der Flüchtlinge. Welche Meinung über die Politik, die Präsident Trump bisher zu diesen Themen angewandt hat, haben Sie sich im Vorfeld dieser Begegnung gebildet und was erwarten Sie sich von dem Treffen mit einem Staatsoberhaupt, das gegensätzlich zu Ihnen zu denken und zu handeln scheint?

Papst Franziskus

Also, die erste Frage ist … – aber ich kann auf beide antworten – ich beurteile eine Person nie, ohne ihr zuzuhören. Ich glaube, dass ich das nicht machen darf. Im gegenseitigen Gespräch werden die Dinge zutage kommen: Ich werde sagen, was ich denke, er wird sagen, was er denkt. Aber ich wollte niemals, niemals mir ein Urteil bilden, ohne die Person zu hören. Und die zweite [Frage] ist, was ich denke …

Claudio Lavagna

… und was denken Sie insbesondere über Themen wie die Aufnahme der Flüchtlinge…

Papst Franziskus

Aber das wissen Sie genau!

Claudio Lavagna

Die zweite Frage hingegen lautet: Was erwarten Sie sich von einem Treffen mit einem Staatsoberhaupt, das diesbezüglich eine gegenteilige Auffassung zu Ihnen hat.

Papst Franziskus

Es gibt immer Türen, die nicht verschlossen sind. Man muss die Türen suchen, die wenigstens etwas offen sind, um einzutreten und über die gemeinsamen Dinge zu sprechen und voranzugehen. Schritt für Schritt. Der Friede ist ein Handwerk: Man macht ihn jeden Tag. Auch die Freundschaft unter Personen, das gegenseitige Kennenlernen, die Wertschätzung ist ein Handwerk: Man macht es jeden Tag. Die Achtung vor dem anderen, sagen, was man denkt, aber mit Respekt, gemeinsam gehen … Jemand denkt über eine Sache auf eine gewisse Weise: es sagen, sehr ehrlich sein in dem, was jeder denkt.

Claudio Lavagna

Sie hoffen, dass er danach seine Entscheidungen mildern wird …

Papst Franziskus

Das ist ein politisches Kalkül, das ich mir nicht erlaube. Auch auf religiöser Ebene bin ich kein Proselytenmacher. Danke.

Greg Burke

Danke, Heiligkeit. Jetzt kommt Elisabetta Piqué.

Elisabetta Piqué („La Nación“)

An erster Stelle danke für diese kurze und sehr intensive Reise. Wir wollten Sie fragen: Heute sind es hundert Jahre seit den Erscheinungen der Jungfrau Maria in Fatima, aber es ist auch der Jahrestag einer wichtigen Begebenheit in Ihrem Leben, die sich vor 25 Jahren ereignet hat, als Nuntius Calabresi Ihnen sagte, dass Sie Weihbischof von Buenos Aires werden sollten: Dies stellte das Ende Ihres Exils in Cordoba und eine große Veränderung in Ihrem Leben dar. Die Frage ist: Haben Sie jemals diese Begebenheit, die Ihr Leben verändert hat, mit Unserer Lieben Frau von Fatima in Verbindung gebracht? Und wenn Sie in diesen Tagen vor ihr gebetet haben, haben Sie daran gedacht und was können Sie uns darüber erzählen? Danke.

Papst Franziskus

Die Frauen wissen alles! [lacht] Ich habe an das Zusammentreffen [der Daten] nicht gedacht; erst gestern, als ich vor der Gottesmutter betete, ist mir aufgefallen, dass ich an einem 13. Mai den Telefonanruf des Nuntius vor 25 Jahren erhalten habe. Ich weiß nicht … ich habe gesagt: „Na, sieh mal an!“ … Und ich habe etwas mit der Gottesmutter darüber gesprochen, ich habe Sie um Verzeihung für alle meine Fehler gebeten, auch ein wenig für den schlechten Geschmack in der Auswahl der Leute … [lacht]. Aber gestern ist es mir aufgefallen.

Greg Burke

Nicholas Senèze von „La Croix“.

Nicholas Senèze („La Croix“)

Danke, Heiliger Vater. Wir kehren aus Fatima zurück, das von der Bruderschaft des heiligen Pius X. sehr verehrt wird. Man spricht viel über eine Übereinkunft, die der Bruderschaft in der Kirche einen offiziellen Status verleihen würde. Einige haben sogar gemutmaßt, dass diese Ankündigung heute hätte stattfinden können. Denken Sie, Heiligkeit, dass diese Übereinkunft in Kürze möglich sein wird? Und welche Hindernisse gibt es noch? Und welcher ist für Sie der Sinn dieser Versöhnung? Wird es die triumphierende Rückkehr von Gläubigen sein, die zeigen, was es bedeutet, wahrhaft katholisch zu sein, oder etwas anderes?

Papst Franziskus

Also, ich würde jede Form von Triumphalismus ablehnen, nicht? Vor einigen Tagen hat die „feria quarta“ der Glaubenskongregation – sie nennen ihre Sitzung „feria quarta“, weil sie mittwochs stattfindet – ein Dokument studiert und das Dokument ist bei mir noch nicht angekommen, also die Untersuchung des Dokuments. Das ist das Erste. Zweitens: Die gegenwärtigen Beziehungen sind brüderlich. Vergangenes Jahr habe ich ihnen allen die Beichtvollmacht gegeben, auch eine Form der Jurisdiktion für die Eheschließungen. Aber vorher auch die Probleme, die Fälle, die sie zum Beispiel hatten, die von der Glaubenskongregation gelöst werden mussten, dieselbe Kongregation brachte sie voran. Zum Beispiel Missbräuche: Die Missbrauchsfälle brachten sie zu uns; auch für die Apostolische Pönitentiarie, auch für die Rückversetzung eines Priesters in den Laienstand wenden sie sich an uns … Es gibt brüderliche Beziehungen. Mit Bischof Fellay habe ich eine gute Beziehung, wir haben einige Male gesprochen … Mir gefällt es nicht, die Dinge zu überstürzen. Gehen, gehen, gehen und dann wird man sehen. Für mich ist es nicht ein Problem von Siegern und Besiegten, nein! Es ist ein Problem von Brüdern, die gemeinsam gehen müssen und dabei einen Modus suchen müssen, um voranzuschreiten.

Greg Burke

Danke, Heiligkeit. Jetzt Tassilo Forchheimer von der ARD:

Tassilo Forchheimer

Können evangelische und katholische Christen anlässlich des Reformationsgedenkens eine weitere Wegstrecke gemeinsam gehen? Wird es die Möglichkeit geben, an demselben eucharistischen Tisch teilzuhaben? Vor einigen Monaten hat Kardinal Kasper gesagt, dass man schon in diesem Jahr einen Schritt vorwärts gehen könnte…

Papst Franziskus

Es wurden große Schritte vorwärts gemacht! Denken wir an die Erklärung über die Rechtfertigung: Von diesem Augenblick an ist man auf dem Weg nicht stehengeblieben. Die Reise nach Schweden war sehr bedeutungsvoll, weil sie gerade der Auftakt [der Feiern] und das Gedenken zusammen mit Schweden war. Auch war sie wichtig für die Ökumene des Unterwegsseins, also das gemeinsame Gehen im Gebet, im Martyrium und in den Werken der Liebe, den Werken der Barmherzigkeit. Und da haben die evangelische Diakonie und die katholische Caritas eine Übereinkunft geschlossen, gemeinsam zu arbeiten: Das ist ein großer Schritt! Aber man wartet auf Schritte, immer. Sie wissen, dass Gott der Gott der Überraschungen ist. Wir dürfen nie anhalten, müssen immer vorangehen. Gemeinsam beten, gemeinsam Zeugnis ablegen, gemeinsam die Werke der Barmherzigkeit tun, was bedeutet, die Liebe Jesu Christi zu verkünden, zu verkünden, dass Jesus Christus der Herr ist, der einzige Retter und dass die Gnade nur von ihm kommt … und auf diesem Weg werden die Theologen fortfahren zu studieren, aber man muss unterwegs sein. Mit einem für die Überraschungen offenen Herzen …

Greg Burke

Danke, Heiligkeit. Jetzt kommt Mimmo Muolo von „Avvenire“.

Mimmo Muolo

Guten Abend, Heiligkeit. Ich stelle Ihnen im Namen der italienischen Gruppe eine Frage. Gestern und heute haben wir in Fatima ein großes Zeugnis der Volksfrömmigkeit zusammen mit Ihnen gesehen; dieselbe, die man auch beispielsweise in anderen Marienheiligtümern wie Medjugorje antrifft. Was denken Sie über diese Erscheinungen – wenn es Erscheinungen waren – und über den religiösen Eifer, den sie erweckt haben, in Anbetracht Ihrer Entscheidung, einen Bischof als Delegaten für die pastoralen Aspekte zu ernennen? Und wenn ich mir eine zweite Frage erlauben darf, von der ich weiß, dass sie nicht nur uns Italienern, sondern auch Ihnen sehr am Herzen liegt: Die NGOs wurden der Zusammenarbeit mit den Schleusern beschuldigt, die Menschenhandel betreiben. Ich würde gerne wissen: Was denken Sie darüber? Danke.

Papst Franziskus

Ich beginne mit der zweiten Frage. Ich habe in der Zeitung, die ich morgens durchblättere, gelesen, dass es dieses Problem gegeben hat, aber ich kenne noch nicht die Details. Und deswegen kann ich keine Meinung aussprechen. Ich weiß, dass es ein Problem gibt und die Untersuchungen weitergehen. Ich wünsche mir, dass sie fortgesetzt werden und die ganze Wahrheit ans Licht komme. Die erste Frage? – Medjugorje. Alle Erscheinungen oder angeblichen Erscheinungen gehören zum privaten Bereich, sie sind nicht Teil des öffentlichen ordentlichen Lehramtes der Kirche. Medjugorje: Es wurde eine Kommission unter dem Vorsitz von Kardinal Ruini gebildet. Benedikt XVI. hat sie eingesetzt. Ich habe Ende 2013 oder Anfang 2014 das Ergebnis von Kardinal Ruini erhalten. Eine Kommission fähiger Theologen, Bischöfe, Kardinäle. Fähige, fähige, fähige Leute. Der Ruini-Bericht ist sehr, sehr gut. Dann gab es einige Zweifel in der Glaubenskongregation und die Kongregation hat es für angemessen befunden, allen Mitgliedern des Kongresses, dieser „feria quarta“, die ganze Dokumentation zukommen zu lassen, auch die Dinge, die gegen den Ruini-Bericht zu sein schienen. Ich habe die Benachrichtigung erhalten: Ich erinnere mich, dass es ein Samstag Abend war, später Abend. Es schien mir nicht richtig: Es war wie – entschuldigen Sie den Ausdruck – den Ruini-Bericht zur Versteigerung anzubieten, der sehr gut gemacht war. Und am Sonntag Morgen hat der Präfekt der Glaubenskongregation einen Brief von mir erhalten, in dem ich ihn bat, die Anweisung zu erteilen, dass man diese Meinungen anstatt der „feria quarta“ mir persönlich zustellen soll. Diese Meinungen wurden studiert und alle unterstreichen die Dichte des Ruini-Berichts. Ja, grundsätzlich muss man drei Dinge unterscheiden. Über die ersten Erscheinungen, als sie [„die Seher“] Jugendliche waren, sagt der Bericht mehr oder weniger, dass man mit der Untersuchung fortfahren muss. Bezüglich der vermeintlichen gegenwärtigen Erscheinungen hat der Bericht seine Zweifel. Ich persönlich bin ein wenig „gemeiner“: Ich bevorzuge die Gottesmutter als Mutter, unsere Mutter, und nicht die Gottesmutter als Leiterin eines Telegrafenamtes, das jeden Tag eine Nachricht zu der und der Stunde versendet … Das ist nicht die Mutter Jesu. Und diese angeblichen Erscheinungen haben keinen großen Stellenwert. Und das äußere ich als persönliche Meinung. Aber wer denkt, dass die Gottesmutter sagt: „Kommt, denn morgen zu dieser Stunde werde ich jenem Seher eine Botschaft übermitteln“; nein. [Im Ruini-Bericht] unterscheidet man die zwei Erscheinungen. Und der dritte Punkt, der eigentliche Kern des Ruini-Berichts: die geistliche Tatsache, die pastorale Tatsache, Menschen gehen dorthin und bekehren sich, Menschen, die Gott begegnen und die ihr Leben ändern … Dafür gibt es keinen Zauberstab und diese geistlich-pastorale Tatsache kann man nicht leugnen. Um diese Dinge mit all diesen Angaben zusammen mit den Antworten, die mir die Theologen zugeschickt haben, zu bewerten, wurde jetzt dieser Bischof ernannt – der fähig ist, fähig, weil er Erfahrung hat – um zu untersuchen, wie die pastorale Seite läuft. Und am Ende wird man sich dazu äußern.

Mimmo Muolo

Heiligkeit, danke auch für den Segen für meine Mitbürger, die Ihnen danken; sie haben ihn gesehen und sind sehr froh. ´´

Papst Franziskus

Danke.

Greg Burke

Heiligkeit, wenn ich jetzt „gemein“ sein darf, wir haben alle Sprachgruppen durch und es ist sechs Uhr …

Papst Franziskus

Ah, es ist noch Zeit …

Greg Burke

Gibt es eine Frage …

Papst Franziskus

Eine oder zwei …

Greg Burke

Joshua McElwee vom „National Catholic Reporter“

Joshua McElwee

Danke, Heiliger Vater. Meine Frage: Das letzte Mitglied der Kommission für den Schutz der Minderjährigen, das von einem Priester missbraucht wurde, ist im März zurückgetreten. Frau Marie Collins hat gesagt, dass sie zurücktreten musste, weil die Beamten im Vatikan die Ratschläge der Kommission nicht umsetzten, die Sie, Heiliger Vater, gutgeheißen haben. Ich habe zwei Fragen. Wer trägt die Verantwortung? Und was tun Sie, Heiliger Vater, um sicherzustellen, dass die Priester und Bischöfe im Vatikan Ihre Empfehlungen umsetzen, die von Ihrer Kommission angeraten wurden?

Papst Franziskus

Richtig. Marie Collins hat mir die Sache genau geschildert. Ich habe mit ihr gesprochen: Sie ist eine tüchtige Frau. Sie arbeitet weiter in der Ausbildung der Priester auf diesem Gebiet. Sie ist eine engagierte Frau, die arbeiten möchte. Sie hat diese Anklage vorgebracht, und ein bisschen hat sie Recht. Warum? Weil man mit vielen Fällen im Verzug ist, weil sie sich anhäufen … Dann musste man in dieser Zeit eine Gesetzgebung dafür erarbeiten: Was müssen die Diözesanbischöfe tun? Heute gibt es in fast allen Diözesen eine Prozedur, der man in diesen Fällen folgen muss. Das ist ein großer Fortschritt! So werden die Berichte gut verfasst. Das ist ein Schritt. Ein weiterer Schritt besteht darin: Es gibt wenig Personal; es wäre mehr dafür geeignetes Personal nötig. Der Kardinalstaatssekretär und ebenso Kardinal Müller sind auf der Suche, um neue Leute zu präsentieren. Vor ein paar Tagen sind zwei oder drei zusätzlich eingestellt worden. Man hat den Leiter der Disziplinarabteilung abgelöst. Er war gut, sehr gut, aber etwas müde: Er ist in seine Heimat zurückgekehrt, um dort die gleiche Arbeit mit seinem Episkopat zu machen. Und der Neue – er ist Ire, Monsignore Kennedy – ist ein sehr tüchtiger Mitarbeiter, sehr effizient und flink. Das hilft sehr. Dann ist da noch eine andere Sache. Manchmal, wenn die Bischöfe etwas schicken, wenn das Protokoll in Ordnung ist, geht es sofort zur „feria quarta“. Die „feria quarta“ studiert es dann und entscheidet. Wenn das Protokoll nicht in Ordnung ist, muss es zurückgeschickt werden und man muss es neu machen. Deshalb denkt man an Hilfestellungen in den Kontinenten, zwei pro Kontinent: zum Beispiel für Lateinamerika eine in Kolumbien und eine andere in Brasilien. Sie wären so etwas wie Vor-Instanzen oder kontinentale Instanzen. Aber das ist in Planung. Und dann passt es gut: Die „feria quarta“ untersucht es, und man entlässt den Priester aus dem Klerikerstand. Der kehrt in die Diözese zurück und macht einen Rekurs. Früher wurde dieser Rekurs ebenfalls von der „feria quarta“ geprüft, die ja das Urteil gesprochen hatte. Aber das ist nicht rechtens. Also habe ich eine andere Instanz eingerichtet, an deren Spitze ich eine unanfechtbare Gestalt gesetzt habe: Erzbischof Scicluna von Malta. Er ist einer der stärksten Kämpfer gegen die Missbräuche. Und um der Gerechtigkeit willen hat in dieser zweiten Instanz der, welcher den Rekurs macht, das Recht, einen Verteidiger zu bekommen. Wenn diese Instanz das erste [Urteil] bestätigt, ist der Fall abgeschlossen. Es bleibt nur [die Möglichkeit,] ein Gnadengesuch an den Papst zu richten. Ich habe noch keine Begnadigung unterschrieben. So wie die Dinge stehen, sind wir dabei voranzugehen. Marie Collins hatte in diesem Punkt Recht. Aber auch wir waren nicht untätig. Allerdings gibt es zweitausend liegen gebliebene Fälle! Danke.

Greg Burke

Heiligkeit, jetzt müssen wir aber gehen …

Papst Franziskus

Wer war das, der noch wartete?

Greg Burke

Eine Portugiesin …

Papst Franziskus

Oh! Die Arme …

Greg Burke

Also gut …

Joana Haderer („Agencia portoghese Lusa“)

Danke, Heiliger Vater. Ich darf auf Spanisch sprechen, das fällt mir sehr viel leichter. Ich möchte Ihnen eine Frage zur Situation in Portugal stellen; doch ich glaube, sie gilt für viele unserer westlichen Gesellschaften. In Portugal bezeichnen sich fast alle Einwohner, quasi 90 %, als katholisch. Aber die Weise, wie die Gesellschaft sich organisiert, und die Entscheidungen, die getroffen werden, stehen oft konträr zu den Weisungen der Kirche. Ich nenne hier die „Ehe“ von homosexuellen Partnern und die Straffreiheit für Abtreibung. Soeben haben wir begonnen, über die Euthanasie zu diskutieren. Wie sehen Sie das?

Papst Franziskus

Ich glaube, das ist ein politisches Problem. Zugleich bedeutet eine katholische Einstellung bisweilen nicht unbedingt eine völlige Übereinstimmung mit der Kirche. Dahinter steht nicht eine differenzierte Katechese, eine Katechese für den Menschen … Also, der Katechismus der katholischen Kirche ist ein Beispiel für eine seriöse und differenzierte Arbeit. Ich glaube, es ist ein Mangel an Ausbildung und auch an Kultur. Es ist doch komisch, in einigen Gegenden – etwa in Italien, einige auch in Lateinamerika – gibt es viele Katholiken, aber sie sind antiklerikal. Sie sind „Priesterfresser“ (lacht). Es ist ein Phänomen, dem man begegnet. Zuweilen, und …

Joanna Haderer

Besorgt Sie das?

Papst Franziskus

Sicher besorgt mich das. Deswegen sage ich den Priestern – Sie werden es gelesen haben – „Bloß kein Klerikalismus“, denn der Klerikalismus treibt von den Menschen fort. „Bloß kein Klerikalismus“ und noch etwas: Das ist eine Pest in der Kirche. Aber darüber hinaus ist viel zu tun: Katechese, Gewissensbildung, Dialog, auch über menschliche Werte. Danke.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Arbeit und für Ihre pointierten Fragen. Danke.

Greg Burke

Wir danken Ihnen, Heiliger Vater.

Papa Francesco

Und beten Sie für mich.

 



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