Index   Back Top Print

[ DE  - EN  - FR  - IT  - PT ]

GEBETSVIGIL MIT JUGENDLICHEN AUS ITALIEN

Circus Maximus
Samstag, 11. August 2018

[Multimedia]


Dialog mit den Jugendlichen

Schlussbetrachtung des Heiligen Vaters

 


DIALOG DES HEILIGEN VATERS MIT DEN JUGENDLICHEN 
 

Die erste Frage stellten zwei junge Menschen: die 23-jährige Letizia und der 21-jährige Lucamatteo. Es ging dabei um den Aufbau der persönlichen Identität und um die eigenen Träume. Die Kunststudentin Letizia berichtete von einem enttäuschenden Gespräch mit ihrem Kunstlehrer an der Schule: Als sie ihm anvertraut hatte, seinen Spuren zu folgen und denselben Beruf ergreifen zu wollen, riet dieser ihr ab und sagte, sie sollte lieber Wirtschaft studieren, um den Anforderungen des Marktes zu genügen. Letizia entschied sich trotzdem für das Kunststudium und nahm sich vor, später einmal eine gute Lehrerin zu werden. Lucamatteo dagegen beklagte, dass die großen Träume und Pläne des Lebens aus Angst vor den anderen und ihrem Urteil am Ende immer kleiner werden und nichts von ihnen übrigbleibt.

Antwort des Heiligen Vaters:

Guten Abend. Ich sage euch gleich die Wahrheit: Ich kannte die Fragen schon und habe einen Entwurf für eine Antwort gemacht. Ich werde aber auch – wenn ich sie höre – spontan etwas hinzufügen. Denn wie die Fragen gestellt werden, das geht über das Geschriebene hinaus. Du, Letizia, hast ein sehr wichtiges Wort benutzt: »Traum«. Und ihr beide habt ein weiteres wichtiges Wort gesagt: »Angst«. Diese beiden Worte werden uns etwas erleuchten. Träume sind wichtig. Sie erweitern unseren Blick, sie helfen uns, den Horizont zu erfassen, die Hoffnung in allem täglichen Handeln aufrechtzuerhalten.

Und die Träume der Jugendlichen sind die Wichtigsten von allen. Ein Jugendlicher, der nicht träumen kann, ist ein narkotisierter Jugendlicher;  er kann das Leben, die Kraft des Lebens nicht verstehen. Die Träume wecken dich, sie bringen dich weiter, sie sind die hellsten Sterne, jene Sterne, die der Menschheit einen anderen Weg aufzeigen. Ihr habt diese glänzenden Sterne im Herzen: Es sind eure Träume. Sie sind eure Verantwortung und euer Schatz. Sorgt dafür, dass sie auch eure Zukunft sind! Und das ist die Aufgabe, die ihr erfüllen müsst: die Träume von heute in die zukünftige Wirklichkeit verwandeln. Und dazu braucht es Mut, wie wir von beiden gehört haben. Zu dem Mädchen hat man gesagt: »Nein, nein: Studiere lieber Wirtschaft, denn mit dem, was du vorhast, wirst du am Hungertuch nagen«, und zu dem Jungen: »Ja, der Plan ist gut, aber nehmen wir dieses und jenes Stück heraus…«, und am Ende blieb nichts mehr übrig. Nein! Mutig die Pläne voranbringen, mutig angesichts der Widerstände, der Schwierigkeiten – angesichts aller Dinge, die unsere Träume auslöschen wollen.

Gewiss, unsere Träume müssen wachsen, sie müssen geläutert, auf die Probe gestellt und auch miteinander geteilt werden. Aber habt ihr euch jemals gefragt, woher eure Träume kommen? Woher kommen meine Träume? Sind sie beim Fernsehen entstanden? Indem ich gehört habe, was ein Freund sagte? Indem ich mit offenen Augen geträumt habe? Sind es große Träume oder kleine, armselige Träume, die sich mit dem Geringstmöglichen zufriedengeben? Die Träume von Bequemlichkeit, die Träume vom reinen Wohlstand: »Nein, nein, mir geht es gut so, ich gehe nicht weiter voran.« Diese Träume werden dich jedoch sterben lassen, im Leben! Sie werden dafür sorgen, dass dein Leben nichts Großes mehr ist! Die Träume von einem ruhigen Leben, die Träume, die junge Menschen einschlafen lassen und die aus einem mutigen Jugendlichen einen Jugendlichen auf dem Sofa machen. Es ist traurig, Jugendliche auf dem Sofa zu sehen, die zusehen, wie das Leben an ihnen vorüberzieht. Die Jugendlichen – das habe ich schon andere Male gesagt – ohne Träume, die mit 20 oder 22 Jahren in Pension gehen: wie schrecklich, ein junger Mensch in Pension!

Der Jugendliche dagegen, der große Träume hat, geht voran, er geht nicht früh in Pension. Verstanden? Die Jugendlichen also. Und die Bibel sagt uns, dass die großen Träume fähig sind, fruchtbar zu sein: Die großen Träume sind jene, die Fruchtbarkeit schenken. Sie sind in der Lage, Frieden zu säen, Brüderlichkeit zu säen, Freude zu säen, wie heute; das sind große Träume, weil sie an alle mit dem »Wir« denken. Einmal hat ein Priester mich gefragt: »Sagen Sie mir, was ist das Gegenteil von »Ich«? Und ich bin naiv in die Falle getappt und habe gesagt: »Das Gegenteil von ›ich‹ ist ›du‹.« – »Nein, Herr Pater: Das ist die Saat des Krieges. Das Gegenteil von ›ich‹ ist ›wir‹.« Wenn ich sage: Das Gegenteil bist du, dann mache ich Krieg; wenn ich sage, das Gegenteil des Egoismus ist »wir«, dann schließe ich Frieden, dann stelle ich Gemeinschaft her, dann bringe ich die Träume von Freundschaft, von Frieden voran.

Denkt daran: Die wahren Träume sind die Träume vom »Wir«. Die großen Träume schließen andere ein, binden andere mit ein, sind nach außen gerichtet, teilen miteinander, bringen neues Leben hervor. Und um groß zu bleiben, brauchen die großen Träume eine unerschöpfliche Quelle der Hoffnung, einer Unendlichkeit, die im Innern weht und sie weit macht. Die großen Träume brauchen Gott, um nicht zu Blendwerk oder Allmachtsvorstellungen zu werden. Du kannst große Dinge träumen, aber allein ist es gefährlich, weil du in die Allmachtsvorstellung geraten kannst. Aber mit Gott hab keine Angst: Geh voran. Träum große Dinge!

Und dann das Wort, das ihr beide benutzt habt: »Angst«. Wisst ihr was? Die Träume der Jugendlichen machen den Erwachsenen etwas Angst. Sie machen Angst, denn wenn ein Jugendlicher träumt, dann reichen seine Träume weit. Vielleicht, weil sie aufgehört haben zu träumen und etwas zu wagen. Oft lässt das Leben die Erwachsenen aufhören zu träumen, etwas zu wagen; vielleicht weil eure Träume ihre Lebensentscheidungen in Frage stellen: Träume, die euch dazu bringen, etwas in Frage zu stellen, sie zu kritisieren. Aber lasst euch eure Träume nicht rauben.

Es gibt einen jungen Mann hier in Italien, 20 oder 22 Jahre alt, der zu träumen begann, der große Träume hatte. Und sein Vater, ein großer Geschäftsmann, versuchte, ihn davon abzubringen. Er aber sagte: »Nein, ich will träumen. Ich träume das, was ich im Inneren spüre.« Und am Ende ist er gegangen, um zu träumen. Und der Vater ist ihm gefolgt. Und jener junge Mann hat im Bischofssitz Zuflucht gesucht, hat seine Kleider abgelegt und sie dem Vater gegeben: »Lass mich meinen Weg gehen.« Dieser junge Mann, ein Italiener aus dem 13. Jahrhundert, hieß Franziskus und hat die Geschichte von Italien verändert. Franziskus hat es gewagt, große Träume zu haben; er kannte keine Grenzen, und er träumte bis an sein Lebensende.

Denken wir darüber nach: Er war ein junger Mensch wie wir. Aber wie er träumte! Man sagte, er sei verrückt, weil er so träumte. Und er hat viel Gutes getan und tut es auch weiterhin. Die Jugendlichen machen den Erwachsenen etwas Angst, denn die Erwachsenen haben aufgehört zu träumen, haben aufgehört, etwas zu wagen, sie haben es sich im Leben gut eingerichtet. Aber wie gesagt: Lasst euch eure Träume nicht rauben. »Und wie soll ich das anstellen, Vater, mir die Träume nicht rauben zu lassen?« Sucht gute Lehrmeister, die in der Lage sind, euch zu helfen, sie zu verstehen und konkret umzusetzen, Schritt für Schritt und mit innerer Ruhe. Seid auch ihr eurerseits gute Lehrmeister, Lehrmeister der Hoffnung und des Vertrauens gegenüber den neuen Generationen, die nach euch kommen. »Aber wie kann ich zum Lehrmeister werden?« Ja, ein Jugendlicher, der fähig ist zu träumen, wird zum Lehrmeister, durch das Zeugnis.

Denn es ist ein aufrüttelndes Zeugnis, das die Herzen bewegt und Ideale aufzeigt, die das gegenwärtige Leben verdeckt. Hört nicht auf zu träumen und seid Lehrmeister im Träumen. Der Traum hat eine große Kraft. »Vater, und wo kann ich die Pillen kaufen, die mich träumen lassen?« Nein, das nicht! Diese Pillen lassen dich nicht träumen: Sie schläfern dein Herz ein! Sie zerstören deine Nervenzellen. Sie ruinieren dein Leben. »Und wo kann ich die Träume kaufen?« Träume kann man nicht kaufen. Träume sind ein Geschenk, ein Geschenk Gottes, ein Geschenk, das Gott in unser Herz legt. Träume werden uns unentgeltlich gegeben, aber damit auch wir sie unentgeltlich den anderen geben. Bietet eure Träume an: Keiner wird euch ärmer machen, indem er sie nimmt. Bietet sie unentgeltlich den anderen an.

Liebe Jugendliche: »Nein« zur Angst. Was hat dir jener Lehrer gesagt! Hatte er Angst? Ja, vielleicht hatte er Angst; aber er hatte es sich im Leben eingerichtet, er war ruhig. Aber warum  wollte er nicht, dass ein Mädchen seinem Weg folgt? Er hat dir Angst gemacht. Und was hat er zu dir gesagt? »Studiere Wirtschaft: Du wirst mehr verdienen.« Das ist eine Falle, die Falle des Habens, des Sich-Einrichtens in einem Wohlstand statt ein Pilger auf dem Weg eurer Träume zu sein. Wagt etwas auf diesem Weg: Habt keine Angst. Wagt etwas, denn ihr selbst werdet eure Träume verwirklichen: Das Leben ist keine Lotterie, das Leben wird verwirklicht. Und wir alle haben die Fähigkeit, es zu tun. Der Heilige Vater Johannes XXIII. sagte: »Ich bin nie einem Pessimisten begegnet, der etwas Gutes zustande gebracht hat« (Interview von Sergio Zavoli mit Erzbischof Capovilla in Jesus, Nr. 6, 2000). Das müssen wir lernen, denn es wird uns im Leben helfen. Der Pessimismus drückt dich nieder, er lässt dich nichts vollbringen. Etwas wagen, träumen und voran.

Martina, 24 Jahre, stellte die zweite Frage. Sie sprach das Problem an, dass die Heirat und der Aufbau von Ehe und Familie heute oft der beruflichen Karriere nachgeordnet werden. Es fiele ihr oft schwer zu sagen, dass sie verlobt sei, obwohl sie an den Wert der Familie glaube.

Antwort des Heiligen Vaters:

Sie ist mutig, Martina, nicht wahr? Sie rüttelt uns auf und spricht mit Leidenschaft! Ich würde sie gerne fragen, ob sie vielleicht die Nichte des heiligen Johannes Chrysostomos ist, wie sie spricht, so stark, mit so viel Kraft! Wählen, selbst entscheiden zu können scheint der höchste Ausdruck der Freiheit zu sein. Wählen und selbst entscheiden können. Und in gewissem Sinne ist es das auch. Aber die Vorstellung von der Entscheidung, die heute kursiert, ist eine Vorstellung von Freiheit ohne Bindungen, ohne Verpflichtungen und immer mit irgendeinem Hintertürchen: »Ich wähle das, aber…« Sie hat den Finger in die Wunde gelegt: Eine Entscheidung treffen für das ganze Leben, sich für die Liebe entscheiden… Auch dort können wir sagen: »Ich entscheide mich, aber nicht jetzt, sondern wenn ich das Studium beendet habe«, zum Beispiel. »Ich entscheide mich, aber…«: Jenes »Aber« bremst uns, lässt uns nicht weitergehen, lässt uns nicht träumen, nimmt uns die Freiheit. Es gibt immer ein »Aber«, das manchmal größer wird als die Entscheidung und das diese erstickt. So zerbröselt die Freiheit und hält nicht mehr ihre Verheißungen von Freiheit und Glück. Und daraus schließen wir, dass auch die Freiheit eine Täuschung ist und das Glück nicht existiert.

Liebe Jugendliche, die Freiheit eines jeden ist ein großes Geschenk, ein Geschenk, das dir gegeben ist und das du behüten musst, um es wachsen zu lassen, um die Freiheit wachsen zu lassen, sie sich entwickeln zu lassen: die Freiheit, die keine Halbheiten duldet. Und sie hat die größte Freiheit erwähnt, die Freiheit der Liebe: Warum soll ich erst die Universität beenden, bevor ich an die Liebe denken kann? Die Liebe kommt, wann sie will – die wahre Liebe. Ist es gefährlich, zu den Jugendlichen von der Liebe zu sprechen?

Nein, es ist nicht gefährlich. Denn die Jugendlichen wissen gut, wann es sich um wahre Liebe handelt und wann einfach nur als Liebe getarnte Begeisterung vorhanden ist: Ihr unterscheidet gut zwischen ihnen, ihr seid keine Dummköpfe! Und daher haben wir den Mut, über die Liebe zu sprechen. Die Liebe ist kein Beruf: Die Liebe ist das Leben, und wenn die Liebe heute kommt, warum soll ich dann drei, vier, fünf Jahre warten, um sie wachsen zu lassen und sie zu festigen? Ich bitte in diesem Zusammenhang die Eltern, den Jugendlichen beim Heranreifen zu helfen, wenn die Liebe da ist, damit die Liebe heranreift und wir sie nicht immer weiter aufschieben und sagen: »Nein, denn wenn du jetzt heiratest, dann kommen die Kinder, und dun kannst das Studium nicht beenden, und wir haben für dich so viele Anstrengungen unternommen«. Diese Geschichte hören wir alle… Im Leben muss man jedoch immer die Liebe an die erste Stelle setzen, aber die wahre Liebe: Und dort müsst ihr lernen zu unterscheiden, wann es wahre Liebe und wann es nur Begeisterung ist. »Warum tue ich mich schwer – sagte sie – zu sagen, dass ich verlobt bin?« Also diesen neuen Personalausweis in meinem Leben zu zeigen, ihn sehen zu lassen?

Weil wir in der Welt Konditionierungen ausgesetzt sind. Aber etwas anderes ist sehr wichtig: »Willst du denn heiraten?« – »Wir wollen einmal etwas tun: Du machst so weiter, du tust so als würdest du nicht lieben, du studierst, und dann beginnst du, ein Doppelleben zu führen.« Der ärgste Feind der Liebe ist das Doppelleben: Habt ihr verstanden? Oder muss ich deutlicher werden? Der ärgste Feind der Liebe ist nicht nur, diese jetzt nicht wachsen zu lassen, zu warten, bis man das Studium beendet, sondern ein Doppelleben zu führen, denn wenn du beginnst, das Doppelleben zu lieben, dann geht die Liebe verloren, dann geht die Liebe dahin. Warum sage ich das? Weil der Mann in der wahren Liebe eine Aufgabe hat und die Frau eine andere Aufgabe hat. Wisst ihr, was die größte Aufgabe des Mannes und der Frau in der wahren Liebe ist? Wisst ihr das? Das Allumfassende: Die Liebe duldet keine Halbheiten: alles oder nichts. Und um die Liebe wachsen zu lassen, muss man Hintertürchen vermeiden. Die Liebe muss aufrichtig, offen, mutig sein. In der Liebe musst du »das ganze Fleisch aufs Feuer setzen«, wie wir in Argentinien sagen.

Es gibt etwas in der Bibel, was mich sehr beeindruckt: Am Ende der Schöpfung der Welt wird berichtet, dass Gott den Menschen als sein Bild und Gleichnis erschaffen hat. Dort heißt es: »Er erschuf sie männlich und weiblich, beide erschuf er als sein Bild.« Das ist die Liebe. Wenn du ein Ehepaar siehst, ein Paar aus einem Mann und einer Frau, die im Leben der Liebe vorangehen, dann ist dort das Bild und Gleichnis Gottes. Wie ist Gott? Wie jenes Ehepaar. Das ist das Bild und Gleichnis Gottes. Es heißt nicht, dass der Mann das Bild und Gleichnis Gottes ist, dass die Frau das Bild und Gleichnis Gottes ist. Nein: Beide zusammen sind Bild und Gleichnis Gottes. Und dann geht es weiter im Neuen Testament: »Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, um mit der Frau ein Fleisch zu werden.« Das ist die Liebe. Und was ist die Aufgabe des Mannes in der Liebe? Seine Ehefrau oder seine Verlobte mehr zur Frau zu machen.

Und was ist die Aufgabe der Frau in der Ehe? Ihren Ehemann oder ihren Verlobten mehr zum Mann zu machen. Es ist eine Arbeit, die zu zweit gemacht wird, damit sie gemeinsam wachsen; aber der Mann kann in der Ehe nicht alleine wachsen, wenn seine Frau ihn nicht wachsen lässt, und die Frau kann in der Ehe nicht wachsen, wenn ihr Mann sie nicht wachsen lässt. Und das ist die Einheit, das bedeutet »ein Fleisch werden «: Sie werden »eins«, weil einer den anderen wachsen lässt. Das ist das Ideal der Liebe und der Ehe.

Meint ihr, dass man ein solches Ideal, wenn man spürt, dass es wahr ist, wenn es reif ist, aufschieben sollte für andere Interessen? Nein, das darf man nicht. Man muss in der Liebe etwas wagen, aber in der wahren Liebe, nicht in der verliebten Begeisterung, die sich als Liebe tarnt. Wir müssen uns also fragen: Wo ist meine Liebe, wo ist mein Schatz? Wo ist das, was mir im Leben am kostbarsten ist? Jesus spricht von einem Mann, der alles verkauft hat, um eine kostbare Perle von sehr hohem Wert zu kaufen. Das ist die Liebe: alles zu verkaufen, um diese kostbare Perle von sehr hohem Wert zu kaufen. Alles. Daher ist die Liebe treu. Wenn Untreue vorhanden ist, ist keine Liebe vorhanden. Oder es ist eine kranke Liebe oder eine kleine Liebe, die nicht wächst. Alles verkaufen für eine einzige Sache. Denkt gut über die Liebe nach, denkt ernsthaft darüber nach. Habt keine Angst, an die Liebe zu denken: aber an die Liebe, die etwas wagt, an die treue Liebe, an die Liebe, die den anderen wachsen lässt, so dass sie gegenseitig wachsen. Denkt an die fruchtbare Liebe! Ich habe hier, als ich die Runde gemacht habe, einige Kinder in den Armen der Eltern gesehen: Das ist die Frucht der Liebe, der wahren Liebe. Wagt etwas für die Liebe!

Die dritte Frage, die von Dario, 27, gestellt wurde, betrifft das Thema des Glaubens und der Sinnsuche. Der in der Palliativpflege tätige junge Mann betonte die Schwierigkeit, sich selbst angesichts der Zweifel und Unsicherheiten mehr einzubringen. Vor allem wurden »die große Fragen« hinsichtlich des Glaubens unterstrichen, die seiner Ansicht nach wenig konkrete Antworten zulassen. So sei es nicht leicht, angesichts der Probleme eine angemessene Leitung zu finden, die sich für eine Auseinandersetzung Zeit nehme. »Wie ist es möglich«, so Dario, »dass ein großer und guter Gott Ungerechtigkeit in der Welt zulässt? Warum müssen die Armen und Randgruppen so sehr leiden? Meine Arbeit bringt mich täglich vor den Tod, und wenn ich sehe, dass junge Mütter oder Väter ihre Kinder verlassen, lässt mich das fragen: Warum wird das zugelassen? « Dario beklagte die Ferne der Kirche, die mit durch »Pomp« und »Skandale« unglaubwürdig wird.

Antwort des Heiligen Vaters:

Dario hat den Finger in die offene Wunde gelegt und mehr als einmal das Wort »Warum« wiederholt. Nicht auf jedes »Warum« gibt es eine Antwort. Warum leiden die Kinder zum Beispiel? Wer kann mir das erklären? Wir haben keine Antwort. Wir werden nur dann etwas finden, wenn wir auf den gekreuzigten Christus und seine Mutter blicken. Dort werden wir einen Weg finden, um im Herzen etwas zu verspüren, das eine Antwort ist. Im Gebet des Vaterunsers (vgl. Mt 6,13) findet sich eine Bitte: »Und führe uns nicht in Versuchung«. Diese Übersetzung wurde kürzlich in der italienischen Version durch eine präzise Übersetzung des Originaltextes korrigiert, weil es missverständlich klingen konnte. Kann Gott, der Vater, uns in Versuchung »führen«? Kann er seine Kinder täuschen? Gewiss nicht. Und aus diesem Grund lautet die wahre Übersetzung so: »Lass uns nicht in Versuchung geraten«. Halte uns zurück, das Böse zu tun, befreie uns von den bösen Gedanken… Bisweilen üben sie, auch wenn sie von Gott sprechen, Verrat an seiner Botschaft der Liebe. Bisweilen sind wir es, die wir das Evangelium verraten. Und er sprach von diesem Verrat am Evangelium, und sagte: »Die Kirche, Trägerin des Wortes Gottes auf Erden, erscheint immer ferner und verschlossener in ihren Ritualen«. Er gebraucht harte Worte: Das ist ein Urteil über uns alle, und in besonderer Weise sozusagen auch über die Hirten. Es ist ein Urteil über uns Männer und Frauen des geweihten Lebens. Er hat gesagt, dass wir immer ferner und in unseren Ritualen verschlossen sind. Wir müssen das mit Respekt anhören. Nicht immer ist es so, doch manchmal ist es wahr.

Den jungen Menschen reichen die Vorgaben von oben nicht: »Wir brauchen Beweise und ein aufrechtes Zeugnis, das uns begleitet und uns zuhört, den Zweifeln Gehör schenkt, die sich unserer Generation täglich stellen«. Und er bittet uns alle, Hirten und Gläubige, zu begleiten, zuzuhören, Zeugnis zu geben. Wenn ich ein Christ bin, ein gläubiger Mann, eine gläubige Frau im Laienstand, ein Priester, eine Ordensfrau, ein Bischof, wenn wir Christen nicht lernen, auf die Leiden zu hören, auf die Probleme zu hören, still zu sein, die Menschen reden zu lassen und ihnen zuzuhören, werden wir nie in der Lage sein, eine positive Antwort zu geben. Und oft können die positiven Antworten nicht mit Worten gegeben werden: Sie müssen gegeben werden, indem man sich selbst im Zeugnis aufs Spiel setzt. Wo kein Zeugnis ist, ist der Heilige Geist nicht da. Das ist eine ernste Sache.

Von den ersten Christen wurde gesagt: »Schaut, wie sie einander lieben«. Weil die Menschen das Zeugnis sahen. Sie verstanden zuzuhören, und außerdem lebten sie nach dem Evangelium. Christ zu sein ist kein Lebensstatus, keine Qualifikation: »Ich danke dir, Herr, weil ich Christ bin und nicht wie die anderen, die nicht an dich glauben«. Gefällt euch dieses Gebet? (Die Jugendlichen antworten: nein.) Das ist das Gebet des Pharisäers, des Heuchlers; so beten Heuchler. »Nun, die armen Leute, sie verstehen nichts. Sie hatten keinen Katecheseunterricht, sie sind nicht auf eine katholische Schule gegangen, sie haben keine katholische Universität besicht … es sind arme Leute…«: Ist das christlich? Ist das christlich oder nicht? (Sie antworten: nein.) Nein! Das erregt Anstoß! Das ist eine Sünde. »Ich danke dir, Herr, weil ich nicht bin wie die anderen: Ich gehe am Sonntag zur Messe, ich tue das, ich habe ein geordnetes Leben, ich gehe zur Beichte, ich bin nicht wie die anderen…«. Ist das christlich? (Sie antworten: nein.) Nein.

Wir müssen das Zeugnis wählen. Einmal sagte mir ein junger Mann bei einem Mittagessen mit Jugendlichen in Krakau: »Ich habe ein Problem an der Universität, weil ich einen Kommilitonen habe, der Agnostiker ist. Sagen Sie mir, Vater, was soll ich zu diesem Agnostiker sagen, um ihn verstehen zu lassen, dass unsere Religion die wahre Religion ist?«. Ich antwortete: »Mein Lieber, das Letzte, was du tun musst, ist ihm etwas zu sagen. Fang an, als Christ zu leben, und dann wird er es sein, der dich fragt, warum du so lebst«.

Dann hat Dario gesagt: »Der unnötige Pomp und die häufigen Skandale machen die Kirche in unseren Augen mittlerweile wenig glaubwürdig. Heiliger Vater, wie können wir all das verstehen? «. Der Skandal einer formellen Kirche, die kein Zeugnis gibt; der Skandal einer verschlossenen Kirche, weil sie nicht hinausgeht. Jeden Tag muss er aus sich selbst hinausgehen – ganz gleich, ob er glücklich oder traurig ist. Er muss hinausgehen, um die Kranken zu liebkosen, um Palliativpflege zu leisten, die den Übergang der Sterbenden in die Ewigkeit weniger schmerzhaft machen soll. Und er weiß, was es bedeutet, aus sich selbst herauszugehen, zu anderen zu gehen, über die Grenzen hinauszugehen, die mir Sicherheit geben.

In der Offenbarung des Johannes gibt es einen Abschnitt, in dem Jesus sagt: »Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir«: Jesus möchte zu uns kommen. Doch ich denke oft an Jesus, der an die Tür klopft, aber von innen, damit wir ihn hinauslassen, weil wir ihn oft ohne Zeugnis gefangen halten in unseren Formalitäten, in unserer Verschlossenheit, in unserer Selbstsucht, in unserer klerikalen Lebensweise. Und der Klerikalismus, der nicht nur ein Problem der Kleriker ist, ist eine Haltung, die uns alle betrifft: Der Klerikalismus ist eine Perversion der Kirche. Jesus lehrt uns diesen Weg des Herausgehens aus uns selbst, den Weg des Zeugnisses. Und das ist der Skandal – weil wir Sünder sind! –, nicht aus uns herauszugehen, um Zeugnis zu geben. Ich lade euch ein, jemand zu bitten – Darius oder jemand anderen –, diese Aufgabe zu übernehmen, aus sich selbst herausgehen zu können, um Zeugnis abzulegen. Und dann: nachdenken.

Wenn ich sage: »Die Kirche gibt kein Zeugnis«, kann ich das auch über mich sagen? Gebe ich Zeugnis? Er kann es sagen, weil er jeden Tag Zeugnis gibt mit den Kranken. Aber kann ich das sagen? Kann irgendjemand von uns jenen Priester, jenen Bischof oder jenen Mitchristen kritisieren, wenn er nicht in der Lage ist, aus sich selbst herauszugehen, um Zeugnis zu geben? Liebe Jugendliche – und das ist das Letzte, was ich sage –, ohne Zeugnis ist die Botschaft Jesu, die Kirche nichts als Rauch.


SCHLUSSBETRACHTUNG DES HEILIGEN VATERS

Liebe Jugendliche!

Danke für dieses Gebetstreffen im Hinblick auf die bevorstehende Bischofssynode. Ich danke euch auch, weil dieser Begegnung ein Flechtwerk vieler Wege vorausging, auf denen ihr zusammen mit euren Bischöfen und Priestern als Pilger entlang der Straßen und Wege Italiens inmitten der Schätze der Kultur und des Glaubens gegangen seid, die eure Väter als Erbe hinterlassen haben. Ihr seid durch die Orte gereist, an denen Menschen leben und arbeiten, voller Lebenskraft und geprägt von Mühen, sowohl in den Städten als auch in den Dörfern und abgelegnen Landstrichen. Ich hoffe, ihr habt die Freuden und Schwierigkeiten, das Leben und den Glauben des italienischen Volkes tief eingeatmet.

Im Abschnitt aus dem Evangelium, den wir gehört haben (vgl. Joh 20, 1-8), erzählt uns Johannes von jenem unvorstellbaren Morgen, der die Geschichte der Menschheit für immer verändert hat. Stellen wir uns diesen Morgen vor: Beim frühen Morgengrauen, am Tag nach dem Sabbat, um das Grab Jesu herum, fangen alle an zu laufen. Maria Magdalena läuft, um die Jünger zu benachrichtigen; Petrus und Johannes laufen zum Grab… Alle laufen, alle spüren die Dringlichkeit, sich in Bewegung zu setzen: es ist keine Zeit zu verlieren, man muss sich beeilen… Wie Maria dies sofort nach der Empfängnis Jesu getan hatte – erinnert ihr euch? –, um Elisabet zu helfen. Wir haben viele Gründe, um zu laufen, oft nur weil es so viele Dinge zu tun gibt und die Zeit nie ausreicht. Manchmal beeilen wir uns, weil uns etwas Neues, Schönes, Interessantes anzieht. Im Gegenteil dazu rennt man bisweilen, um einer Bedrohung, einer Gefahr zu entkommen… Die Jünger Jesu laufen, weil sie die Nachricht erhalten hatten, dass der Leib Jesu aus dem Grab verschwunden sei. Die Herzen Maria Magdalenas, des Simon Petrus, des Johannes sind voller Liebe und schlagen heftig nach der Trennung, die endgültig schien. Vielleicht erwacht in ihnen die Hoffnung, wieder das Angesicht des Herrn zu sehen!

Wie an jenem ersten Tag, an dem er verheißen hatte: »Kommt und seht« (Joh 1, 39). Derjenige, der am meisten rennt, ist Johannes, gewiss weil er jünger ist, aber auch, weil er nicht aufgehört hatte zu hoffen, nachdem er mit seinen eigenen Augen gesehen hatte, wie Jesus am Kreuz starb; und auch, weil er Maria nahe stand und daher von ihrem Glauben »angesteckt« wurde. Wenn wir spüren, dass der Glaube schwindet oder lau wird, dann wollen wir zu ihr gehen, zu Maria, und sie wird uns lehren, sie wird uns verstehen, sie wird uns den Glauben spüren lassen.

Von jenem Morgen an, liebe Jugendliche, ist Geschichte nicht mehr dieselbe. Jener Morgen hat die Geschichte verändert. Die Stunde, da der Tod zu siegen schien, offenbart sich in Wirklichkeit als die Stunde seiner Niederlage. Selbst jener schwere Stein vor dem Eingang des Grabs vermochte keinen Widerstand zu bieten. Und von jenem frühen Morgen des ersten Tages nach dem Sabbat an kann jeder Ort, wo das Leben unterdrückt wird, jeder Raum, in dem Gewalt, Krieg und Elend herrschen, wo der Mensch gedemütigt und getreten wird, an jenem Ort kann noch eine Hoffnung auf Leben neu entfacht werden. Liebe Freunde, ihr habt euch aufgemacht und seid zu diesem Treffen gekommen. Und jetzt besteht meine Freude darin, zu spüren, wie eure Herzen wie jene Maria Magdalenas, des Petrus und des Johannes vor Liebe zu Jesus schlagen.

Und weil ihr jung seid, bin ich wie Petrus froh, euch schneller laufen zu sehen, wie Johannes, getrieben von dem Impuls eures Herzens, empfindsam für die Stimme des Geistes, der eure Träume beseelt. Deshalb sage ich euch: Gebt euch nicht mit dem vorsichtigen Schritt derer zufrieden, die sich am Ende der Schlange anstellen. Begnügt euch nicht mit dem vorsichtigen Schritt derer, die sich am Ende der Schlange anstellen. Es braucht den Mut, einen Sprung nach vorn zu wagen, einen wagemutigen und kühnen Sprung, um zu träumen und wie Jesus das Reich Gottes zu verwirklichen und euch für eine brüderlichere Menschheit einzusetzen. Wir brauchen Brüderlichkeit: Geht ein Risiko ein, geht voran! Ich werde glücklich sein, wenn ich euch schneller laufen sehe als jene, die in der Kirche ein wenig langsam und ängstlich sind, angezogen von jenem so sehr geliebten Antlitz, das wir in der heiligsten Eucharistie anbeten und im Fleisch der leidenden Geschwister erkennen. Der Heilige Geist möge euch bei diesem Lauf vorwärts drängen. Die Kirche bedarf eures Schwungs, eurer Intuitionen, eures Glaubens. Wir brauchen das!

Und wenn ihr dort ankommt, wo wir noch nicht angekommen sind, habt bitte die Geduld, auf uns zu warten, wie Johannes vor dem leeren Grab auf Petrus wartete. Und noch etwas: während ihr in diesen Tagen gemeinsam gegangen seid, habt ihr erfahren, wie schwer es ist, den Bruder oder die Schwester anzunehmen, die neben mir sind, doch auch wie viel Freude mir ihre Gegenwart schenken kann, wenn ich sie in meinem Leben ohne Vorurteile und Verschlossenheiten aufnehme. Alleine zu gehen gestattet es, von allem frei, vielleicht schneller zu sein, aber das gemeinsame Gehen macht aus uns ein Volk, das Volk Gottes. Das Volk Gottes, das uns die Gewissheit gibt, die Gewissheit der Zugehörigkeit zum Volk Gottes… Und mit dem Volk Gottes fühlst du dich sicher, im Volk Gottes, in deiner Zugehörigkeit zum Volk Gottes hast du Identität. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: »Wenn du schnell gehen willst, lauf alleine. Wenn du weit gehen willst, geh zusammen mit jemandem«.

Das Evangelium sagt, dass Petrus zuerst das Grab betreten und die Leinenbinden auf dem Boden und das Schweißtuch zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle gesehen hat. Dann ging auch der andere Jünger hinein, der – so sagt das Evangelium – »sah und glaubte« (V. 8). Dieses Verbpaar ist sehr wichtig: sehen und glauben.

Im ganzen Johannesevangelium wird gesagt, dass die Jünger, die die Zeichen sahen, die Jesus vollbrachte, an ihn glaubten. Sehen und glauben. Um welche Zeichen handelt es sich? Um das für die Hochzeit in Wein verwandelte Wasser; um einige geheilte kranke Menschen; um einen blindgeborenen Mann, der das Augenlicht gewinnt; um eine große Menschenmenge, die mit fünf Broten und zwei Fischen gespeist wird; um die Auferstehung seines Freundes Lazarus, der seit vier Tagen tot ist. In all diesen Zeichen offenbart Jesus das unsichtbare Antlitz Gottes.

Es ist dies nicht die Darstellung der erhabenen göttlichen Vollkommenheit, die aus den Zeichen Jesu hervorgeht, sondern die Geschichte der menschlichen Gebrechlichkeit, die der Gnade begegnet, die aufrichtet. Da ist die verwundete Menschheit, die durch die Begegnung mit ihm geheilt wird; da ist der gefallene Mensch, der eine ausgestreckte Hand findet, an die er sich klammern kann; da ist die Verlorenheit der Besiegten, die eine Hoffnung auf Erlösung entdecken. Und als Johannes in das Grab Jesu hineingeht, trägt er in den Augen und im Herzen jene Zeichen, die Jesus vollbracht hat, indem er in das menschliche Drama eintauchte, um es aufzurichten. Jesus Christus, liebe Jugendliche, ist kein dem Tod gegenüber gefeiter Held, sondern der, der ihn mit dem Geschenk seines Lebens verwandelt. Und jene sorgfältig gefalteten Leinenbinden sagen, dass er sie nicht mehr brauchen wird: Der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

Liebe Jugendliche, ist es möglich, das Leben an Orten zu vorzufinden, wo der Tod herrscht? Ja, es ist möglich. Man würde gern antworten, dass es besser ist, wegzubleiben, sich zu entfernen. Und dennoch ist dies die revolutionäre Neuheit des Evangeliums: Das leere Grab Christi wird zum letzten Zeichen, in dem der endgültige Sieg des Lebens erstrahlt. Also haben wir keine Angst! Wir bleiben nicht weg von den Orten des Leidens, der Niederlage, des Todes. Gott hat uns eine größere Macht gegeben als all die Ungerechtigkeiten und Gebrechlichkeiten der Geschichte, größer als unsere Sünde: Jesus hat den Tod besiegt, indem er sein Leben für uns hingegeben hat. Und er sendet uns aus, um unseren Brüdern und Schwestern zu verkünden, dass er der Auferstandene ist, dass er der Herr ist, und er schenkt uns seinen Geist, um das Reich Gottes mit ihm zu säen. An jenem Morgen des Ostersonntags wurde die Geschichte geändert: Lasst uns Mut haben!

Wie viele Gräber warten heute – sozusagen – auf unseren Besuch! Wie viele verwundete Menschen, selbst junge, haben ihr Leiden damit besiegelt, »indem sie – wie sie sagen – einen Stein darüber setzen und vergessen«. Mit der Kraft des Geistes und dem Wort Jesu können wir diese Steine versetzen und Lichtstrahlen in jene Schluchten der Finsternis eindringen lassen. Der Weg nach Rom war schön und ermüdend; denkt nur, wie viel Mühe, aber auch wie viel Schönheit! Doch der Rückweg in eure Heimat, in eure Länder, in eure Gemeinden wird genauso schön und herausfordernd sein. Legt ihn mit dem Vertrauen und der Energie des Johannes zurück, des »Jüngers, den er liebte«. Ja, da liegt das ganze Geheimnis, darin, von ihm »geliebt« zu werden und darum zu wissen, Jesus, der Herr, liebt uns! Und wenn ein jeder von uns nach Hause zurückkehrt, so soll er dies in Herz und Sinn haben: Jesus, der Herr, liebt mich. Ich bin geliebt. Die Zärtlichkeit Jesu spüren, der mich liebt. Geht mit Mut und Freude auf dem Weg nach Hause, legt ihn in dem Bewusstsein zurück, von Jesus geliebt zu werden. Dann wird das Leben mit dieser Liebe zu einem guten Lauf, ohne Sorge, ohne Angst, dieses Wort, das uns zerstört. Ohne Sorge und ohne Angst. Ein Lauf hin zu Jesus und zu den Brüdern und Schwestern, mit einem Herzen erfüllt von Liebe, Glaube und Freude. Geht so weiter!




© Copyright - Libreria Editrice Vaticana